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„Die Kritik muss man aushalten“

Türkische Gemeinde in SH „Die Kritik muss man aushalten“

Eklat nach einem zweiminütigen Musikvideo: Nachdem die türkische Regierung diplomatisch gegen einen NDR-Satirebeitrag vorgegangen ist, regt sich in Deutschland heftige Kritik. Auch bei der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein stößt die Intervention auf Unverständnis.

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Vertritt die Interessen der Türkischen Gemeinde im Land: Cebel Küçükkaraca.

Quelle: dpa

Kiel. Darf die türkische Regierung einen deutschen Botschafter einbestellen, weil ihr die TV-Ausstrahlung eines kritischen Beitrags in Deutschland nicht gefällt? Wohl eher nicht. Das denkt auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein. Mit deutlichen Worten kritisierte Cebel Küçükkaraca die diplomatische Reaktion des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf einen NDR-Satirebeitrag. Zwar hätten sich einige Erdogan-Anhänger über die Ausstrahlung geärgert, aber der Großteil der Gemeindemitglieder befürworte die Satire und Pressefreiheit als hohes Gut, sagte der Landeschef auf Nachfrage.

Diplomatischer Eklat

"Die Kritik war nicht unerträglich, das muss man aushalten, wenn man als Politiker im öffentlichen Leben steht.“ Leider setze die türkische Regierung auch im eigenen Land die Medien immer stärker unter Druck. „Diese Entwicklung beobachten wir von hier aus mit großer Sorge“, so Küçükkaraca.

Die NDR-Sendung „extra3“ hatte in einem Satirebeitrag kritisiert, dass Erdogan mit seiner Politik Meinungsfreiheit und Menschenrechte verletze – weshalb die türkische Regierung den deutschen Botschafter in Ankara, Martin Erdmann, einbestellte und offenbar ein Verbot weiterer Ausstrahlungen forderte. In dem NDR-Beitrag heißt es etwa: „Ein Journalist, der was verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“ Die Einbestellung des Botschafters hatte umgehend einen diplomatischen Eklat ausgelöst.

Es könnte ein Eigentor werden

Das rigide Vorgehen der Erdogan-Regierung könnte sich nach Einschätzung von Küçükkaraca allerdings noch als „Eigentor“ erweisen. Denn erst durch das diplomatische Einschreiten wäre dem Satirebeitrag eine große Aufmerksamkeit zuteil geworden – sowohl in Deutschland als auch in der Türkei, sagte der Landeschef. Inwieweit die Kritik in der Türkei aber tatsächlich aufgegriffen wird, bleibt abzuwarten. Zuletzt hatte die Erdogan-Regierung systemkritische Journalisten massiv unter Druck gesetzt. Unter anderem müssen sich trotz internationaler Kritik zwei Cumhuriyet-Journalisten derzeit wegen des Vorwurfs der Spionage vor Gericht verantworten.

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Ein Artikel von
Jens Kiffmeier
Wirtschaftsredaktion

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Ungewöhnliche Reaktion des ZDF: Der Fernsehsender löschte ein Gedicht Jan Böhmermanns, in dem der Satiriker sich schmähend über den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan äußert. Böhmermann hatte offenbar versucht die diplomatische Verwicklungen auslösende "Extra 3"-Satire zu übertreffen.

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