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Eingabe auf Platt – Antrag auf Dänisch?

Schleswig-Holstein Eingabe auf Platt – Antrag auf Dänisch?

Die Landeshauptstadt Kiel ist von der Sprachenoffensive der Regierung kalt erwischt worden, sieht den Vorstoß für die drei neuen Amtssprachen (Platt, Dänisch, Friesisch) aber positiv. „Diese Möglichkeit ist ein schönes Zeichen der Gleichbehandlung und Wertschätzung“, findet Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD).

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So könnte er aussehen: een Buuandrag op Platt.

Quelle: Fotomontage_Querner

Kiel. „Bisher kommen Anträge auf Dänisch, Friesisch oder Plattdeutsch allerdings so gut wie nie vor“, berichtet er. „Im Behördenalltag zählen eher Englisch- und Türkischkenntnisse der Mitarbeiter.“

 Die Landesregierung geht allerdings davon aus, dass ihre Offensive Früchte trägt und wegen des Wegfalls der Übersetzungskosten künftig deutlich mehr Bürger in Regional- und Minderheitensprachen mit den Behörden kommunizieren. Inhaltliche Beschränkungen gibt es dabei nicht. Ein Bauantrag auf Platt ist ebenso möglich wie eine Beschwerde gegen ein Knöllchen auf Dänisch oder der Hinweis auf eine defekte Straßenlaterne auf Friesisch. Die Behörden müssen solche Eingaben so behandeln, als ob sie auf Hochdeutsch eingegangen wären. Einen Anspruch auf eine Antwort in der jeweiligen Minderheitensprache gibt es allerdings nicht.

 An der Spitze dürften Eingaben auf Platt stehen. Nach Schätzung des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes können bis zu 20 Prozent der 2,8 Millionen Landesbürger niederdeutsch sprechen und schreiben. Auch Dänisch ist weit verbreitet, vor allem im Landesteil Schleswig, aber auch in Kiel. Allein die dänische Minderheit hat landesweit etwa 50 000 Angehörige. Auch Friesisch ist nicht ausgestorben. Die eigenständige Sprache beherrschen noch etwa 10 000 Menschen, die vor allem an der Westküste und auf den Inseln leben.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Platt, Dänisch und Friesisch
Foto: Glücklich mit der neuen Regelung: Minderheitenbeauftragte Renate Schnack (Mitte).

Von dieser bundesweit einzigartigen Offensive verspricht sich die Landesregierung eine Belebung der Regional- und Minderheitensprachen: In Schleswig-Holstein sollen Plattdeutsch, Dänisch und Friesisch offizielle Amtssprachen werden. Der Städteverband ist skeptisch. Den Kommunen drohen Mehrkosten, weil sie künftig Anfragen auf Platt, Dänisch oder Friesisch auf eigene Rechnung übersetzen lassen müssen.

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