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Mehr Lehrer, mehr Unterricht

Landesregierung Mehr Lehrer, mehr Unterricht

Den Schulen in Schleswig-Holstein geht es rechnerisch besser als jemals zuvor. Wie Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) mitteilte, steigt die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr dank zusätzlicher Lehrerstellen und stabilen Schülerzahlen auf den Rekordwert von im Schnitt 95 Prozent.

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Bildungsministerin Britta Ernst (SPD): Ich halte es für falsch, alle Schulen mit der Gießkanne zu bedienen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Das Ziel der Regierung ist eine Unterrichtsversorgung, die bei 100 Prozent liegt“, sagte Ernst. Das sei spätestens in drei Jahren machbar. Vorreiter sind die Grundschulen. Sie haben im Schuljahr 2016/17 so viele Lehrer, dass alle Stunden erteilt werden können. Bei den Gymnasien (99 Prozent) und den Gemeinschaftsschulen (98 Prozent) ist eine Vollversorgung fast erreicht. Sorgenkind bleiben die Berufsschulen (91 Prozent). Für den Positiv-Trend gibt es eine einfache Erklärung: Die Regierung will in den nächsten Monaten unter dem Strich 205 zusätzliche Lehrkräfte anheuern, obwohl die Schülerzahl (382200) erstmals seit elf Jahren nicht steigt. Grund dafür sind die inzwischen gut 12000 Schüler mit Flüchtlingshintergrund.

 Die Werte zur Unterrichtsversorgung seien „gut und beachtlich“, sagte Ernst. Für eine Vollversorgung seien noch „einige hundert“ zusätzliche Lehrerstellen nötig. Die CDU bezifferte die Lücke später auf knapp 900 Stellen.

 Die Ministerin nutzte ihre Schulauftakt-Pressekonferenz auch, um mit der Union abzurechnen. Grund: Die CDU hatte in ihrer Regierungszeit rund 1000 Lehrerstellen eingespart und mit Blick auf die Landtagswahl in acht Monaten versprochen, die Unterrichtsversorgung auf mehr als 100 Prozent zu erhöhen. „Ich halte es für falsch, alle Schulen mit der Gießkanne zu bedienen“, meinte Ernst. Sie favorisiert im Fall einer Überversorgung mit Lehrkräften ein „indikatorengestütztes Modell“, nach dem zunächst Schulen mit vielen Kindern aus sozial schwächeren Familien zusätzliche Lehrkräfte erhalten. Probleme räumte die Ministerin in zwei Bereichen ein, darunter beim Lehrernachwuchs. Demnach fällt es dem Land immer schwerer, freie Stellen zu besetzen. Das gilt insbesondere auf dem flachen Land und für Mint-Lehrer (Mathe, Informatik und Naturwissenschaften). „Noch mal anschauen“ will sich die Ministerin die Praxis bei den Vertretungslehrkräften, von denen viele bereits fünf, zehn oder gar 20 Verträge abgeschlossen haben. Ansonsten zog die Ministerin von der Inklusion über Ganztagsangebote bis hin zum Schul-Tüv eine positive Bilanz.

 Beifall kam von der Koalition, teils harsche Kritik von der Opposition. „Die Ministerin blendet jedes Problem aus“, sagte die CDU-Politikerin Heike Franzen. Es fehle der Nachweis, dass die Unterrichtsversorgung sich verbessert habe. Die FDP warf Ernst vor, den Unterrichtsausfall nicht in den Griff zu bekommen.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf und hat mit der Schulpolitik ein erstes großes Streitthema. Folgt man Schulministerin Britta Ernst, dann ist bei der Bildung alles in Butter und die Regierungspolitik populär. Folgt man dem CDU-Spitzenkandidaten Ingbert Liebing, dann pfeifen die Schulen auf dem letzten Loch und müssen vom Joch rot-grün-blauer Reformen befreit werden. Die Wahrheit, sie liegt auch hier in der Mitte.

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