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„Die besten Muscheln in Europa“

Siegel überreicht „Die besten Muscheln in Europa“

Am Ende hat der Verbraucher mit seinen gestiegenen Ansprüchen den Ausschlag gegeben. Miesmuscheln aus Schleswig-Holsteins Wattenmeer stammen künftig nachweisbar aus nachhaltiger Fischerei.

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Miesmuschelernte im Wattenmeer vor Hörnum auf Sylt: Schleswig-Holsteins Muschelfischer können ihre Ware künftig mit dem MSC-Gütesiegel für nachhaltige Fischerei auszeichnen.

Quelle: Christian Charisius

Kiel. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) überreichte Peter Ewaldsen von der Erzeugerorganisation schleswig-holsteinischer Muschelfischer am Dienstag in Kiel im Beisein von Umweltschutzorganisationen und Nationalparkverwaltung das Siegel des international agierenden Marine Stewardship Councils (MSC). Vorausgegangen war ein einjähriges Zertifizierungsverfahren, in dem die Fischer strenge Eckwerte einhalten mussten. Um die harten Beschränkungen war in den vergangenen Jahren erbittert gerungen worden.

„Schleswig-Holstein hat die besten Muscheln in ganz Europa“, rühmte sich Ewaldsen. Hauptabnehmergebiete seien neben West-Deutschland vor allem die Niederlande, Belgien und Frankreich. Noch vor zwei Jahren habe man den großen Handelsketten die Ware problemlos anbieten können. Garnelen und Muscheln hätten solch eine große Regenerationskraft, dass sie durch die Fischerei ganz gewiss nicht auszurotten seien. „Aber inzwischen verlangt der Markt, dass wir ein Siegel führen“, sagte Ewaldsen. Diesem wirtschaftlichen Druck müsse man sich beugen. Und insgesamt sei es doch richtig, dass man große Gebiete des Wattenmeeres sich selbst überlasse.

Spannungen waren noch lange spürbar

Miesmuschelfischerei ist künftig nur noch in vier Einzugsgebieten des schleswig-holsteinischen Wattenmeeres und damit statt auf der Hälfte auf etwa zwölf Prozent zulässig. Die Fläche der ständig von Wasser bedeckten sogenannten Kulturbezirke, wo die kleinen Saatmuscheln noch zwei Jahre vor ihrer Ernte heranreifen, wurde von 2300 auf 1700 Hektar reduziert. Und die Flächen im offenen Wasser, wo die Fischer grobmaschige Netze oder Ketten platzieren, an denen sich die Muschellarven ansiedeln, wurde auf maximal 250 Hektar beschränkt. Bisher gab es dafür kein Limit.

Nachdem vor ein paar Jahren die Fronten zwischen Fischern und Naturschützern vollends verhärtet waren, hatten sich die Kontrahenten auf eine Mediation geeinigt. Die Spannungen seien noch lange spürbar gewesen, stellte Minister Habeck fest. „Es war ein Lernprozess, der allen viel abverlangt hat.“ Nach dem Muschelfrieden von Tönning im Juli 2015 werde die Einigung jetzt auch für die Verbraucher sichtbar. „Das Zertifikat zeigt: Davon profitieren Fischer, Verbraucher und Natur.“

"Insofern gibt es nur Gewinner"

Sicherlich wäre ein Nationalpark vollkommen ohne Muschelfischerei ein noch besserer, sagte Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros. Und auch Detlef Hansen von der Nationalparkverwaltung sprach von einem Kompromiss. „Aber dieser ist fair. Insofern gibt es nur Gewinner.“ Das Wattenmeer sei nun einmal kein menschenleerer Raum, sondern ein Gebiet, das auch wirtschaftlich genutzt wird. Anspruch müsse es sein, das Gebiet an die nächste Generation intakt weiterzugeben. „Unser großes Leitbild ist, Natur Natur sein zu lassen.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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