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CDU fordert Schweinefleisch in Kantinen

Landtag CDU fordert Schweinefleisch in Kantinen

Gehört Schweinefleisch in Deutschland in jede Kantine oder sollte man aus Rücksichtnahme gegenüber Muslimen verzichten? Nein, findet die Kieler CDU und muss für ihren „Pork Day“ viel Spott über sich ergehen lassen.

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Schweinefleisch als Kulturgut? Die Nord-CDU fordert eine Schweinefleischpflicht für öffentliche Kantinen.

Quelle: Sven Hoppe/dpa

Kiel. Schweinefleisch soll fester Bestandteil in öffentlichen Kantine sein — mit diesem Vorstoß sorgt die CDU in Schleswig-Holstein für Aufsehen. „Der Minderheitenschutz — auch aus religiösen Gründen — darf nicht dazu führen, dass eine Mehrheit aus falsch verstandener Rücksichtnahme in ihrer freien Entscheidung überstimmt wird“, erläutert die CDU ihren Vorstoß. Muslime etwa essen aus Glaubensgründen kein Schweinefleisch.

Die Landesregierung werde aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Schweinefleisch auch weiterhin im Nahrungsmittelangebot sowohl öffentlicher Kantinen als auch in Kitas und Schulen erhalten bleibe, heißt es in einem Antrag der Fraktion für die Landtagssitzung in der nächsten Woche. Darüber hatten zuvor die „Lübecker Nachrichten“ berichtet. Die Bundesparteien von Grünen und FDP unterstellten der Landes-CDU, eine Schweinefleischpflicht anzustreben — was der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Hundertmark, entschieden zurückwies.

Schweinefleisch als Kulturgut

„Immer mehr Kantinen, Kitas und Schulen nehmen Schweinefleisch aus ihrem Angebot, um auf religiöse Gebräuche Rücksicht zu nehmen“, sagte CDU-Fraktionschef Daniel Günther. Die CDU halte das für falsch. „Wir setzen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dazu gehört in unserer Kultur auch der Verzehr von Schweinefleisch“, sagte Günther. „Niemand soll dazu verpflichtet werden. Wir wollen aber auch nicht, dass die Mehrheit deshalb auf Schweinefleisch verzichten muss.“

Für die Landesregierung nahm Landwirtschaftsminister Robert Habeck Stellung: „Staatlichen Handlungsbedarf kann ich nicht erkennen. Und schon gar nicht teile ich die Verkürzung unserer grundgesetzlichen Werte auf die Pflicht, Kotelett oder Hack zu essen.“

Spott im Netz

Mit Spott oder Unverständnis reagierten SPD, FDP und Grüne. „Nein, es ist nicht der 1. April“, schrieb der Grünen Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz, seine Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt meinte: „#CDU fordert Integrationspflicht für Vegetarier.“ Ralf Stegner, SPD-Bundesvize und Landesparteichef im Norden, spottete: „Vegetarier,Veganer + Moslems in politischer Dreieinigkeit: Machtübernahme in SH-Kantinen. Nord-CDU kämpft für Sie! #Schweinefleischoffensive.“ Stegner sagte: „Wenn die CDU jetzt schon im Landtag eine Debatte über Ideologie am Beispiel eines „Pork-Day“ in öffentlichen Kantinen führen möchte, dann zeigt das deutlich, dass die innerparteiliche Krise der Christdemokraten im Norden doch größer ist, als ich dachte.“ SPD-Chef Sigmar Gabriel reagierte ähnlich: „Ich hab so'nen Quatsch noch nicht gehört. Man muss auch aufpassen, dass man die Themen im Umgang mit Flüchtlingen jetzt nicht auf schlechtes Comedy-Maß reduziert, das wäre mein Rat.“

FDP-Parteichef Christian Lindner betonte die Freiheit: „Erst #Veggieday, jetzt #Schweinefleischpflicht. Verrückte Idee: wie wäre es, wenn einfach jeder selbst entscheidet was er isst?“ Sein Partei-Vize und Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki meinte launig zur neuen „Hackordnung“ der CDU-Fraktion: „Ich habe „Schwein gehabt“ bisher immer anders verstanden. Gleiches Recht für alle: Keine Diskriminierung von Rindfleisch.“ Weitere Reaktionen aus dem Netz finden Sie hier.

Kein Zwang

CDU-Fraktionssprecher Hundertmark erklärte auf Nachfrage, die CDU wolle niemanden zwingen, Schweinefleisch zu essen. Wenn etwa ein Caterer lediglich ein einziges Mittagessen in eine Schule liefere, könne es zum Beispiel einen Gemüseauflauf geben und wer wolle, könne dazu ein Stück Fleisch extra bekommen. Es sei auch in Ordnung, wenn eine Elternversammlung einer Kita einmütig aus gesundheitlichen Gründen auf Schweinefleisch für die Kinder verzichten wolle. Es dürfe aber nicht eine Minderheit der Mehrheit Essvorgaben aufzwingen.

Schlagzeilen hatten 2013 vor der Bundestagswahl bereits die Grünen ausgelöst mit der Forderung nach einem Veggie Day, einem fleischfreien Tages pro Woche in Kantinen. Es sei gut vorstellbar, dass es jeden Donnerstag nur vegetarische Gerichte gebe, sagte die damalige Spitzenkandidatin Göring-Eckardt. „Man muss nicht jeden Tag zwei Burger essen“, sagte die Grünen-Politikerin und sah sich damals auch von der CDU dem Vorwurf der Bevormundung ausgesetzt.

Vorbild Dänemark

Ein Blick ins benachbarte Dänemark zeigt, dass die Nord-CDU mit ihrem Einsatz für Schweinefleisch nicht allein steht. Bereits im Januar hatte der Stadtrat der dänischen Hafenstadt Randers einen „Frikadellen-Krieg“ entfacht indem er beschloss, dass in den öffentlichen Kantinen auch Schweinefleisch angeboten werden muss. „Die Regelung ist flexibel, sprich es muss auch eine Alternative geben, wenn es etwa Kinder gibt, die kein Schwein essen“, ergänzte eine Sprecherin der Kommune am Dienstag auf Anfrage.

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Foto: Niemand soll auf Schweinefleisch verzichten müssen, so der Wunsch der CDU aus Schleswig-Holstein.

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