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Land will Kitesurfen eindämmen

Nord- und Ostsee Land will Kitesurfen eindämmen

Schleswig-Holstein will die Kitesurfer erstmals in die Schranken weisen. Nach Plänen von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) soll der Trendsport in der Nordsee künftig nur noch in ganz bestimmten Kite-Zonen und in der Ostsee nur abseits einiger Naturschutzgebiete möglich sein.

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Vor Fehmarn in der Ostsee liegen einige der beliebtesten Kitespots. Mögliche Einschränkungen betrachten die Sportler als Diskriminierung.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa

Kiel/Berlin. Die vorgesehenen Beschränkungen, die der Bund per Verordnung regeln soll, hat in der Kite-Szene einen Proteststurm ausgelöst. Am Dienstag übergab die Global Kitesports Association (GKA) in Berlin mehr als 21000 Unterschriften gegen Kite-Verbote.

Habeck warb derweil in Kiel dafür, das Lenkdrachensurfen zunächst in der Nordsee und damit im Nationalpark Wattenmeer zu begrenzen. In vogelreichen Gebieten könne es zu Störungen kommen, mahnte Habeck. Solche sensiblen Gebiete müssten geschont werden. Die Pläne dafür sind fast fertig. In den vergangenen Monaten verhandelte das Nationalparkamt entlang der gesamten Westküste und auf den Inseln mit den Betreibern von Kite-Schulen, Naturschützern und Gemeinden darüber, welche Küstenabschnitte künftig der Natur und welche den Kitern vorbehalten sein sollen.

Bereits Kompromisse an der Westküste geplant

Nach Angaben des Ministeriums zeichnen sich für die beiden populärsten Kite-Gebiete an der Nordsee bereits Kompromisse ab. Demnach könnten Kiter auf Sylt weiterhin fast den gesamten Weststrand nutzen. Die Ostseite der Insel wäre hingegen bis auf zwei kleine Kite-Areale künftig tabu. Ähnlich gestrickt ist die angedachte Regelung für den Nationalpark vor St. Peter-Ording, eines der besten Kite-Reviere der Welt. Im Kernbereich könnten die Sufer weiterhin ihren Lenkdrachen steigen lassen, in den Randbereichen wie etwa vor Westerhever nicht mehr. Beschränkungen sind auch an 15 weiteren Küstenabschnitten geplant, darunter etwa vor Amrum, Föhr, Pellworm, Büsum und Nordstrand.

Durchsetzen möchte Habeck die Kiter-Regelung über die Bundesbefahrensverordnung, mit der das Berliner Verkehrsministerium auch den Wassersport vom Paddeln bis zum Segeln in den Küstengewässern regelt. Die Details will Habeck in weiteren lokalen, aber auch überregionalen Gesprächsrunden bis zum 10. Februar klären.

Vor Heidkate ist ein Verbot geplant

Anders als für die Nordsee hat das Umweltministerium für die Ostsee bereits eine Änderung der Bundesverordnung beantragt. Demnach sollen die Kiter aus neun kleineren Naturschutzgebieten ganz oder zeitweise verbannt werden, darunter aus dem Gebiet vor Heidkate an der Kieler Außenförde. Für große Vogelschutzgebiete etwa vor Fehmarn strebt das Ministerium freiwillige Lösungen an, etwa ein Kite-Verbot im Winter, um Rastvögel zu schützen.

„Ich denke, dass die Kitesurfer gerade wegen ihrer Naturverbundenheit solche Ruhezonen auch akzeptieren können“, sagte Habeck. Seine Hoffnung hat sich bisher nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Kite-Szene, lange Zeit eine bunte Schar von Individualisten, hat sich auch im Widerstand gegen die Kieler Pläne organisiert. „Wir lehnen Kite-Verbote ab“, bekräftigte der Vorsitzende des neuen Kite-Dachvereins „Love it like a local“, Moritz Brameier. Es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Lenkdrachen Brut- und Rastvögel stören. Vereinssprecher Martin Motzek spricht von einer Diskriminierung der Kiter. Begründung: Für andere Wassersportler, etwa Segler und Surfer, würden keine Nutzungszonen ausgewiesen. Sie dürften weiterhin den gesamten Nationalpark nutzen.

Trendsportler legen Protest ein

Einen ersten Erfolg konnten die Trendsportler am Dienstag verbuchen. Das Bundesverkehrsministerium habe nach der Übergabe der Protest-Unterschriften zugesichert, dass es „keinen Regelungsbedarf“ gibt, berichtete GKA-Generalsekretär Jörgen Vogt. Klar ist, dass Schleswig-Holstein den Kitern auch ohne Bundesverordnung in die Segel greifen könnte. Vorbild wäre Niedersachsen. Im dortigen Nationalpark sind jegliche Drachen tabu, wobei es inzwischen für mehr als ein Dutzend Küstenbereiche Ausnahmen gibt.

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Kommentar

Umweltminister Robert Habeck hat bei der Begrenzung des Kitesurfens das richtige Ziel vor Augen. Natürlich bedarf es einer Kite-Regelung, weil aus dem Outsider-Hobby der 90er-Jahre eine populäre Trendsportart geworden ist.

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