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Wende kommt der CAU entgegen

Streit um Lehrerausbildung Wende kommt der CAU entgegen

Waltraud Wende hat der Kieler Universität im Streit um die Lehrerausbildung ein erstes Zugeständnis gemacht. Im Interview mit KN-online versprach die Bildungsministerin der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) einen zusätzlichen Lehrstuhl. Derweil werden die Proteste gegen den Ausbau der Uni Flensburg immer lauter.

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Waltraud Wende: Kiel muss kein Personal nach Flensburg abgeben.

Quelle: pn

Kiel. Am Donnerstag befasst sich der Landtag mit der umstrittenen Reform. Die CDU sieht Wende vor dem Ende.

Bildungsministerin Waltraud Wende verteidigte den Ausbau der Uni Flensburg, der „schwerpunktmäßig“ mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) abgestimmt gewesen sei. „Er war einverstanden.“ Die Christian-Albrechts-Universität habe sie vorab nicht informiert, berichtete Wende. „Ich muss den Kieler Uni-Präsidenten Gerhard Fouquet nicht fragen, wenn ich in Flensburg etwas verändern will.“ Nach der Entscheidung hätte sie dann anders als von Fouquet behauptet alle Karten auf den Tisch gelegt.

Waltraud Wende, die reformbedingte Investitionen in die Kieler Uni vor einer Woche noch ausgeschlossen hatte, kündigte an, dass die CAU zusätzlich eine Professor für Latein-Didaktik erhalten solle. „Auf anderen Feldern müssen wir schauen, ob wir der CAU auf dem Weg zu einem praxisnäheren Studium helfen können.“ Mit einer Abwanderung von Lehramtsstudenten aus Kiel nach Flensburg rechnet Wende nicht. Sie bekräftigte zudem, dass die CAU kein Lehrpersonal nach Flensburg abgeben müsse, machte aber eine Einschränkung. Die Garantie gelte „solange ich Ministerin bin“.

Für einen Rücktritt sieht Waltraud Wende keinen Grund. „Ich sitze fest auf meinem Stuhl, und das Kabinett steht hinter mir.“ Zeitgleich schwoll die Protestwelle weiter an. „Die Bildungsministerin hat das Vertrauen endgültig verspielt“, sagte der Vorsitzende des Philologenverbands Schleswig-Holstein, Helmut Siegmon. Wende schanze „gegen alle Verabredungen und alle Vernunft ihrer alten Universität in Flensburg in einer Nacht- und Nebelaktion Millionen zu“. Den Ausbau von Flensburg nannte Siegmon eine „bildungspolitische Elbphilharmonie.“

Die Kieler Piraten legen nach. Sie forderten SPD, Grüne und SSW in Kiel auf, wie Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar (SPD) für die CAU einzutreten.

Auch im Landeshaus weht Wende der Wind ins Gesicht. Die CDU befürchtet, dass der Ausbau der Uni Flensburg teurer wird als erwartet und auf Kosten der anderen Hochschulen in Schleswig-Holstein erfolgt. Der Konflikt dürfte auch die Landtagssitzung prägen. Am Donnerstag berät das Parlament den Entwurf des Lehrkräftebildungsgesetzes in erster Lesung. Zuvor wird ein Missbilligungsantrag gegen Wende aufgerufen. Die CDU wirft der Ministerin vor, sich diskriminierend über Förderschulen geäußert zu haben. Wende bestreitet das.

CDU-Fraktionschef Johannes Callsen erinnerte an die Debatten um die Inklusion und den Stellenabbau an den Schulen. „Wann immer Wende sich eines Problems annimmt, entsteht daraus totales Chaos.“ Diesen Eindruck habe nicht nur die Opposition. „Es wird langsam eng für die Ministerin.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Kommentar

Bildungsministerin Waltraud Wende wird zur Wackelkandidatin im Kieler Kabinett. Das liegt weniger daran, dass sie im Eiltempo die Schullandschaft umpflügt. Bei ihrem Kurs für Gemeinschaftsschulen, Einheitslehrer oder die Inklusion hat sie weiterhin die Rückendeckung von SPD, Grünen und SSW. Bedrohlich wird die Lage für die Professorin, weil sie ihre Reformen handwerklich nicht sauber fertigt.

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