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Heime sollen an die Leine

Sozialministerin Kristin Alheit Heime sollen an die Leine

Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) will die Jugendheime angesichts immer neuer Vorwürfe an eine kürzere Leine nehmen. Vorgesehen ist etwa eine bessere pädagogische Betreuung.

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Sozialministerin Kristin Alheit möchte, dass künftig Jugendämter, Träger und Heimaufsicht enger zusammenrücken.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Alheit stellte zugleich klar, dass es in Schleswig-Holstein nur wenige Problemheime gebe und sich nicht jeder angebliche Missstand belegen ließe. So gab es bei der „Vor-Ort-Prüfung“ eines kritisierten Heims in Dörpling (Dithmarschen) zwar Beanstandungen, aber „keine Anzeichen für eine akute Kindeswohlgefährdung“.

 „Wir müssen zukünftig auch die Träger stärker in die Verantwortung nehmen“, sagte Alheit. Den Rahmen dafür steckt eine Kinder- und Jugendhilfeverordnung (KJVO) ab, die im Juni nach langer Debatte in Kraft treten soll. Nach der Neuregelung dürfen Erzieher Heime nur noch leiten, wenn sie mindestens fünf Jahre Berufserfahrung haben. Bei Pflegeeltern wird die Kinderzahl auf insgesamt fünf begrenzt. Im Einzelfall sollen Ausnahmen möglich sein, etwa wenn die Pflegemutter ein eigenes Kind bekommt.

 Alheit setzt darüber hinaus auf Selbstverpflichtungen der Heimträger, etwa zu bestimmten pädagogischen Standards oder einer Qualitätsoffensive. Dazu will die Ministerin die Einrichtungen in den nächsten Wochen zu einer Konferenz einladen. Geplant ist im Juni zudem eine „Dreiecks-Veranstaltung“. Auf ihr sollen Weichen dafür gestellt werden, dass insbesondere Ämter aus anderen Bundesländern, die Jugendliche in Schleswig-Holstein betreuen lassen, enger mit den örtlichen Jugendbehörden und der Heimaufsicht des Landes zusammenarbeiten.

Prüfung dauert an

 Das Sozialministerium räumte ein, dass die Zahl der Beschwerden bei der Heimaufsicht in den vergangenen Wochen nochmals gestiegen sei. Teils gehen täglich mehrere Hinweise ein. Grund dürften Medienberichte über Heimopfer und die Vorwürfe des Piraten-Abgeordneten Wolfgang Dudda gegen eine Einrichtung in Dörpling sein. Dort sollen Jugendliche schikaniert und schlecht verpflegt worden sein. Alheit betonte, dass die Heimaufsicht die Einrichtung unangekündigt kontrolliert und mit Jugendlichen gesprochen habe. Gravierende Verstöße ließen sich offenbar nicht feststellen. Die Prüfungen dauern aber an.

 Alheit ließ keinen Zweifel daran, dass die große Mehrzahl der rund 1200 Betreuungseinrichtungen in Schleswig-Holstein vom Heim bis zur Wohngruppe eine sehr gute Arbeit mache. Probleme gebe es nur in etwa einem Dutzend Einrichtungen. Ein Grund sind fragwürdige pädagogische Konzepte. Der Heimaufsicht sind hier die Hände gebunden, so lange etwa genügend Fachpersonal vorhanden ist. In den Friesenhof-Heimen war das nicht gewährleistet. Sie waren deshalb vor einem Jahr geschlossen worden.

 Die Opposition warf Alheit vor, nur dann zu reagieren, wenn Vorwürfe öffentlich geworden seien. Die FDP-Abgeordnete Anita Klahn nannte das „ein Armutszeugnis.“

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