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Ein Fall für die Grünen im Bund

Robert Habeck Ein Fall für die Grünen im Bund

Die Idee gibt es schon länger: Der Kieler Umweltminister Robert Habeck könnte die Grünen im Bund aus der gefühlten Bedeutungslosigkeit führen. Doch nicht als Parteichef, wie bislang spekuliert wurde. Der 45-Jährige könnte 2017 sogar Spitzenkandidat werden. Doch der Weg dahin wäre nicht ohne Risiko.

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Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hat längst auch auf Bundesebene auf sich aufmerksam gemacht.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Im Landesverband hoffen sie, dass Habeck sich auch deshalb gegen Berlin entscheidet.

Toni Hofreiter, Katrin Göring-Eckardt? Simone Peter, Cem Özdemir? Kennt die deutsche Öffentlichkeit, na klar. Aber können die auch Wahlen gewinnen? 2017 zum Beispiel, wenn die Grünen im Bund die Schlappe von 2013 vergessen machen wollen? Bei den Grünen wissen sie selbst nur zu gut, dass die Fraktions- und Parteichefs im Bund bislang blass geblieben sind. Macht und Wucht konzentrieren sich zunehmend in den Ländern, wo man stattliche neun Regierungsbeteiligungen vorzuweisen hat. Landespolitiker prägen das Bild der Partei: Winfried Kretschmann etwa, Ministerpräsident in Stuttgart. Oder Tarek Al-Wazir, Wirtschaftsminister in Hessen. Und nicht zuletzt Robert Habeck in Kiel. Wenn es darum geht, wie die Partei sich mit zugkräftigem Personal für 2017 aufstellen könne, fällt sein Name in Berlin immer häufiger.

 Der Kieler Minister gilt als frisches Gesicht, ist ausgesprochen medienaffin, bringt Regierungserfahrung mit und hat mit Vorstößen wie zur Castor-Zwischenlagerung auch bundesweit Akzente gesetzt. Ihm wird auch durchaus der Ehrgeiz nachgesagt, auf der Berliner Bühne mitzumischen. Aber Habeck hat ein großes Handicap: Im Jahr der Bundestagswahl steht auch in Schleswig-Holstein der Urnengang an. Sendet Habeck Signale, dass er ins Rennen um eine Spitzenkandidatur eintreten will, wäre er als Zugpferd für die Landtagswahl verloren. Denn bei den Bundes-Grünen werden wohl wie schon 2013 die eigenen Reihen in einer Urwahl über das Spitzenpersonal abstimmen. Monatelang wäre der Minister aus dem Norden mit dem republikweiten Schaulaufen beschäftigt – ein schwieriges Szenario. Und: Sollte Habeck bei der Urabstimmung deutlich scheitern, wäre er wohl politisch verbrannt. „Dann führt kein Weg zurück nach Kiel“, heißt es im Grünen-Landesverband. Habeck selbst weiß das. Und er hat schlechte Erfahrungen gesammelt: Als er 2006 für den Bundesvorstand kandidierte, fiel er glatt durch.

Chancen ungewiss

 Auch dieses mal sind seine Chancen ungewiss. Die Wetten für den weiblichen Part im traditionellen Spitzen-Tandem laufen auf die bisherige Fraktionschefin Göring-Eckardt hinaus. Peter gilt als chancenlos. Im potenziellen Kandidatentrio Özdemir, Hofreiter oder Habeck gilt selbst unter Realos der Bayer als Favorit. Der bodenständige Fraktionschef ist zwar kein Volkstribun, aber der 45-jährige Biologe verkörpert glaubwürdig Ökologie – und wäre auch deshalb für die Linke akzeptabel. Habeck hat zudem den Nachteil, dass er in Berlin nicht so vernetzt ist wie Hofreiter und Özdemir.

 Offen bleibt, ob der Nord-Grüne überhaupt will. Habeck selbst gibt sich bislang zugeknöpft. Aber dass er mit dem Gedanken einer Spitzenkandidatur spielt, gilt als ausgemacht. Bei den Nord-Grünen freut man sich jedenfalls über die Aufmerksamkeit aus Berlin. „Es ist doch ein tolles Zeichen der Wertschätzung seiner Arbeit, dass er für diesen Posten gehandelt wird“, sagt Fraktionschefin Eka von Kalben. Doch wie die Parteivorsitzende Ruth Kastner glaubt auch sie: „Robert wird hier weitermachen.“

 Von Frank Lindscheid und Patrick Tiede

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Kommentar

Halb zieht es ihn, halb sinkt er hin: Robert Habeck, stellvertretender Ministerpräsident und heimlicher Super-Minister mit riesiger Bandbreite, weiß nicht recht, wie es nach dem Doppel-Wahljahr 2017 mit ihm weitergehen soll. Zu viele spannende Optionen liegen auf dem Tisch. Teile der Bundes-Grünen legen ihm die Spitzenkandidatur nahe.

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