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Albig will die Erinnerung wachhalten

Yad Vashem Albig will die Erinnerung wachhalten

Mahnende Worte in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Albig sieht den Antisemitismus in Europa wieder wuchern. Eine neue Kooperation mit Yad Vashem soll Lehrern helfen, den Holocaust und dessen Lehren zu vermitteln.

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Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) steht in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem vor Bildern getöteter Juden.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Yad Vashem. Selten sind Besuche emotional so aufgeladen. „Ich bin fassungslos, was Menschen einander antun können“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig am Donnerstag nach dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. „Antisemitismus ist in Europa wieder im Aufkeimen“, mahnte Albig und betonte zugleich: „Uns verbindet eine lange Geschichte jüdischer Familien und jüdischen Lebens in Schleswig-Holstein.“ Bewegt zeigte sich der SPD-Politiker auch in der Kindergedenkstätte – einer Höhle, in der gespiegelte Kerzen an eineinhalb Millionen ermordete Kinder erinnern. In der Halle der Erinnerung legte er einen Kranz nieder.

Gemeinsam mit Schulstaatssekretär Dirk Loßak und Eyal Kaminka, dem Leiter der Internationalen Schule in der Gedenkstätte, unterzeichnete Albig später eine Absichtserklärung. Damit verabredet das Land Schleswig-Holstein mit Yad Vashem insbesondere eine nachhaltige Zusammenarbeit in der Fortbildung von Lehrern.

Albig gab zu bedenken, dass in den nächsten Jahren die letzten Zeitzeugen für den Holocaust sterben würden. Damit werde dieser Teil der Geschichte zum Museum – „und es besteht die Gefahr, dass sich Dinge wiederholen“. Gerade auf das emotionale Moment der Wissensvermittlung komme es aber an. An diesem Punkt solle die Lehrerfortbildung ansetzen. Der Regierungschef erinnerte daran, dass es eine demokratische Wahl gewesen, sei bei der die Westküste Schleswig-Holsteins zur Hochburg der NSDAP wurde: „Die sind nicht über uns hergefallen, sondern gewählt worden.“ Man brauche vorbereitete junge Menschen, die solche Tendenzen bemerken.

Geschichte nicht nur aus Tätersicht

Federführend für die Kooperation ist das Schulministerium. Staatssekretär Loßak wies darauf hin, dass das Thema nicht nur für Lehrer im Bereich Geschichte, Politik und Deutsch relevant sei, sondern generell für alle Fachrichtungen. Geplant sind fünf- bis siebentägige Fortbildungen in Yad Vashem, wo Geschichte bewusst aus Opferperspektive erzählt wird. Erfahrungen hat das Land bereits über den Verein „Miteinander leben“ gesammelt, der seit Jahren Kontakt zur Jerusalemer Gedenkstätte hält. Die Seminare sollen Lehrer zu Multiplikatoren ausbilden. Gemeinsame Filmprojekte mit Schülern in Israel wären denkbar, bei denen die Kinder und Jugendlichen einzig übers Internet und filmisch doch unmittelbar miteinander zu tun haben und am Ende ein gemeinsames Projekt erarbeiten. Die Lehrerfortbildung zahlt Yad Vashem, für Anreise und Unterbringung will das Land einen Zuschuss gewähren. Die nächste Fortbildung soll 2017 stattfinden. Loßak: „Wenn wir mehr Partnerschaften bekämen, würde uns das freuen.“

Die Abgeordnete Birgit Herdejürgen (SPD) lobte die Initiative. „Es ist wichtig, andere pädagogische Ansätze zu finden“, sagte sie. „Geschichte darf nicht immer nur aus Tätersicht geschildert werden.“ Auch Hans-Jörn Arp, Parlamentarischer CDU-Geschäftsführer, unterstützt das neue Projekt. Er lobte Albigs Auftritt als der Situation angemessen: „Gerade, wenn man in Yad Vashem gewesen ist, weiß man, welche Verantwortung wir nach wie vor für das Land Israel und die Juden insgesamt haben.“

Am Nachmittag besuchte Albig auch Staatspräsident Reuven Rivlin. Presse war dazu vom israelischen Protokoll nicht zugelassen. Auf dem Programm standen außerdem Besuche in israelisch-palästinensischen Schulprojekten. Albig ist stellvertretender Vorsitzender der Jerusalem Foundation Deutschland. Eines der Ziele ist die Förderung friedlichen Zusammenlebens in der Stadt.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Historie
Foto: Auch diese Gal-U-Boote des Typs "Dolphin" waren im israelischen Militär traditionell begehrt. Dieses befand sich 1999 auf dem Weg von HDW nach Israel.

Dass Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) diese Woche Israel besuchte, hat auch eine pikante historische Komponente. Schon vor der offiziellen Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel ab 1965 spielte Schleswig-Holstein für die militärische Aufrüstung Israels eine zentrale Rolle.

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