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Im bösen Bann des Infraschalls

Windkraft-Workshops Im bösen Bann des Infraschalls

Staatssekretärin Ingrid Nestle (Grüne) hatte am Freitag Windmüller und Kritiker in die FH Kiel zum Workshop „Infraschall und Windkraftanlagen“ eingeladen und Experten beider Seiten dazugebeten. Angesichts der ehrgeizigen Ausbaupläne der Landesregierung sah sie Informationsbedarf.

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Betroffene spüren einen Ohrendruck und leiden oft unter Schlafstörungen. 2017 will das Umweltbundesamt die Auswirkungen von Infraschall unter Laborbedingungen testen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. „Wir sprechen die ganze Zeit nur vom Hören, nicht vom Fühlen“, sagte Dr. Thomas Carl Stiller von der Organisation Ärzte für Immissionsschutz nach gut eineinhalb Stunden. „Es gibt aber Menschen, die tieffrequenten Schall erleben.“

 Infraschall sind Töne, die so tief sind, dass sie der Mensch im Allgemeinen nicht mehr hören kann. „Ich kann ihn empfinden, aber akustisch nicht mehr wahrnehmen“, stellte Andrea Bauerdorff vom Umweltbundesamt fest. Derzeit gebe es keine Erkenntnisse, ob Infraschall wirkungsrelevant ist, geschweige denn, ob er krank macht. Das bestätigte auch Christian Eulitz vom bayerischen Büro Möhler+Partner. Häufigste Lärmquellen, die Anlass zu Beschwerden geben, seien nicht Windräder, sondern Wärmepumpen. Im nächsten Jahr will das Umweltbundesamt die Auswirkungen von Infraschall unter Laborbedingungen testen. Bis es neue Erkenntnisse gibt, gilt die Din-Norm 45680 aus dem Jahr 1997. Schon jetzt weist das Umweltbundesamt allerdings auf bedenkliche Effekte hin. „Die Betroffenen spüren einen Ohrendruck und klagen vielfach über Unsicherheits- und Angstgefühle“, heißt es. Und: „Als spezielle Wirkung ist bei Infraschall eine Herabsetzung der Atemfrequenz bekannt.“

Arzt mahnt die Schutzverpflichtung der Politik an

Nach Angaben des Arztes Stiller können die Töne die Eigenfrequenzen von Organen und Nervenzellen beeinflussen, Auswirkungen auf das innere Ohr und den Stoffwechsel haben und zu Schlafproblemen führen. „Der Mensch zählt mehr als das Megawatt“, sagte er und forderte einen zehnfachen Mindestabstand von Anlagen abhängig von der Höhe – wie in Bayern. „Politik hat eine Schutzverpflichtung.“

Staatssekretärin Nestle teilte die Auffassung, dass Infraschall gefährlich sein kann. „Aber nach allem, was wir wissen, rufen speziell Windkraftanlagen in den vorgegebenen Abständen keine gesundheitlichen Schäden hervor“, sagte sie. „Ich würde nach diesem Workshop nicht die Planung ändern.“ Bisher gebe es keine konsistente Studie, die einen solchen Schritt rechtfertigte. Gleichwohl werde die Landesregierung in der Abwägung versuchen, das Wohnumfeld weiter zu entlasten.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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