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Selfies mit dem Regierungschef

Torsten Albig Selfies mit dem Regierungschef

Mehr als 50 000 Flüchtlinge sind in diesem Jahr nach Schleswig-Holstein gekommen. Mit Stollen und Süßigkeiten bedankt sich Ministerpräsident Albig an Heiligabend bei den vielen Helfern einer Kieler Erstaufnahme. Und steht dann selbst unverhofft im Mittelpunkt.

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Ministerpräsident Torsten Albig war zu Gast in der Kieler Erstaufnahmeeinrichtung.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Kiel. So viel positive Resonanz verspürt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident für gewöhnlich nicht. „Leider nie“, sagt Torsten Albig (SPD), während er für das gefühlte 20. Selfie mit einem Flüchtling posiert. Immer wieder nehmen ihn Frauen und Männer in den Arm, drücken ihm ihr Kind in die Hand — auch Karim aus Syrien will ein Bild. „Ich möchte es als Erinnerung haben“, sagt der 26-Jährige. „Wir werden hier in Kiel so wundervoll behandelt.“

Der Kieler Regierungschef bedankt sich an Heiligabend mit Dutzenden Stollen in einer Erstaufnahme auf dem Kieler Nordmarksportfeld bei den vielen ehrenamtlichen Helfern. Für die zahlreichen Kinder, die derzeit in den rund 200 Containern leben, hat Albig eine ganze Kiste voll Süßigkeiten dabei. „Nichts ist perfekt in dieser Zeit, aber ganz viele Herzen kümmern sich mit ganz viel Mühe“, sagte der Regierungschef den rund 250 Flüchtlingen und Ehrenamtlichen in der voll besetzten Kantine. „Nichts davon ist selbstverständlich.“

Knapp 600 Menschen leben derzeit in der Einrichtung. Rund 800 könnten hier Platz finden. Neben dem Eingang der Kantine steht ein geschmückter Weihnachtsbaum. Vor einer Woche hat es eine multikulturelle Weihnachtsfeier gegeben, ein Muslim übernahm dabei die Rolle des Weihnachtsmannes, die Kinder bekamen Plüschtiere. „Das war fantastisch“, sagt der kommissarische Einrichtungsleiter Helmut Kohnert. „Ich war zu Tränen gerührt.“

Albig nimmt sich Zeit. Nach seiner Willkommensrede, die Dolmetscher Sirwan Baban in fünf Sprachen übersetzt, gibt es immer wieder herzlichen Applaus. Dann setzt sich der SPD-Politiker an die Tische, wird sofort umringt von Dutzenden Menschen, mit Fragen überschüttet, viele wollen seine Hilfe. Kulturen prallen aufeinander. „Die Menschen denken, der Ministerpräsident kann alles“, erklärt ihm Dolmetscher Baban. „Nein, das kann ich nicht“, entgegnet Albig.

Er hört aber zu und sucht selbst das Gespräch. Wie lange, waren Sie unterwegs, woher kommen Sie? „Die haben natürlich andere Vorstellungen von der Macht von Politik“, sagt Albig. Das sei ja einer der Fluchtgründe. „Aber trotzdem erwarten sie es dann. Da muss doch einer sein, der von oben alles verändern kann.“ Eine Frau hätte von Albig schnell eine Wohnung zugewiesen, ein anderer schnellere medizinische Behandlung, der nächste die ersehnte Familienzusammenführung — nach dem Motto „nun mach doch mal“.

Zwei weitere junge Männer erzählen dem Politiker, sie hätten sich im Kampf für die Peschmerga gegen die Terrormiliz Islamischer Staat Verletzungen zugezogen. Von Albig fordern sie bevorzugte Behandlung ein. Schließlich hätten sie ja eine Kriegsverletzung im Kampf gegen den gemeinsamen Feind erlitten. „Ich kann aber nicht einfach auf den Schalter drücken und sagen: Jetzt gibt es Peschmerga-Sonderbehandlung. Wenn ich das machen würde hätten wir bald Chaos“, sagt Albig später.

Dann macht er sich auf den Weg nach Haus zur heimischen Weihnachtsgans. Für Flüchtling Karim geht es Anfang 2016 auch weiter. Er kommt nach Itzehoe. Sein Traum ist es, in Deutschland sein Wirtschaftsstudium fortsetzen zu können.

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