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Verlegung in die Türkei ist vorbereitet

Jagel/Syrien-Einsatz Verlegung in die Türkei ist vorbereitet

Deutsche Piloten rüsten sich für einen der heikelsten Aufträge in der Geschichte der Bundeswehr. „Tornado“-Jets sollen in Syrien den Kampf gegen die Terrormiliz IS unterstützen. „Der Einsatz ist sicherlich gefährlich“, sagt der Chef des Geschwaders in Jagel.

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 Maschinen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 «Immelmann» aus Jagel werden im Kampf gegen die Terrororganisation des sogenannten «Islamischen Staates» (IS) eingesetzt.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Jagel. Während im Berliner Bundestag die Abstimmung für den Einsatz der Bundeswehr im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ läuft, gehen die Vorbereitungen der Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 in Jagel bei Schleswig auf die Zielgerade. Kommende Woche sollen die ersten beiden Tornado-Aufklärungsmaschinen in Richtung Türkei starten.

Seit einer Woche, seit der Ankündigung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Frankreich im Kampf gegen den IS unterstützen zu wollen, befindet sich das Einsatzgeschwader in der heißen Phase. „Wir haben sehr schnell mit den Planungen begonnen, bereits am Sonnabend vergangener Woche sind wir in die Türkei nach Incirlik geflogen, wo unsere Maschinen und Kameraden stationiert werden sollen“, sagt Michael Krah, Kommodore des Geschwaders. Deutschland will sich unter anderem mit sechs Tornados an dem internationalen Anti-Terror-Bündnis beteiligen. Der Einsatz in Syrien gilt als eine der heikelsten Missionen in der Geschichte der Bundeswehr.

Zwei Aufklärungsjets sollen in der nächsten Woche zusammen mit 50 Soldaten des Aufbaukommandos verlegt werden. Die übrigen vier Maschinen werden im Januar folgen. Wie viel Personal aus Schleswig-Holstein dabei sein wird, steht noch nicht fest.

„Der Einsatz ist natürlich gefährlich, es gibt immer ein Risiko“, sagt Krah ehrlich. Aber: „Die Kameraden sind gut vorbereitet, agieren zielorientiert und letztlich sind solche Einsätze auch nichts Neues für uns.“ In Afghanistan und auf dem Balkan hätten die Piloten Routine bei taktischen Flügen gesammelt. Klar, sagt Krah, „Sorgen muss man sich natürlich machen, aber keine übertriebenen.“

Parallel zu den ersten beiden Tornados aus dem Norden soll ein Tankflugzeug von Köln aus mit dem Ziel Incirlik abheben. Durch Luftbetankung sollen so auch lange Einsätze der Jets garantiert werden. „Wir werden den Einsatz der Tornados aber nicht allein stemmen“, sagt Krah. Das Taktische Luftwaffengeschwader 33 aus Büchel in Rheinland-Pfalz soll die Mission mit Personal und Material unterstützen. Nach vorläufigen Planungen wird das Geschwader aus Jagel vier Jets stellen, Büchel zwei.

Vom Nutzen der Bundeswehr für den Anti-IS-Einsatz ist der 51-Jährige überzeugt: „Aufklärung ist bei solchen Missionen sehr gefragt und unsere Maschinen verfügen über hoch moderne Aufklärungstechnik“, wirbt Krah. Die Jets seien wesentlich flexibler als eine Drohne. Unterstützung bekommt er von Alex S., Oberstleutnant und Kampfpilot: „Die Sensorik ermöglicht sowohl am Tag, aber auch nachts detaillierte Aufnahmen, was für die taktische Lagebeurteilung von hohem Nutzen ist“, erläutert der 40-Jährige. Möglich wird dies durch Behälter am Rumpf der Maschinen, in denen sich optische Kameras und Infrarot-Scanner befinden. Ihr digitales Aufklärungssystem heißt „RecceLite“ (Reconaissance Litening Targeting Pod). Auch die Übertragung von Live-Bildern sei möglich. Die Reichweite beträgt laut Bundeswehr mehrere hundert Kilometer.

Kritik, Häme und Sicherheitsbedenken, die dem Tornado gelten, von dem die ersten Jets vor 40 Jahren in Dienst gestellt wurden, weist er zurück: „Die Maschine hat sich im Einsatz als robust und äußerst zuverlässig bewährt, die Maschinen sind hoch aufgerüstet worden.“ Die Piloten, sagt Alex S., würden selbstbewusst, aber mit Respekt in den Einsatz starten. „Vor allem bei Flügen in niedriger Höhe drohen Gefahren durch Angriffe mit Maschinengewehren oder Boden-Luft-Raketen“, berichtet der Kampfpilot. Zum einen würde es aber entsprechende Flugtaktiken zum Schutz geben, zum anderen würden die Jets über moderne Sicherheits- und Selbstverteidigungssysteme verfügen. Beim Syrien-Einsatz sei die Bedrohungslage für Mensch und Maschinen vergleichbar mit den Aufklärungsmanövern in Afghanistan – mit einem Unterschied: „Es ist diesmal ein neuer Gegner, von dem wir nicht wissen, wie er reagiert.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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