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Meeresforscher bündeln die Kräfte

Netzwerk gegründet Meeresforscher bündeln die Kräfte

Zum ersten Mal planen Meeresforscher hochauflösende Karten von der Ostseeküste zu erstellen. In Kiel bündelten die vier großen Meeresforschungseinrichtungen des Landes jetzt ihre Kräfte in einem neuen Verbund. Dessen Gründung nannte Wissenschaftsministerin Kristin Alheit einen wichtigen Impuls, um die Forschung auf ein neues Niveau zu bringen.

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Ralph Schneider (links) und Klaus Schwarzer (beide Uni Kiel) erläuterten gestern Ministerin Kristin Alheit zum Start des Kooperationsprojektes Baldesh den Einsatz des Mini-Tauchroboters zur Kartierung der Ostseeküste.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Netzwerke sollen Schlagkraft und Konkurrenzfähigkeit erhöhen. Davon war gestern auch bei der Präsentation des Kooperationsvertrages im Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung viel die Rede. Neben Geomar rücken die Kieler Universität, das Alfred-Wegener-Institut (AWI Standorte Helgoland und List/Sylt) und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht enger zusammen, um mit etwa 400 Wissenschaftler im Verbund gemeinsam Infrastruktur nutzen und Daten austauschen zu können. Ganz konkret heißt das zum Beispiel, dass alle Einrichtungen den ersten „Datenknoten“ in der Ostsee ab Sommer 2015 in der Eckernförder Bucht anzapfen können. Ob Wassertemperatur, Algenkonzentrationen oder Bodenbeschaffenheit – über ein Stromkabel übertragen diese Unterwassersysteme wie eine Datensteckdose unter Wasser verschiedene Messwerte online direkt an die Wissenschaftler. Solche Datenknoten in Küstengewässer gibt es bisher nur vor Helgoland und bei Spitzbergen.

Doch nicht nur diese Datensteckdose soll die Beschaffenheit der Ostsee-Ufer näher erkunden helfen. Im Blickpunkt des neuen Verbundes sind auch die ökologisch wichtigen Steinfelder bis in einer Wassertiefe von rund 15 Metern geraten. „Das ist der Bereich, in dem sich die Wellen brechen“, erläuterte Projektleiter und Geowissenschaftler Klaus Schwarzer von der Kieler Uni. Nach seinen Angaben verschwanden bis 1974 etwa 2,5 Millionen Steine aus dem Wasser, um als Baumaterial für den Küstenschutz zu dienen. Dadurch hätten nicht nur Miesmuscheln und Pflanzen wertvolle Siedlungsfläche verloren, auch die Stabilität des Meeresbodens habe sich verringert. Mit schädlichen Folgen: Stürme könnten jetzt deutlich mehr Grund abtragen. Um flächendeckende Kartierungen zu erreichen, setzen die Kieler Forscher auf ein Seitensichtsonar und ferngesteuerte Tauchroboter, die hochauflösende Bilder vom Meeresboden liefern sollen.

Die Wissenschaftler setzten große Hoffnung in den neuen Verbund, der auch gemeinsame Angebote für ihren Nachwuchsf entwickeln soll. Durch die stärkere Zusammenarbeit „sind wir noch besser aufgestellt, um die Veränderungen an den Küsten durch Klimawandel oder stärkere menschliche Nutzung zu erforschen“, zeigte sich nicht nur Prof. Ralph Schneider (Uni Kiel) überzeugt. AWI-Vizedirektorin Prof. Karen Wiltshire sprach von der geballten Expertise der Küstenforschung, die an Bedeutung gewinne: „In den nächsten 50 bis 100 Jahren werden über 90 Prozent der Weltbevölkerung an Küsten leben.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH