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Behinderte Menschen in Jobs bringen

Modellprojekt Behinderte Menschen in Jobs bringen

Rund 11.500 als erwerbsunfähig eingestufte Behinderte sind in Schleswig-Holstein in geschützten Werkstätten tätig. Jetzt sollen sie die Chance bekommen, ein reguläres sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auszuprobieren. Ministerin Alheit äußerte sich „sehr stolz“.

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Eine im Rollstuhl sitzende Frau arbeitet als Telefonserviceberater im Servicecenter: Schleswig-Holsteins Sozialministerin Alheit informiert am Freitag über neue Möglichkeiten für die Beschäftigung von Behinderten.

Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa

Kiel. Mit einem nach Angaben der Regierung bundesweit einzigartigen Modellprojekt will Schleswig-Holstein erwerbsunfähigen Behinderten den Weg in den regulären Arbeitsmarkt ebnen. Dabei geht es um Behinderte, die bisher in geschützten Werkstätten tätig sind. Arbeitgeber, die ihnen normale sozialversicherungspflichtige Jobs anbieten, würden dafür bis zu drei Jahre lang Lohnzuschüsse von 70 Prozent erhalten, sagte Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) am Freitag.

Experten ihres Ministeriums entkräfteten die Sorge mancher Arbeitgeber, eingestellte Behinderte im Ernstfall nicht mehr entlassen zu können. 90 Prozent der Kündigungen in diesem Bereich seien betriebs- oder verhaltensbedingt. Und der besondere Kündigungsschutz beziehe sich nur auf die jeweilige Behinderung.

Das Projekt „Budget für Arbeit Schleswig-Holstein“ ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Es stehen dafür insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung, die das Integrationsamt aus Überschüssen der Ausgleichsabgabe angespart hat.

Das Besondere an dem Modell besteht laut Alheit darin, dass Behinderte ein Rückkehrrecht für ihre Werkstatt behalten. Ziel sei es, den Betroffenen Ängste zu nehmen, den Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt zu wagen und zudem Sicherheit zu geben, falls es nicht klappen sollte, erläuterte die Ministerin und ihre Fachleute.

Rund 70 Prozent der in Schleswig-Holstein in geschützten Werkstätten Beschäftigten sind geistig oder körperlich behindert. Die Zahl der wegen psychischer Erkrankungen Erwerbsunfähigen nehme seit Jahren ständig zu, hieß es. Viele von ihnen seien gut qualifiziert und hätten eine Berufsausbildung.

Experten des Ministeriums erläuterten, dass bisher getrennte parallele Systeme mit dem Modell erstmals zusammengeführt werden. Denn Werkstätten erhalten für erwerbsunfähige Behinderte Eingliederungshilfe vom Staat. Diese Eingliederungshilfe konnten Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarktes bisher nicht bekommen. Dafür können sie je nach Grad der Behinderung eines eingestellten Behinderten 30 bis 50 Prozent Lohnzuschuss bekommen aus anderen Töpfen. Das neue Modell sieht vor, dass Arbeitgeber 20 Prozent Eingliederungshilfe erhalten und 50 Prozent Lohnzuschuss, finanziert aus der Ausgleichsabgabe. „Unser Projekt ist bundesweit einmalig, wir sind sehr stolz“, sagte Alheit.

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