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Neue Amtssprachen fürs Land

Platt, Dänisch und Friesisch Neue Amtssprachen fürs Land

Von dieser bundesweit einzigartigen Offensive verspricht sich die Landesregierung eine Belebung der Regional- und Minderheitensprachen: In Schleswig-Holstein sollen Plattdeutsch, Dänisch und Friesisch offizielle Amtssprachen werden. Der Städteverband ist skeptisch. Den Kommunen drohen Mehrkosten, weil sie künftig Anfragen auf Platt, Dänisch oder Friesisch auf eigene Rechnung übersetzen lassen müssen.

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Glücklich mit der neuen Regelung: Minderheitenbeauftragte Renate Schnack (Mitte).

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Der Vorstoß ist Teil des Handlungsplans Sprachenpolitik und ein wichtiges Instrument, um die Regional- oder Minderheitensprachen langfristig zu stärken“, sagt die Landes-Minderheitenbeauftragte Renate Schnack. Ziel sei, die Sprachen über Kitas, Schulen und Hochschulen breiter in der Gesellschaft zu verankern und sie auch im Behördenalltag mit der Amtssprache Deutsch gleichzustellen. Der Handlungsplan soll in den nächsten Wochen im Kabinett beschlossen werden.

 Das Innenministerium bestätigt Pläne, das Landesverwaltungsgesetz zu ändern. Nach der bisherigen Formulierung gibt es nur eine Amtssprache, nämlich Deutsch. Folge: Landes- und Kommunalbehörden, die etwa Bauanfragen oder Beschwerden auf Platt&Co erhalten, können vom Antragsteller derzeit noch eine Übersetzung verlangen oder ihm die Kosten für einen Dolmetscher in Rechnung stellen.

 „Die bisherige Regelung, dass die Bürger selbst zahlen müssen, kann nicht angehen“, klagt Schnack. Das habe auch der Europarat gerügt. Mit der Offensive läuft die Regierung bei den Verbänden vom Plattdüütschen Raad (Plattdeutscher Rat) über den Sydslesvigsk Forening (Südschleswigscher Verein) bis zum „Frasche Rädj“ (Friesenrat) offene Türen ein.

 Rückendeckung kommt auch aus den Regierungsfraktionen, insbesondere von SSW-Boss Lars Harms, einem Friesen. „Die Neuregelung macht den Alltag für viele Menschen einfacher“, sagt Harms. Künftig könnten Bürger den Behörden Originalrechnungen etwa von dänischen Unternehmen oder friesischen Reetdachdeckern vorlegen.

 Umstellen müssen sich neben den Landesbehörden auch die Verwaltungen von Kreisen, Städten und Gemeinden. „In den Kommunen gibt es viele engagierte Mitarbeiter, die eine Regional- und Minderheitensprache beherrschen“, berichtet der Geschäftsführer des Städteverbandes, Jochen von Allwörden. „Ich habe aber Zweifel, dass in jeder Behörde alle drei neuen Amtssprachen verstanden werden.“ Folge seien Mehrarbeit und Mehrkosten. Der Städteverband sieht hier das Land in der Pflicht.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Schleswig-Holstein
So könnte er aussehen: een Buuandrag op Platt.

Die Landeshauptstadt Kiel ist von der Sprachenoffensive der Regierung kalt erwischt worden, sieht den Vorstoß für die drei neuen Amtssprachen (Platt, Dänisch, Friesisch) aber positiv. „Diese Möglichkeit ist ein schönes Zeichen der Gleichbehandlung und Wertschätzung“, findet Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD).

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