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Junglehrer an Gymnasien finden kaum Stellen

Sinkende Schülerzahlen Junglehrer an Gymnasien finden kaum Stellen

An den schleswig-holsteinischen Gymnasien droht das große Stühlerücken. Der Grund: Mit dem Abgang des doppelten Abiturjahrgangs wird die Zahl der Schüler schlagartig sinken. In den Kollegien wächst deshalb die Unruhe, weil mangels Schüler möglicherweise auch verbeamtete Lehrer die Schule wechseln müssen.

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Ministerin Britta Ernst will keinen Lehrer gegen seinen Willen versetzen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Noch schlimmer trifft es die Junglehrer, die noch keine feste Stelle haben und nun um ihre berufliche Zukunft fürchten. Viele bewerben sich notgedrungen in anderen Bundesländern. Helmut Siegmon vom Philologenverband spricht von einer „verfehlten Personalpolitik“ des Landes. Das Schulministerium weist die Kritik zurück und stellt sogar eine „Verbesserung bei der Unterrichtsversorgung“ in Aussicht.

 Nach Angaben des Ministeriums ließen sich aufgrund des Schülerrückgangs zwar rein rechnerisch 420 Planstellen einsparen. Die Hälfte davon soll jedoch erhalten bleiben. Die andere Hälfte falle allein aufgrund von Pensionierungen weg. Damit verbessere sich das Verhältnis zwischen Schüler- und Lehrerzahl. Unabhängig davon werde das Land auch für das kommende Schuljahr zwischen 100 und 120 Stellen an Gymnasien ausschreiben, darunter etwa 50 unbefristete, die meisten in Mangelfächern wie Mathematik, Physik oder Chemie. Die weiteren 50 bis 70 Ausschreibungen seien allerdings befristet. Ministeriumssprecher Thomas Schunck erklärt die Befristungen damit, dass Ausfallzeiten von Lehrern mit festen Planstellen aufgrund von Krankheiten oder Elternschaft überbrückt werden müssen.

 Für die betroffenen Junglehrer und Referendare ist das kein Trost. Sie klagen, dass ihre Chancen auf eine Stelle rapide sinken. „Allein an unserer Schule sind vier junge Kollegen bereits zum kommenden Schuljahr entlassen worden“, sagt eine 27-Jährige Nachwuchspädagogin, die an einem Kieler Gymnasium seit einem Jahr Deutsch und Geschichte unterrichtet. „Mindestens zehn weitere Fälle von Kollegen in ähnlich existenzieller Not“ seien ihr bekannt. Grund für die Entlassungen seien die Umsetzungen beamteter Lehrer. Junglehrer mit Zeitverträgen würden von ihren Stellen verdrängt.

 Auch Schulleitern macht dieses „Hin- und Herschieben“ von Kollegen zu schaffen, wie es die Leiterin des Gymnasiums Altenholz, Cornelia Hörsting, nennt. Zwei Sportlehrer muss sie mindestens für ein Jahr abordnen. „Solche Wechsel bringen natürlich viel Unruhe mit sich und sind pädagogisch betrachtet wenig hilfreich.“

 Schulministerin Britta Ernst bestreitet hingegen, dass Lehrer gegen ihren Willen die Schule wechseln müssten. Sie verspricht: „Es wird keine Zwangsversetzungen von Lehrkräften geben.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Der doppelte Abiturjahrgang bringt die meisten Gymnasien im Land derzeit an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Das ist nicht schön, aber es hätte noch viel schlimmer kommen können.

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