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Wahlen in Libyen: Exil-Libyer stimmen mit

Wahlen Wahlen in Libyen: Exil-Libyer stimmen mit

Tausende Kilometer von der Heimat entfernt haben sie lautstark den Sturz von Diktator Muammar al-Gaddafi unterstützt. Jetzt können die Exil-Libyer wieder aus der Ferne mit über die Zukunft ihres Heimatlandes entscheiden.

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Schulung: Die Leiterin einer Wahlhelfergruppe zerschneidet das Siegel einer Wahlurne im zukünftigen libyschen Wahllokal in Berlin.

Quelle: Claudia Levetzow

Berlin. Alle in Deutschland und den Nachbarstaaten lebenden volljährigen Libyer dürfen abstimmen bei den ersten freien libyschen Wahlen seit 40 Jahren. Ihr Wahllokal: eine ehemalige Schule in Berlin.

In weltweit sechs Ländern außerhalb Libyens werden in dieser Woche Wahlurnen aufgestellt: in Kanada, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Großbritannien, den USA und eben in Deutschland. Hier lebten besonders viele Libyer, vor allem Studenten, Ärzte, Kriegsverletzte, begründet der Berater der Hohen Nationalen Wahlkommission Libyens in Deutschland, Nuri Graibei.

"Wir versuchen, alle Libyer in Deutschland zu motivieren", sagt er. Um die 2000 Wahlberechtigte könnten es hierzulande sein, die Zahl sei jedoch schwer zu schätzen. Dazu kommen theoretisch noch Libyer aus Frankreich, Spanien, der Schweiz, Österreich, Polen oder anderen Nachbarländern. "Theoretisch, denn für sie ist es wegen der Kosten sehr schwierig", weiß Graibei.

Die Urnen in den fünf Wahllokalen des hellen Flachbaus im Prenzlauer Berg sind vom kommenden Dienstag an fünf Tage lang geöffnet. Sie schließen am 7. Juli, wenn auch in Libyen gewählt wird. Die Stimmen werden in Deutschland gezählt und dann schnell nach Tripolis übermittelt.

Für Libyen ist die Wahl eine Art "Experiment Demokratie". Gerade weil die meisten Libyer keine Erfahrungen mit freien Wahlen hätten, sei es wichtig, "diesen Prozess von Anfang an mitzuerleben", meint Graibei. "Es ist der Schnitt zwischen Vergangenheit und Zukunft." Den dürften auch die Exilanten nicht verpassen.

Doch viele von ihnen haben Schwierigkeiten: "Ich weiß nicht, wen ich wählen soll. Wir werden einfach zu wenig informiert", kritisiert der Sprecher der libyschen Gemeinde in Deutschland, Same Ghati. 200 Sitze soll die verfassungsgebende Versammlung in Tripolis haben. Allein für die Direktmandate bewerben sich nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Lana 2500 Kandidaten. "Wir kennen diese Leute nicht", berichtet Ghati. Im Ausland gebe es zu wenig Informationen über die politischen Ziele einzelner Kandidaten.

Doch nicht nur deshalb werden Schlangen an den Berliner Wahllokalen wohl nicht lang, meinen Graibei und Ghati. "Die Leute müssen auf eigene Kosten nach Berlin fahren." Besonders die rund 1400 Studenten aus Heidelberg, Bonn und anderen Universitätsstädten könnten sich das nicht leisten. "Viele kommen nicht. Wenn die Botschaft die Kosten ersetzen würde, wären sie motivierter", kritisiert Ghati.

Denn interessiert seien die Exil-Libyer in jeden Fall. Schließlich hätten sich viele von ihnen im Arabischen Frühling sehr für die Revolution engagiert, berichtet der Libyer. Mit den Wahlen wollten sie ihrem Heimatland zu Ordnung und Sicherheit zurückhelfen. "Die meisten von uns sind ja nicht hier, weil sie Deutschland lieben, sondern wegen der politischen Lage in der Heimat." Nach den Wahlen - wenn Libyen wieder sicher sei - "wollen wir alle wieder nach Hause fahren".

dpa

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