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Rummel um Bürgermeisterin Hatice Kara

Timmendorfer Strand Rummel um Bürgermeisterin Hatice Kara

Von Integrationsproblemen keine Spur: Hatice Kara, Tochter türkischer Zuwanderer, ist Bürgermeisterin in Timmendorfer Strand. Ihr Erfolgsrezept: Zuhören und auf Menschen zugehen.

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Hatice Kara selbst ist der Rummel um ihre Person unangenehm.

Quelle: dpa

Timmendorfer Strand/Rendsburg. So ganz kann Hatice Kara die Aufregung um ihre Person nicht verstehen. Dass sie die erste muslimische Bürgermeisterin in Schleswig-Holstein ist, kümmert sie ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie die erste sozialdemokratische Verwaltungschefin in Timmendorfer Strand seit mehr als 30 Jahren ist. Sie wolle eine Bürgermeisterin für alle Bürger sein, sagt die 32-Jährige. „Nicht mehr und nicht weniger.“

Am Montag, dem 2. Juli, ist ihr erster Arbeitstag als Bürgermeisterin. Ihre erste Amtshandlung wird eine Personalversammlung für die Rathausmitarbeiter sein. „Ich will sie alle kennen lernen“, sagt Kara fröhlich. Das war auch ihr Motto im Wahlkampf. Deshalb hat sie mit den Bürgern gesprochen, sie zu Hause besucht, mit Vereinen und allen politischen Fraktionen diskutiert, um zu erfahren, wo die Probleme liegen. „Ich kannte Timmendorfer Strand ja nicht, war nur ein paar Mal zu Fortbildungsveranstaltungen im Ort“, sagt Kara, die bislang in Rendsburg gelebt und als Anwältin gearbeitet hat.

So viel Engagement hat die Wähler offenkundig beeindruckt. Lag sie nach dem ersten Wahlgang am 6. Mai mit 30,25 Prozent noch knapp hinter dem CDU-Kandidaten Sven Wilke (32,4 Prozent), bekam sie bei der Stichwahl zwei Wochen später fast 62 Prozent der Stimmen. „Bürgermeisterwahlen sind immer Persönlichkeitswahlen, und ich habe die Wähler durch meine offene, ehrliche, direkte und herzliche Art überzeugt. Das sind jedenfalls die Rückmeldungen, die ich bekommen habe“, sagt die neue Bürgermeisterin.

Kara wurde 1979 in der Türkei geboren. Ihr Vater arbeitete schon seit Mitte der 70er Jahre in Schleswig-Holstein, 1980 holte er seine Familie nach. So kam Hatice mit knapp einem Jahr nach Rendsburg, wo sie mit fünf Geschwistern aufwuchs und 1999 ihr Abitur machte. Seit 2007 arbeitet sie mit zwei Kollegen in einer Anwaltskanzlei in Rendsburg, kümmerte sich dort bis vor kurzem vorrangig um Arbeits- und Verwaltungsrecht. „Jetzt schaue ich nach vorn auf meine neue Aufgabe. Das ist so eine Mischung aus Aufregung und Freude, je näher mein erster Arbeitstag rückt, desto größer wird die Aufregung“, sagt Kara.

Auf ihren muslimischen Glauben und ihren Migrationshintergrund angesprochen, reagiert die Bürgermeisterin noch immer etwas verärgert. „Nach der Wahl war ich enttäuscht, dass ich durch Schlagzeilen wie „Erste muslimische Bürgermeisterin“ auf meine Religionszugehörigkeit reduziert wurde. Es titelt ja schließlich auch niemand „Erster katholischer Bürgermeister““, kritisiert sie. Sie sei zudem nicht sonderlich religiös, ihre Verbindung zum Islam sei ähnlich intensiv wie die vieler Christen zu ihrer Religion. „Aber inzwischen habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, anderen Migrantenkindern ein Beispiel zu geben“, sagt Kara.

Die Gemeinde Timmendorfer Strand, zu der auch der Ortsteil Niendorf sowie die Dörfer Groß Timmendorf und Hemmelsdorf gehören, hat knapp 9000 Einwohner. Mit etwa 10000 Gästebetten und rund 1,2 Millionen Übernachtungen im Jahr ist der Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig.

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