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Salafisten warben in Erstaufnahme

Neumünster Salafisten warben in Erstaufnahme

Salafisten suchen in Schleswig-Holstein verstärkt den Kontakt zu Flüchtlingen. Nach Angaben von Patrick Tiede, Sprecher des Kieler Innenministeriums, liegen dem Verfassungsschutz entsprechende Erkenntnisse vor. Die Anzahl solcher Fälle bewege sich im „niedrigen zweistelligen Bereich“, sagte er am Donnerstagabend.

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Innenminister Stefan Studt (li.) besuchte im September noch die Erstaufnahme in Neumünster.

Quelle: Sven Janssen (Archiv)

Kiel/Neumünster. Betroffen seien insbesondere die Städte Kiel, Lübeck und Neumünster. Die Flüchtlinge würden sowohl von Einzelpersonen als auch von Vertretern salafistisch beeinflusster Moscheevereine angesprochen. Die Salafisten treten nach Angaben des Sprechers unter dem Deckmantel auf, den Menschen mit Geld oder Sachspenden helfen zu wollen oder sie auf Behördengängen zu begleiten. „Über diese Kontakte wird immer wieder auch zu Besuchen in den einschlägigen Moscheen eingeladen.“ Offenbar mit Erfolg: Mittlerweile stellt die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes fest, dass in nahezu allen salafistisch beeinflussten Moscheevereinen regelmäßig Flüchtlinge am Freitagsgebet teilnehmen. Ihre Zahl fluktuiere jedoch stark. „Es muss zunächst davon ausgegangen werden, dass die Salafisten versuchen, die Flüchtlinge für ihre Ideologie zu vereinnahmen“, sagte Tiede. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass sich diese Gruppe „als vertrauenswürdiger Ansprechpartner etabliert und die Flüchtlinge somit em-pfänglicher für die verfassungsfeindliche Agitation macht“.

Kubicki fordert mehr Verfassungsschützer

FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki bezeichnete die Nachricht als besorgniserregend. „Wir dürfen nicht zulassen, dass in Schleswig-Holstein IS-Kämpfer für den sogenannten Heiligen Krieg gewonnen werden“, sagte er. Deshalb müsse das Land mit allen Mitteln schon die Entstehung entsprechender Rekrutierungsfelder unterbinden. Kubicki forderte in diesem Zusammenhang, den Verfassungsschutz aufzustocken. „Es zeigt sich immer deutlicher, dass die linken Träume, wonach der Verfassungsschutz grundsätzlich verzichtbar sei, schon immer weltfremd waren.“

Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung Neumünster hatten in einer ZDF-Sendung davon berichtet, mehrfach auf Arabisch von Salafisten angesprochen worden zu sein – sowohl in der Einrichtung als auch in der Innenstadt. Als Kontaktbörse diene ein Handyladen in zentraler City-Lage, der laut ZDF dem Imam der salafistischen Gemeinde gehört und vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die Flüchtlinge würden gefragt, warum sie sich in Deutschland aufhalten, statt in Syrien für den Islamischen Staat zu kämpfen. Ihre Familien könnten sie ja sicher in der Türkei unterbringen.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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