13 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Ringen um Flächen beginnt

Windenergieplanung des Landes Ringen um Flächen beginnt

Vor der Nordmarkhalle demonstrierten 50 Windkraftkritiker, drinnen waren unter 650 Besuchern zahlreiche Befürworter: Die Landesregierung hat am Dienstag in Rendsburg ihre neue Windenergieplanung für den Planungsraum II vorgestellt, also für Kiel, Neumünster sowie die Kreise Plön und Rendsburg-Eckernförde.

Voriger Artikel
Stellen-Nachschlag für Schulen und Justiz
Nächster Artikel
Ministerin Alheit besucht Hausarztzentrum in Büsum

Umwelt-Staatssekretärin Ingrid Nestle erklärte auf der Regionalkonferenz in Rendsburg das Vorgehen der Landesregierung in Sachen Windkraft.

Quelle: Frank Peter

Rendsburg. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung ihre im Jahr 2015 ermittelten Potenzialflächen von 7,6 Prozent des gesamten Landes noch einmal auf insgesamt 3,7 Prozent bzw. 2,9 Prozent im Planungsraum II durchgesiebt: Ausgewiesene Baugebiete wurden Siedlungen gleichgestellt, der Mindestabstand beträgt 800 Meter. Wälder bekamen eine zusätzliche Schutzzone bis 100 Meter. Horste von gefährdeten Großvögeln wie Adler, Störche und Milane sollen bis zu 3000 Metern entfernt liegen. Regionale Grünzüge rund um Ballungszentren sind für Windkraft ebenso tabu wie Biotope und Landschaftsschutzgebiete.

Die Kreise und kreisfreien Städte könnten bestimmte Areale bei Ansiedlungsplänen von Windparks aus den Schutzgebieten entlassen. Ein solcher Standort wäre Meimersdorf/Flintbek gewesen. Er wurde nach Widerstand aus der Bevölkerung von der Kieler SPD inzwischen gekippt und ist im neuen Plan nicht mehr enthalten. Die SPD bildet im Kieler Rathaus mit den Grünen eine Kooperation. Ein Ministeriumsmitarbeiter machte aber deutlich, dass es in Schleswig-Holstein keine Flächen gebe, die frei von Abwägungskriterien sind. „Wir werden es nicht allen recht machen können.“

Zwei Prozent der Fläche sollen genutzt werden

Nach Angaben von Staatskanzleichef Thomas Losse-Müller (Grüne) sollen am Ende rund zwei Prozent der Landesfläche als geeignete Areale verbleiben. Ziel sei es, die Produktion erneuerbarer Energien in Schleswig-Holstein voranzutreiben, Rechtssicherheit zu schaffen und gleichzeitig die Akzeptanz der Bürger für die Energiewende zu erhalten. Man wolle so wenig Fläche wie möglich nutzen. Ingrid Nestle (Grüne), Staatssekretärin im Umweltministerium, wies auf das Ziel hin, dass Schleswig-Holstein annähernd das Dreifache des im eigenen Land benötigten Stroms durch erneuerbare Energien selbst produziert.

Konferenzbesucher kritisierten, dass Windrotoren die Landschaft verschandeln und den Tourismus gefährden würden. Susanne Kirchhof aus Holtsee von der Bürgerinitiative Gegenwind wies auf den Infraschall hin: Es bestehe die Gefahr einer „flächendeckenden Lärmverschmutzung“. Eine andere Besucherin machte auf Untersuchungen aufmerksam, wonach Infraschall im Verdacht steht, bei Schwangeren fruchtschädigend zu wirken. Staatssekretärin Nestle kündigte einen gesonderten Workshop an. Ohne die Gefahr zu bestreiten – „wir sind davon überzeugt, dass wir Sie vor den schädlichen Einflüssen schützen können.“ Reinhard Christiansen vom Landesverband der Windenergie warb für die Chancen. Künftig gebe es „Energie vom Deich statt vom Scheich“.

Im Juli will das Kabinett eine erste Entscheidung zur Flächenauswahl treffen. Dann beginnt eine viermonatige Anhörung, bei der Bürger, Gemeinden und andere Betroffene Stellung beziehen können. Die Karte finden Sie hier.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

Mehr zum Artikel
Gesetzesentwurf
Foto: Pirat Patrick Breyer will Windkraft mit Bürgerwille.

Die Bürgerinitiativen gegen neue Windkraftanlagen erhalten Rückendeckung aus dem Landtag. Die Piraten stellten am Montag einen Gesetzentwurf vor, mit dem Kommunalparlamente angeblich den Bau neuer Anlagen verhindern können. Die Regierung will den Vorschlag prüfen.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten: Politik 2/3