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„Von der Hetzjagd ist nichts übrig geblieben“

„Wara“ Wende „Von der Hetzjagd ist nichts übrig geblieben“

Die Rehabilitierung der ehemaligen Bildungsministerin Waltraud „Wara“ Wende (parteilos) ist am Dienstag im Landeshaus unterschiedlich bewertet worden. „Außer der Karriere von Daniel Günther ist von der Hetzjagd auf Wara Wende nichts übrig geblieben“, freute sich der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Habersaat.

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Ex-Bildungsministerin Waltraud Wende lebt heute im Ruhestand in Berlin.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben bezeichnete es als „gut, dass Waltraud Wende jetzt Recht gesprochen wurde“. Allerdings dürfe dies „nicht über den persönlichen und politischen Schaden hinwegtäuschen, den sie erfahren hat. Mit Geld ist das nicht wieder gutzumachen.“

 Bei der CDU fiel die Reaktion schmallippiger aus. „Das Gericht hat in einem rechtsstaatlichen Verfahren entschieden. Und somit gibt es daran nichts auszusetzen“, konstatierte Pressechef Kai Pörksen. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, einst einer von Wendes schärfsten Kritikern, blieb dagegen dabei: „Die Staatsanwaltschaft hätte in diesem Fall nicht ermittelt, wenn es keine hinreichenden Hinweise auf strafbare Handlungen gegeben hätte.“

 Wende gehörte von 2012 bis zu ihrem erzwungenen Rücktritt im September 2014 zu den umstrittensten Politikern des Landes. Während ihrer Amtszeit schaffte sie die Regionalschulen ab und führte das zweigliedrige System aus Gymnasien und Gemeinschaftsschulen ein. Besonders erboste es Eltern, als sie während der Sommerferien 2014 flächendeckend das Notensystem an Grundschulen einstampfte. Die Schulartempfehlung wurde per Ministererlass gestrichen und durch Entwicklungsberichte sowie ein verbindliches Elterngespräch ersetzt. Fachhochschulen bekamen das Promotionsrecht zugesprochen, die Lehrer- ausbildung wurde vereinheitlicht.

 Zu viele heiße Eisen in zu kurzer Zeit? „Ich habe ja noch viel mehr angepackt“, antwortet sie. „Und ja: Ich würde es wieder so tun! Ich bin ja nicht in die Politik gegangen, weil ich es schick fand, Ministerin zu sein. Ich wollte etwas bewegen.“ Dass Schleswig-Holstein aktuell zum Langsam-Abitur G9 zurückkehrt, betrachtet sie als Ideologie. „Auf jeden Fall ist es sicherlich nicht sinnvoll, in so kurzer Zeit schon wieder umzusteuern und so erneut viel Unruhe in die Gymnasien zu bringen.“

 Wende lebt als Beamtin im Ruhestand in Berlin. Finanziell gebe es keinen Zwang mehr, berufstätig sein zu müssen, sagt die 59-Jährige. „Es müsste eine sehr, sehr reizvolle Aufgabe sein, die mich veranlassen würde, die jetzige Situation wieder aufzugeben.“ Allerdings sei sie in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich tätig. „Und damit geht es mir gut.“ Nach ihrem Rücktritt hätten sie „massive Verfolgungs- und Existenzängste“ geplagt. „Die sind jetzt aber verschwunden.“ Die Zuneigung und Solidarität von Freunden hätten ihr geholfen, „die Schlammschlacht zu überleben“.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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