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Salafisten werben Flüchtlinge

Verfassungsschutz Salafisten werben Flüchtlinge

Radikale Islamisten versuchen offenkundig, gezielt mit Flüchtlingen in Schleswig-Holstein in Kontakt zu treten und sie zum Besuch salafistischer Einrichtungen zu animieren. Das Innenministerium bestätigt KN-online entsprechende Hinweise. Zuvor hatten bereits Salafisten in München und Köln versucht, im Umfeld von Erstaufnahmeeinrichtungen für ihre Ideologie zu werben.

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Laut Innenministerium ist es das erklärte Ziel der Salafisten, Flüchtlinge zu den so genannten Freitagsgebeten radikaler Islamisten einzuladen.

Quelle: dpa

Kiel. Landespolitik und Polizeigewerkschaft fordern nun ein konsequentes Vorgehen des Staates – „bis zum Verbot und der Auflösung verfassungsfeindlicher Organisationen“, so der FDP-Innenexperte Ekkehard Klug.

 Laut Innenministerium ist es das erklärte Ziel der Salafisten, Flüchtlinge zu den so genannten Freitagsgebeten radikaler Islamisten einzuladen. Dies werde „mit Sorge von den Sicherheitsbehörden beobachtet“, so ein Sprecher von Innenminister Stefan Studt (SPD). Die Gefahr sei, „dass traumatisierte und entwurzelte Flüchtlinge von Salafisten für ihre extremistische Ideologie vereinnahmt werden“.

 Eine Sorge, die Karl-Hermann Rehr, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Polizei, teilt. „Salafisten betreiben Propaganda im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften und fordern muslimische Asylsuchende auf, sich strikt an die fundamentalistischen Glaubensregeln im Islam zu halten und westliche Werte zu verteufeln“, so Rehr. Das dürfe nicht hingenommen werden. „Das Personal der Erstaufnahmeeinrichtungen muss sensibilisiert werden, die Polizei muss Platzverbote gegen Salafisten aussprechen“, verlangt der Gewerkschafter.

 Im Umfeld von Unterkünften verteilen Islamisten immer wieder Sachspenden wie Kleidung, Essen, Süßigkeiten und den Koran. In Schleswig-Holstein zählen laut Behörden 230 Frauen und Männer zur salafistischen, davon 60 zur gewaltbereiten dschihadistischen Szene. Regionale Schwerpunkte seien die Städte Kiel, Neumünster, Lübeck und Pinneberg. Verfassungsschutz-Chef Dieter Büddefeld rechnet damit, dass die Anzahl der Salafisten bis Jahresende auf 250 steigt.

 Den CDU-Innenexperten Axel Bernstein überrascht die Entwicklung nicht: „Es war erwartbar, dass Salafisten unter Flüchtlingen neue Anhänger gewinnen und die Konflikte aus dem Nahen Osten zu uns tragen wollen.“ Staats- und Verfassungsschutz müssten „dieser neuen Größenordnung der Werbung von Nachwuchsterroristen wirkungsvoll begegnen“, so Bernstein. FDP-Mann Klug sieht islamische Gemeinschaften in der Pflicht, „Flüchtlingen Orientierungshilfe zu geben“. Torsten Döhring, Vize-Flüchtlingsbeauftragter des Landes, drängt auf schnelle Integrationsangebote und die Möglichkeit für Flüchtlinge, aktiv in den Arbeitsmarkt einzusteigen. „So können Asylsuchende am ehesten gegen Anwerbeversuche immunisiert werden.“

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Kommentar

Wenn Salafisten in Schleswig-Holstein versuchen, Flüchtlinge für ihre radikalen Ideologien zu werben, dann klingt das zunächst einmal wenig erfolgversprechend, ja, fast ein wenig bizarr. Ein Großteil der Menschen, die jetzt Zuflucht in unserem Land suchen, ist vor den willkürlich mordenden Banden des sogenannten Islamischen Staats um die halbe Welt geflohen.

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