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Zehn Jusos lassen Albig kalt

Probeabstimmung Zehn Jusos lassen Albig kalt

Mit ihrer frühen Festlegung haben die Kieler Jungsozialisten ihre Partei überrascht: Vor der Nominierung im Juli per Mitgliederentscheid ließen sie Torsten Albig abblitzen und stellten sich mit großer Mehrheit hinter die Kandidatur seiner Konkurrentin Gesine Stück (49) für die Landtagswahl 2017.

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Als Kandidat findet Ministerpräsident Torsten Albig bei den Jusos keinen Rückhalt.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Auch wenn nach außen hin Gelassenheit herrscht, macht sich unter den Genossen Unruhe breit.

 Nur etwa 15 Jusos nahmen an der Probeabstimmung teil, wovon sich laut Angabe des Kreisverbandes zehn für die frühere Baupolitikerin der Ratsfraktion als Bewerberin im Wahlkreis Kiel-Nord aussprachen. Die Pressemitteilung bedenkt die Bewerberin, die sich für die Universität und bezahlbaren Wohnraum stark machen will, mit viel Lob: Sie sei profiliert, verlässlich, kenne sich im Wahlkreis aus und werde sich „unabhängig vom Landesergebnis für die Belange des Wahlkreises einsetzen“. Das ist in den Augen der Jusos wohl auch der Knackpunkt bei Albigs Bewerbung. Kreissprecher Christoph Beeck macht klar: „Für den Ministerpräsidenten ist das ganze Land der Wahlkreis.“ Er brauche keinen eigenen Wahlkreis, zumal er zu wenig Zeit für ihn habe. Das Votum, versichert er jedoch, „bedeutet nur, dass wir Gesine Stück für die bessere Wahlkreis-Kandidatin halten. Gleichzeitig sind wir aber der Meinung, dass Albig Ministerpräsident bleiben soll.“

 Was die Jusos zudem ärgerte, war Albigs Absage an eine gemeinsame Vorstellungsrunde mit Stück mit der Begründung, keinen Wahlkampf gegen eine Mitbewerberin machen zu wollen. Gesine Stück, SPD-Ortsvereinsvorsitzende von Schilksee, hielt sich in ihrer Stellungnahme bedeckt: Sie freue sich über jede Unterstützung, da sie den Kieler Norden gern in der nächsten Landtagswahl vertreten wolle. Der Ministerpräsident wiederum, der seine Kandidatur immer als Bekenntnis zur Stadt bezeichnet hat, nimmt das Ergebnis mit Respekt zur Kenntnis, aber nicht ohne hinzuzusetzen, sicher zu sein, dass „am Ende ein anderes Ergebnis steht“.

 Der Wahlkreis im Norden wurde frei, als der langjährige SPD-Kreisvorsitzende Rolf Fischer Staatssekretär wurde. Er kenne den Wahlkreis in- und auswendig, erklärte er: „Er ist bürgerlich, hat hohe Grünen- und FDP-Anteile, und auch der SSW ist stark.“ Erstes Ziel müsse also sein, wieder direkt zu gewinnen. „Dafür bedarf es eines hohen Akzeptanz- und Bekanntheitsgrades in der Wählerschaft.“ Während Fischer damit indirekt Albig den Rücken stärkt, gibt Ingrid Lietzow, Gleichstellungssprecherin der SPD-Ratsfraktion, offen zu, den Ministerpräsidenten zu favorisieren. Sie hofft auf zwei Mandate für Frauen in den zu vergebenden Spitzenpositionen: die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Özlem Ünsal als Kandidatin für den Wahlkreis West und eine noch zu findende Bewerberin für die Nachfolge von Hans-Peter Bartels im Rennen um ein Ticket für den Bundestag.

Dass ein Regierungschef keinen Wahlkreis haben solle, kann sie nicht nachvollziehen: Ministerpräsidentin Heide Simonis habe schließlich lange Zeit erfolgreich den Wahlkreis Ost vertreten. Ihr Nachfolger, SPD-Landtagsabgeordneter Bernd Heinemann, ist derzeit der einzige, der keine parteiinterne Konkurrenz fürchten muss. Im Wahlkreis West haben neben Ünsal auch Kreisvize Andreas Arend und SPD-Ratsherr Falk Stadelmann ihre Kandidaturen öffentlich gemacht. Seit vielen Jahren gewinnen die Sozialdemokraten alle drei Wahlkreise immer direkt. Ginge der Kieler Norden verloren, wäre das wohl nicht nur für Fischer „schwer zu ertragen“.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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