7 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Bauernverband kritisiert erneut Habeck

Offener Brief Bauernverband kritisiert erneut Habeck

Freunde werden der Bauernverband und Agrarminister Habeck nicht mehr. Gleich zu Jahresbeginn nahm der Verband seine Attacken gegen den Grünen Politiker wieder auf. Habeck befürwortet eine Neuausrichtung in der Landwirtschaft und warnt vor einem Weiter so.

Voriger Artikel
LINKE will Ausweitung des Winternotprogramms für Obdachlose
Nächster Artikel
Jörg Fröhlich Hamburgs neuer Generalstaatsanwalt

In dem Schreiben distanziert sich der Verband drastisch von Habecks Ideen für eine Landwirtschaft.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Kiel. Der Streit um eine neue Definition über das Berufsbild des Landwirts hat zwischen Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und dem Bauernverband Schleswig-Holstein eine ungewöhnliche Dimension erreicht: Auf seiner Facebook-Seite hat der Verband unter dem Titel „Der grüne Deal“ dem Minister ein Angebot gemacht, künftig als ihr Chef Landwirtschaft als Planwirtschaft nach DDR-Vorbild zu betreiben.

In dem ironisch geschriebenen Stück, das Verbandsangestellter Sönke Hauschild verfasst hat, heißt es weiter: „Sie stellen alle Landwirte ein, gerne zum Landesmindestlohn, wenn Ihnen unsere Arbeit nicht mehr wert ist. Sie sagen uns, was wir jeden Tag zu tun haben. Denn mit 9,18 Euro Mindestlohn wird selbständiges Denken nicht entlohnt. Das Management des Betriebes ist also ganz Ihre Sache.“ Und weiter: „Eine Frage haben wir an unseren neuen Chef: Welche Sachkunde haben Sie eigentlich?“

"Wir leben nicht in der Stadt"

Am Ende des offenen Briefes an den Minister, der laut Hauschild auf Anregung mehrere Landwirte verfasst wurde, wenden sich die Landwirte dann gegen ihr selbst entworfenes Szenario: „Wir können unser Denken, unser Wissen, auch unser Fühlen nicht abstellen. Wir sind anders gestrickt. Wir halten Tiere, Äcker und Wiesen für wertvoll, schützenswert. Wir wollen weiter selber Milch und Fleisch anbieten, statt uns auf andere zu verlassen. Wir wollen unsere Landschaft erhalten und nicht voll-renaturieren.“ Eine Spitze gegen Habeck kann sich der Verband am Ende des Posts nicht verkneifen: „Denn wir leben nicht in der Stadt, wie Sie. Tut uns leid.“

„Ich finde diese Reaktion des Bauernverbands angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage für die Landwirte nicht angemessen“, sagte Habeck auf Anfrage von KN-online. Es sei „schade“, dass man in der Sache einfach nicht weiterkomme: „Ich würde mir nach wie vor wünschen, dass wir gemeinsam eine nach vorne gerichtete Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft führen – das ein ,weiter so’ hilft, bezweifele ich.“

Anträge auf Beihilfe gestellt

Zuvor hatte Habeck mehrfach gefordert, das bestehende Fördersystem mit Direktzahlungen von bundesweit etwa fünf Milliarden Euro an Landwirte neu zu definieren. Ziel müsse es sein, die Landwirte zu unterstützen und nicht die Bodenbesitzer, wenn dies keine keine Landwirte seien – wie zu 50 Prozent in Schleswig-Holstein. Die Gelder würden derzeit zu breit gestreut, Landwirte müssten aber auch für ihre Aufgabe zur Pflege der Infrastruktur verstärkt unterstützt werden. Die von der Bundesregierung beschlossenen Liquiditätshilfen seien zu kurz gegriffen.

Unterdessen haben im Dezember 2015 etwa 7 800 landwirtschaftliche Betriebe, zumeist aus Bayern und Niedersachsen, bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Anträge auf Beihilfe von voraussichtlich rund 60 Millionen Euro gestellt. Aus Schleswig-Holstein kommen 684 Anträge, zumeist von Milchbauern. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hatte Milch- und Fleischerzeugern aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage die Möglichkeit auf eine Liquiditätsbeihilfe gegeben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3