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Statistik-Chaos bringt Studt in Erklärungsnot

Einbrüche Statistik-Chaos bringt Studt in Erklärungsnot

Mehr oder weniger Einbrüche in Schleswig-Holstein? Die Verwirrung um die Kriminalitätsstatistik bei der Landespolizei hat die Opposition im Kieler Landtag auf den Plan gerufen: So verlangen CDU und FDP jetzt eine Erklärung von Innenminister Stefan Studt (SPD).

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Welche Zahlen stimmen jetzt? Die Polizei macht unterschiedliche Angaben zur Einbruchskriminalität in Schleswig-Holstein. Innenminister Stefan Studt (SPD) steht deshalb erneut unter Druck.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Die dramatische Zunahme der Einbruchskriminalität im vergangenen Jahr hat das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen massiv verschlechtert“, sagt Axel Bernstein. Der CDU-Innenexperte: „Allein der Verdacht, dass das Innenministerium jetzt die Statistik geschönt haben könnte, ist verheerend.“

 In der Wochenendausgabe hatte unsere Zeitung über widersprüchliche Aussagen der Polizei zur Entwicklung der Einbruchszahlen in Schleswig-Holstein berichtet. Offiziellen Angaben des Landespolizeiamtes (LPA) zufolge sollen die Straftaten in den ersten fünf Monaten so stark wie seit Jahren nicht mehr gesunken sein. Schon vor zwei Wochen hatte die Landespolizei erklärt, in den ersten fünf Monaten sei die Zahl der Einbrüche gegenüber 2015 um zehn Prozent gesunken. Einem internen Präventionskonzept des LPA zufolge, das auf den 10. Juni 2016 datiert ist und das unserer Zeitung vorliegt, heißt es hingegen wörtlich: „Der erneute Anstieg der Wohnungseinbruchsdiebstähle und die weiterhin sinkende Aufklärungsquote erfordern seitens der Landespolizei Schleswig-Holstein neben den täterorientierten Einsatzkonzepten auch verstärkte Präventionsmaßnahmen.“ Von einem Anstieg der Fallzahl um 4,5 Prozent ist in dem Papier die Rede.

 Mit harscher Kritik reagiert die Opposition auf die Widersprüche. CDU-Innenexperte Bernstein verlangt eiligst Aufklärung: „Minister Studt muss kommende Woche über jeden Zweifel erhabene Daten vorlegen.“ Auf Anfrage unserer Zeitung hatten das LPA und das Landeskriminalamt am Freitag zwei unterschiedliche Zahlenreihen übermittelt, die beide die Tendenz nach unten aufweisen. Die Frage, weshalb die beiden höchsten Führungseinheiten der Landespolizei unterschiedliche Statistiken führen, blieb bislang unbeantwortet.

 „Der Innenminister ist der schleswig-holsteinischen Öffentlichkeit nach dem Bericht der Kieler Nachrichten einige Antworten schuldig“, verlangt auch Ekkehard Klug (FDP). Studt müsse schnellstens „den schlimmen Verdacht ausräumen, dass die offizielle Einbruchsstatistik gefälscht wurde“, so Klug. „Klar ist aber auch, dass die bisherige Strategie der Landesregierung, sich in solchen Fällen auf ,bedauerliche Kommunikationsfehler´ zurückzuziehen, nicht mehr glaubhaft ist.“

 In dem Präventionskonzept, das an alle Polizeibehörden des Landes adressiert ist, geht es um geeignete Maßnahmen zur Senkung der hohen Einbruchszahlen. Neben der Polizei werden „externe Präventionsakteure“ benannt wie Wohnungs- und Hausbesitzer, Unternehmen, Banken oder auch soziale Netzwerke. In dem Konzept heißt es: „Der Erlass ergeht im Einvernehmen mit dem Landeskriminalamt und tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft.“ Das LPA hat angekündigt, sich in den kommenden Tagen um die Aufklärung der Ungereimtheiten kümmern zu wollen.

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