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Albig ist stolz auf Helgoland

Sommertour Albig ist stolz auf Helgoland

Als das Deutsche Reich vor 125 Jahren den Briten die exotische Insel Sansibar überließ und dafür Helgoland bekam, schüttelten viele Deutsche den Kopf, die auf ein glorreiches Kolonialreich gehofft hatten. Schleswig-Holstein aber ist jedenfalls stolz auf den roten Felsen.

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 Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) steht auf der Nordseeinsel Helgoland (Schleswig-Holstein) vor dem Felsen "Lange Anna".

Quelle: Daniel Reinhardt/ dpa

Hamburg. August 1885. Deutsche Kriegsschiffe erreichen Sansibar, die sagenumwobene Gewürz- und Sklaven-Insel im Indischen Ozean, 40 Kilometer vom tansanischen Festland entfernt. Kommodore Carl Heinrich Theodor Paschen übergibt dem Sultan von Sansibar eine Botschaft des deutschen Kaisers. Unverblümt wird Barghash bin Said aufgefordert, die deutschen Bemühungen zu tolerieren, sich an der Küste Tansanias festzusetzen. Als der Sultan zögert, richten die Schiffe ihre Geschütze auf den Palast. Der Sultan lenkt ein.

Es sind die Jahre, in denen das Deutsche Reich versucht, zur Kolonialmacht aufzusteigen. Die Küste Tansanias scheint der Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft ein Landstrich voller Chancen zu sein, doch eigentlich erhebt der Sultan von Sansibar Anspruch darauf.

Die Briten beobachten die deutschen Anstrengungen in Ostafrika mit Sorge. In London befürchtet man, dass Deutschland sich Sansibar einverleiben könnte. Mit der brachialen Machtdemonstration der Deutschen ist der Konflikt nicht gelöst. Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck (1815-1898) bietet den Briten eine Zusammenarbeit an. Sein Ziel ist, dass der Sultan die Niederlassungen der Deutschen auf dem Festland anerkennt und dort auf seine Hoheitsrechte verzichtet.

Nach langen Verhandlungen unterzeichnen Deutschland und Großbritannien am 1. Juli 1890 den „Vertrag über Kolonien und Helgoland“. Der geläufige Name „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ soll auf Bismarck zurückgehen, der kurz zuvor als Reichskanzler abgelöst worden war.

„Dieser Name war der Versuch Bismarcks, seinen Nachfolger Leo von Caprivi klein zu machen“, sagt der Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer. Tatsächlich sei hier aber nicht das reiche Sansibar gegen das tausendmal kleinere, unscheinbare Helgoland eingetauscht worden. Tansania war deutsche Kolonie, aber eben nicht Sansibar. „Also gab das Deutsche Reich den Anspruch auf etwas auf, was ihm gar nicht gehörte.“

Der Vertrag sollte koloniale Spannungen zwischen Deutschland und Großbritannien entschärfen, sagt der Professor für Neuere Geschichte und Leiter der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“. Und Helgoland. Warum Helgoland?

Die Insel in der Nordsee, 40 Kilometer vom Festland entfernt, gehörte seit 1814 offiziell zu Großbritannien. „Großbritannien war der Ansicht, dass Deutschland im Konfliktfall Helgoland sowieso rasch erobern würde“, sagt Zimmerer. „Also beschlossen die Briten, Helgoland mit großem Gestus einzutauschen. Und Deutschland wollte Helgoland, weil es zentral für die Kontrolle der Elbe-Weser-Mündung war.“

Egal, wie hoch man heute den Wert der Fischer-, Ferien- und Robbeninsel Helgoland einschätzt, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) findet Helgoland gut. „Ich bin froh und stolz, dass wir Schleswig-Holsteiner eine eigene Hochsee-Insel haben“, sagte Albig am Freitag bei einem Besuch der Insel zum Jubiläum. „Die einzige überhaupt in Deutschland!“ Er gratuliere herzlich zum Jubiläum. „125 Jahre Helgoland bei Deutschland — ich möchte unseren roten Felsen und seine Menschen nicht missen.“

Am Ende waren alle kolonialen Blütenträume ausgeträumt. „Nach dem Ersten Weltkrieg war es dann vorbei mit der kolonialen Herrlichkeit des Deutschen Reiches“, sagt Zimmerer. Später zerfiel auch das britische Kolonialreich, Sansibar kam 1963 zum unabhängigen Tansania. Aber abgesehen von einem kurzen Intermezzo nach dem Zweiten Weltkrieg gehört Helgoland immer noch zu Deutschland, sehr zur Freude Albigs.

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