21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Neue Vorwürfe lösen Entsetzen aus

Missstände in Jugendeinrichtung Neue Vorwürfe lösen Entsetzen aus

Der Streit zwischen Regierung und Opposition um die Heimaufsicht in Schleswig-Holstein geht weiter: Während Sozialministerin Alheit deutliche Verbesserungen sieht, kritisiert die Opposition Alheits Krisenmanagement. Unterdessen werden weitere Missstände bekannt.

Voriger Artikel
Alheit weist Vorwürfe erneut zurück
Nächster Artikel
Günther attackiert Agrarminister Habeck

Es werden immer weitere Missstände über Misshandlungen in schleswig-holsteinischen Jugendheimen bekannt: Pirat Dudda nannte am Montag neue Details.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archivbild)

Kiel. Die Schilderungen weiterer Missstände in Schleswig-Holsteins Kinder- und Jugendheimen haben für Empörung und Entsetzen gesorgt. „Was der Zeuge Marco von den Zuständen im Jugendheim Rimmelsberg erzählt, bestätigt alle unsere Befürchtungen“, sagte die CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann nach dem Bericht der Kieler Nachrichten. „Das Wohl der Kinder schien nicht im Vordergrund zu stehen.“

Anita Klahn (FDP) hält es für „unerlässlich“, dass sich das Sozialministerium einen Überblick darüber verschafft, in wie vielen weiteren Einrichtungen ähnlich fragwürdige Methoden schwarzer Pädagogik angewendet werden. „Leider hat das Ministerium kein großes Interesse daran.“ Eine kleine Anfrage war mit Verweis auf die mehr als 2000 Einrichtungen im Land unbeantwortet geblieben.

Der Piraten-Angeordnete Wolfgang Dudda legte am Montag nach. Bei einer Sondersitzung des Sozialausschusses, in dem Ministerin Kristin Alheit (SPD) ihre Erklärungen vom Freitag zu den Heimeinrichtungen Rimmelsberg (Schleswig-Flensburg) und Dörpling (Dithmarschen) bekräftigte, präsentierte er eine eidesstattliche Erklärung.

Darin hält ein ehemaliger Dörpling-Mitarbeiter seinem Ex-Chef Frank Hunting ähnliche Methoden vor, wie sie bereits in den Skandal-Mädchenheimen Friesenhof praktiziert wurden. Die beiden hatten zuvor dort gemeinsam gearbeitet. Ein Kollege habe in Huntings Heilpädagogischer Kinder- und Jugendhilfe während einer Nachtwache mit einer 17-Jährigen sexuelle Kontakte gehabt.

Ein weiterer Kollege habe eine Dreiviertelstunde lang einem anderen Mädchen den Arm verdreht und auf ihrem Rücken gesessen. Hunting bestätigte den sexuellen Übergriff. Er habe den Fall sofort, als er davon erfuhr, Heimaufsicht, Jugendamt und Eltern gemeldet. Der Mitarbeiter sei bereits zuvor entlassen worden. Die übrigen Vorwürfe dementierte er „aufs Schärfste“. Er behalte sich eine Strafanzeige wegen Rufschädigung vor.

Die Ministerin wiegelte ab und sprach von Konsequenzen, blieb aber vage. Bestimmte Schilderungen des heute 18-jährigen Marco über seine knapp zwei Jahre in der Rimmelsberg-Wohngruppe Hof Seeland deckten sich mit den Erkenntnissen ihrer Behörde. „Das sind Methoden, die nicht vorkommen dürfen.“ Der sogenannte Losertisch, an dem es für Missetäter nur Wasser und Brot gab, sei mittlerweile ebenso abgeschafft worden wie ein negatives Punktesystem, das einzig der Bestrafung diente.

Rimmelsberg-Betreiber Manuel Feldhues hat für kommende Woche eine Pressekonferenz einberufen, in der es um „Transparenz statt Verschwiegenheit“ gehen soll. Seit Juni 2015 werde man von der Heimaufsicht beraten. Nach Angaben seiner PR-Mitarbeiterin holen inzwischen erste Jugendämter wegen der Negativschlagzeilen ihre Kinder aus der Einrichtung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr zum Artikel
Kommentar

Was Druck von oben doch manchmal bewirken kann. Jahrelang ließ der Inhaber der Kinder- und Jugendhilfe Rimmelsberg, Manuel Feldhues, die Zügel bei seinen Mitarbeitern mächtig schleifen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3