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Das ist Politik zum Anfassen

Tag der offenen Tür im Kieler Landtag Das ist Politik zum Anfassen

Der Landtag gab sich die Ehre und erlebte ein volles Haus. Beim Tag der offenen Tür ließen sich Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), die Vorsitzenden der sechs Landtagsfraktionen sowie fast alle Abgeordneten in die Karten schauen. Mit Erfolg: Wo sonst hinter verschlossenen Türen debattiert und gearbeitet wird, warfen am Sonntag 15000 Schleswig-Holsteiner zwischen 10 und 18 Uhr einen Blick hinter die Kulissen – ein neuer Besucherrekord.

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Landtagspräsident Klaus Schlie freute sich als Hausherr über die vielen interessierten Besucher am Tag der offenen Tür im Landtag.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Abgerundet wurde das Polit-Fest durch Vorträge, Diskussionsrunden und zahlreiche Angebote in und rund um das Landeshaus für Groß und Klein, vom Auftritt der Show-Brassband Heikendorf über ein Zwergenhaus bis zu einer Riesen-Hüpfburg. Schon im Vorfeld hatte Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) versprochen, Menschen Einblicke in die Arbeitsweise des Parlaments zu geben. Dass viele kommen würden, hatte der Landtag erhofft, doch dass der „Besuch so bombastisch“ ausfallen würde, überraschte selbst Schlie, der oft gefragt wurde, was er als Präsident denn eigentlich so mache und warum sich Politiker offenbar so häufig streiten müssten. Ralf Stegner stand den Besuchern in der Gesprächsrunde im Plenarsaal als auch in den Räumen seiner Fraktion Rede und Antwort. Dabei ließ der SPD-Fraktionsvorsitzende so manche persönliche Bemerkung fallen: „Man lernt auch aus Niederlagen. Es sollten nur nicht so viele sein.“ Und als er den alkoholfreien Cocktail „Red Lesson“ nach der Diskussion mit Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) über Noten im Zeugnis „rot, stark, gesund und frisch“ am Tresen servierte, da erzählte er, dass sein Vater Kellner gewesen sei. Politiker und Politik hautnah mit spielerischer Informationsvermittlung – das Konzept, nicht die harte Nachricht in den Vordergrund zu rücken, sondern das lockere Gespräch mit den Volksvertretern, ging auf. Ob Albig, Minister oder Ministerin – sie gaben gern dem vielfachen Wunsch nach einem Selfie nach und ließen sich mit Besuchern fotografieren.

Die Stimmung war fröhlich. Mitarbeiterinnen der Awo Schlutup hatten auf ihrer Entdeckertour bereits das dritte Obergeschoss erreicht und in Hoffnung auf einen Gewinn über Fragen gebrütet wie etwa nach der Anzahl der SPD-Ministerpräsidenten/innen ab 1988 bis heute. Über ein tolles Angebot für sich, ihre vierjährige Tochter und ihre Eltern freute sich auch Jessica Umland: Im Grünen-Büro mahlte die Landesbeamtin Weizen und Haferflocken. Gert und Anita Scharfenberg, aus Lauenburg mit einem vom SPD-Abgeordneten Olaf Schulze organisierten Bus angereist, folgten ihrem Beispiel.

In den Foyers präsentierten sich Parteien und zahlreiche Verbände. Auch die Landtagskorrespondenten unserer Zeitung, Ulf Christen und Patrick Tiede, standen Rede und Antwort. Die Bürotüren in den Fluren waren fast überall offen. Georg Kuhn genoss die schöne Aussicht von Schlies Bürosessel auf die Förde. Der Oldenburger interessiert sich schon lange für politische Abläufe und wollte sich mit aktuellen Informationen von Parteien aus erster Hand versorgen. Felix Mayer (8) dagegen setzte sich die goldene Krone auf, um sich als König von Schleswig-Holstein etwas zu wünschen, was ihm besonders am Herzen liegt: Freier Eintritt in den Hansapark. Was sich kleine wie große Besucher sonst noch von der Politik erhoffen, hat die Liste bereits am Nachmittag recht lang werden lassen: Schulfrieden etwa, Nahverkehr ausbauen, mehr Wald, eine Fährverbindung zwischen dem Ost- und Westufer zu realistischen Preisen und das Verbot vom Paternoster aufheben. Der umlaufende Aufzug stieß auf besonders großes Interesse, zumal das Lüdemann-Improvisationstheater immer wieder kleine Sketche über den jüngsten Streit um ihn präsentierte. Im Frühjahr war der Paternoster-Betrieb wegen verschärfter Sicherheitsbestimmungen unterbrochen worden.

Vor sieben Jahren hatte der Landtag zum letzten Mal eingeladen und mehr als 10000 Gäste empfangen können. Eigentlich plant das Parlament in jeder Legislaturperiode einen Tag der offenen Türen, doch 2012 fiel er den Neuwahlen zum Opfer. Gestern jedenfalls, bilanzierte Schlie am Ende hochzufrieden, „war ein ganz wunderbares Fest“ mit tollen Gesprächen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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