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Land tritt beim Ausbau auf die Bremse

Windkraft-Wende Land tritt beim Ausbau auf die Bremse

Im Streit um den Ausbau der Windenergie kommt die Landesregierung den Kritikern entgegen. „Ich bin der festen Überzeugung: Wir können die Energiewende nur mit und nicht gegen die Menschen schaffen“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) am Freitag unserer Zeitung.

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Im Streit um den Ausbau der Windenergie kommt die Landesregierung den Kritikern entgegen.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Kiel. Zwar halte man am Ziel fest, 300 Prozent der im Land benötigten Energie regenerativ zu erzeugen. „Aber dafür lassen wir uns zehn Jahre mehr Zeit.“ Angepeilt werde nun das Jahr 2030. Das rot-grün-blaue Kabinett reagiert damit auf den wachsenden Widerstand in der Bevölkerung gegen immer mehr Windräder in ihrer Nachbarschaft. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Kieler Nachrichten und Lübecker Nachrichten hatte erst im April ein gespaltenes Meinungsbild ergeben: Fast jeder zweite Bürger lehnt demnach den Bau weiterer Anlagen ab. Je älter die Menschen sind, desto kritischer stehen sie der Öko-Energie gegenüber. Die Zustimmung für den Ausbau sinkt von 62 Prozent bei jüngeren Leuten bis 29 Jahre auf nur noch 40 Prozent der Senioren ab 60 Jahre. Nach Angaben von Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) kann Schleswig-Holstein schon jetzt über 100 Prozent seines Stromverbrauchs aus regenerativen Energien decken. Keinesfalls werde man in den nächsten Jahren wieder auf Atomstrom oder fossile Energien setzen. „Brokdorf könnte schon jetzt abgeschaltet werden und sollte es auch, wenn es nach mir ginge“, sagte er. Das AKW habe jedoch noch Laufzeiten bis 2021. „Die Energiewende geht auf hohen Touren weiter.“ Jetzt gehe es darum, den Bau neuer und den Abbau alter Windkraftanlagen besser miteinander zu synchronisieren. Durch die Verzögerung würden im Land durchschnittlich nur noch 150 neue Anlagen im Jahr gebaut. Parallel dazu sollen alte Anlagen zurückgebaut werden.

 Bisher sieht die Landesplanung Mindestabstände von 800 Metern zu festen Wohnsiedlungen und 400 Metern zu Einzelgehöften und Splittersiedlungen im Außenbereich vor. „Es wäre wünschenswert, die Abstände zur Wohnbebauung zu erhöhen“, sagte Habeck. „Aber das muss immer im Gesamtkontext der vielen weiteren Belange betrachtet werden.“

 Die Opposition sieht sich bestätigt. „Eine Zielkorrektur bei der Energiewende ist überfällig“, sagte CDU-Fraktionschef Daniel Günther. Oliver Kumbartzky (FDP) wies darauf hin, dass es weniger um das Ausbautempo als um größere Abstände gehen müsse. „Nur so wird möglich werden, die Akzeptanz für den Windenergieausbau wieder zu erhöhen.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Das Thema ist viel zu wichtig, um von Populisten im nächsten Wahlkampf zerredet zu werden. Genau das aber könnte mit Schleswig-Holsteins Energiewende im Allgemeinen und Windkraftausbau im Besonderen geschehen. Geht es um Windräder, ist das Land tief gespalten.

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