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Schulen in SH werden besser vernetzt

Software Schulen in SH werden besser vernetzt

Kurz vor Beginn der Sommerferien hat Staatssekretär Dirk Loßack (SPD) eine einheitliche Verwaltungssoftware für die 800 Schulen im Land angekündigt. Brandenburg stellt den Schleswig-Holsteinern seine Eigenentwicklung namens weBBschule kostenfrei zur Verfügung.

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„Die Einführung einer einheitlichen Schulverwaltungssoftware ist ein schwerwiegendes Unterfangen. Das Anforderungsprofil ist so komplex.“ Das sagt Uwe Karow, stellvertretender Schulleiter am RBZ Soziales, Ernährung und Bau in Kiel.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Angedockt ist daran ein Modul für Berufsschulen aus Hamburg. Die Kultusbehörde der Hansestadt hat mit weBBschule bereits gute Erfahrungen gesammelt. Insgesamt rechnet das Kieler Bildungsministerium mit Einführungskosten von 16,3 Millionen Euro, die laufenden Kosten betragen ab 2022 jährlich 1,8 Millionen Euro. 2019 könnte es losgehen.

 Schüler- und Elterndaten, Stundenpläne, Organisation, Notenvergaben und Zeugnisausdrucke: Bislang nutzen Schleswig-Holsteins Schulverwaltungen verschiedene Softwarelösungen und arbeiten miteinander im Verbund. „Eine einheitliche Software ist für uns aber inhaltlich von großer Bedeutung“, sagte Loßack. „Sie entlastet Lehrer, Schulleiter und Sekretariate.“ Krankheitsvertretungen wären damit künftig auch trägerübergreifend und ohne lange Einarbeitungsphasen möglich; darüber hinaus würde man an den Übergängen von einer Schulart auf die andere Datenverluste vermeiden. Für Folgeprogrammierungen wäre einzig die Länderdatenzentrale Dataport zuständig. Wobei deren Weiterentwicklungen wiederum Brandenburg zurückgespielt würden.

Gespräche über Glasfaserausbau

 Nach der Sommerpause will das Bildungsministerium mit Schulträgern, aber auch den Praktikern weiter ins Gespräch kommen. Unter anderem soll es um den Glasfaserausbau gehen. Loßack betonte, dass weBBschule schon jetzt praxistauglich sei. Brandenburg verfüge im ländlichen Raum über ähnlich schlechte Datenleitungen. „2 MBit hat bei uns jede Schule.“

 Hessen erlebte vor paar Jahren angesichts einer falschen Software ein politisches Donnerwetter. 2006 hatte das Wiesbadener Kultusministerium 20 Millionen Euro für die Lehrer- und Schülerdatenbank LUSD ausgegeben. Doch die 2000 Schulen konnten damit nicht viel anfangen, zudem brachen immer wieder Datenleitungen zusammen. „So viel Kaffee, wie man während der unendlichen Wartezeiten trinken kann, verträgt kein Mensch“, monierten damals entnervte Schulsekretärinnen, und die Grünen sprachen von lahmgelegten Schulen. Eine solche Pleite will Loßack unbedingt vermeiden.

Lenkungsgruppe entschied sich für Potsdamer Modell

 Es ist sein zweiter Anlauf. 2014 hatte das Kieler Bildungsministerium damit begonnen, den Kauf eines kommerziellen Systems aus Rheinland-Pfalz zu prüfen. Die Anschaffungskosten von 23 bis 30 Millionen Euro sprengten jedoch den finanziellen Spielraum. Eine Lenkungsgruppe mit dem Staatssekretär an der Spitze sowie Vertretern des Landesrechnungshofs, der Unabhängigen Landes-Datenzentrale, Dataport, dem Hauptpersonalrat der Lehrer sowie den kommunalen Landesverbänden entschied sich schließlich für das Modell aus Potsdam.

 Die Brandenburger hatten ihren Trägergemeinden eine Teilnahme freigestellt, sie aber mit einer Übernahme der Anschaffungskosten geködert. 97 Prozent sind seitdem mit an Bord. Noch steht im Kieler Landtag eine ähnliche Haushaltsentscheidung aus. „Die größtmögliche Chance einer Beteiligung der Schulträger ist dann gegeben, wenn das Land bezahlt“, warb Loßack kürzlich im Bildungsausschuss. Eine Zustimmung gilt auch außerhalb der Küstenkoalition als wahrscheinlich.

 „Bislang hat uns die Landesregierung immer erklärt, warum das Projekt nicht geht“, sagte CDU-Schulexpertin Heike Franzen. „Gut, dass wir hartnäckig geblieben sind.“ Sie sprach von einem wichtigen Steuerungsinstrument. „Wenn wir dabei schon den Hut aufhaben, sollten wir auch bestimmen, was damit gemacht wird: zum Beispiel Unterrichtsausfall abzufragen, um einer Fehlentwicklung in der Lehrerausbildung entgegenzuwirken.“

 Jörg Bülow, Geschäftsführer der kommunalen Landesverbände, war angesichts der Anschaffungskosten lange skeptisch. „Aber wenn Städte und Gemeinden unbelastet bleiben, ist das ein guter Ansatz.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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