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Liebing kritisiert Verhalten der CSU

Landesparteitag Liebing kritisiert Verhalten der CSU

Der CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing, 52, hat die Führungsdebatte vorerst beendet. Auf einem Parteitag in Neumünster machte Liebing klar, dass er die CDU in die Landtagswahl 2017 führen und Ministerpräsident werden will.

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Die Nord-CDU trifft sich am Sonnabend in Neumünster zum Landesparteitag.

Quelle: Soenke Ehlers

Neumünster. Sein möglicher Konkurrent, Fraktionschef Daniel Günther, 42, stellte sich demonstrativ hinter Liebing. Inhaltlich setzte die Nord-Union nur einen Akzent. Sie sprach sich gegen Kritiker aus Kiel für eine Gleichstellung von Homo-Ehen aus.

Vor dem Auftakt des Parteitags führt Liebing in den Holstenhallen letzte Gespräche. Er ist sichtbar nervös, weiß, dass es ein Jahr nach seinem Amtsantritt um seine Karriere, um seinen Kopf geht. Bei der Ehrung verstorbener CDU-Mitglieder verhaspelt er sich etwas, nimmt seinen Platz auf dem Podium ein – direkt neben Günther. Kurzer Plausch. Beide haben vorab besprochen, dass sie ein Signal der Geschlossenheit setzen wollen. Beide wissen aber nicht, ob die Inszenierung gelingt.

Liebing muss als erstes auf die Bühne, möchte in einer Grundsatzrede alle Zweifel an seiner Führungsstärke zerstreuen. Er hält sich penibel an sein Manuskript, stellt sich in der Flüchtlingspolitik hinter Kanzlerin Angela Merkel und rechnet mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seiner durchweg „maroden“ Politik ab. „Er ist ein Kulissenmaler“, nutze tollste Farben. „Aber wenn man dahinter blickt, dann ist da nichts.“ Schleswig-Holstein brauche einen „Architekten, der einen Plan für die Zukunft hat“. Was Liebing plant, wo seine Schwerpunkte sind, lässt er allerdings offen. Der Beifall der gut 200 Delegierten hält sich in Grenzen.

Der Parteichef wirbt dann für Teamarbeit und Geschlossenheit. In der Halle wird es sehr still. „Lieber Daniel, Du machst einen hervorragenden Job“, liest Liebing ab. Er weist Spekulationen über einen Wettlauf zwischen „uns beiden“ zurück: „Wir arbeiten gut und vertrauensvoll zusammen.“ Der Applaus nach gut 40 Minuten ist zunächst nur durchschnittlich. Dann stehen zwei Nordfriesen aus Liebings Heimatverband auf. Ein Kreisverband nach dem anderen schließt sich den Standing Ovations an, zuletzt Pinneberg mit Ex-Spitzenmann Christian von Boetticher. Fast zwei Minuten wird geklatscht. Liebing atmet durch, lässt sich feiern.

Plötzlich geht ein Raunen durch die Halle. Günther schlendert ans Rednerpult, erhält spärlichen Applaus. „Vielen Dank für die warmherzige Begrüßung“, scherzt Günther. Wie abgesprochen lobt er Liebing, dankt für „die hervorragende Rede“, den „klaren Leitfaden“ und wünscht sich dann noch den Tag herbei, an dem Liebing als Ministerpräsident im Landtag rede. Beifall brandet auf, auch als das Spitzenduo sich vor laufenden Kameras etwas unbeholfen in den Arm nimmt und drückt.

Viele Delegierte sind erleichtert über den Schulterschluss, auch Liebings Kurzzeit-Vorgänger. „Wir haben zwei hervorragende Spitzenpolitiker“, sagt Reimer Böge (CDU-Chef bis November 2014). „Wenn die CDU mehr als einen guten Mann hat, beginnen die Medien gleich, Rivalität zu unterstellen“, meint Jost de Jager (bis Januar 2013). Auch von Boetticher (bis August 2011) sieht in Liebing den künftigen Ministerpräsidenten. „Er ist zwar kein Spitzenrhetoriker oder Gute-Laune-Bär, aber inhaltlich sehr versiert und mega-fleißig.“

Der Parteitag plätschert vor sich hin, endet nach gut sechs Stunden mit einer kleinen Überraschung. Die Nord-CDU fordert gegen die Bundeslinie eine rechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe samt Adoptionsrecht. Liebing, der das früher ablehnte, wirbt offen für den Vorstoß der Jungen Union. Die Delegierten aus Kiel sind uneins. Der Versuch von Kreischef Thomas Stritzl, zunächst eine Mitgliederbefragung anzusetzen, scheitert auch an dem Widerspruch einer anderen Kielerin. Ex-Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz spricht sich für den Antrag aus.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Rund 18 Monate vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein liegen Welten zwischen SPD und CDU. Die größte Regierungspartei hat am Wochenende wichtige Weichen gestellt. Sie geht öffentlich geschlossen mit Ministerpräsident Torsten Albig ins Rennen.

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