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Grundschulen bekommen Assistenten

Schleswig-Holstein Grundschulen bekommen Assistenten

Die Landesregierung hat bei ihrem wichtigsten Inklusionsprojekt gerade noch die Kurve gekriegt: Nach einer Einigung mit den Kommunen kündigte am Freitag Schulministerin Britta Ernst (SPD) an, dass die Lehrkräfte in allen 400 Grundschulen in Schleswig-Holstein nach den Sommerferien von Schulassistenten unterstützt werden.

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In welchem Umfang Städte, Verbände und das Land die Schulassistenten übernehmen werden, wollte Ernst noch nicht prognostizieren.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa (Symbolfoto)

Kiel. Die Opposition kritisierte, dass es für die neuartigen Assistenten kein Konzept gebe. Die Wohlfahrtsverbände warnten vor einem immer komplizierteren Hilfssystem für behinderte Kinder, das für Eltern kaum noch zu durchschauen sei.

„Wir stärken die Grundschulen“, sagte Ernst. Die Assistenten sollten je nach Bedarf Lehrer während des Unterrichts unterstützen, Schülern im emotionalen und sozialen Bereich helfen oder auch Projekte organisieren und Klassenfahrten begleiten. Eine konkrete Jobbeschreibung hält Ernst für nicht nötig. „Es gibt keine Schule, der nicht sofort sehr viel einfällt, was Assistenten tun können.“ Unklar ist auch, wie die Hilfskräfte tariflich eingruppiert werden und welche Qualifikation sie mitbringen müssen. Gesucht werden „pädagogisch erfahrene Personen“. Das Land plant ab Sommer Fortbildungsveranstaltungen.

Der Start der Schulassistenten stand auf der Kippe, weil das Land über Monate keinen Träger für die 314 Stellen (400 bis 500 Teilzeitjobs) fand. „Jetzt gibt es ein Modell“, sagte Ernst am Freitag. Die Kehrtwende hatte die Regierung erst Stunden zuvor vollzogen. So erklärte sich das Land bereit, die Kräfte anzustellen, falls die Schulträger (Städte und Gemeinden) dazu nicht bereit sind und sich kein freier Träger findet. Ernst erwartet, dass viele Kommunen spätestens bis Sommer 2016 mitziehen. Bei der Stadt Kiel lief die Ministerin offene Türen ein. Die Stadt plane, die Assistenzkräfte zu übernehmen, teilte Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska mit. Ähnliche Signale kamen aus Lübeck und Neumünster. Der Gemeindetag geht allerdings davon aus, dass die meisten Schulträger abwinken. Damit müsste das Land die Mehrzahl der Hilfskräfte selbst anstellen, obwohl die Schuldenbremse den Abbau von Landespersonal vorschreibt. Laut Ernst sind Landes-Schulassistenten daher eine „Übergangslösung“. Die Arbeitsverträge sollen auf zunächst fünf Jahre befristet werden.

Im Parlament kassierte Ernst viel Kritik. „Es fehlt nach wie vor ein inhaltliches Konzept“ für die Inklusion“, sagte Anita Klahn (FDP). „Die Geschichte der Assistenten ist eine von Pleiten, Pech und Pannen“, ergänzte Heike Franzen (CDU). Sie forderte wie Klahn, aus den 13,2 Millionen Euro für die Hilfskräfte echte Sonderpädagogen zu bezahlen. Die Wohlfahrtsverbände sehen in den Ernst-Plänen „einen Befreiungsschlag für den Moment“. Ziel müsse sein, die verschiedenen Inklusionshilfen zu bündeln, so DPWV-Vorstand Günter Ernst-Basten. „Eltern brauchen einen Ansprechpartner.

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In der Landespolitik kommt es immer mal wieder vor, dass eine Regierung ein Projekt nicht zu Ende denkt oder es handwerklich vergeigt. Der Pfusch bei den Schulassistenten ist allerdings aus mehreren Gründen beispiellos. Das beginnt beim Geburtsfehler der neuartigen Hilfskräfte.

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