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Kiel wächst am schnellsten

Prognose Kiel wächst am schnellsten

Die Landeshauptstadt ist der große Anziehungspunkt in Schleswig-Holstein. Nach der aktuellen Bevölkerungsprognose der Regierung steigt die Zahl der Einwohner in Kiel bis 2030 um mehr als zehn Prozent auf 268300. Alle anderen Städte und Kreise im Land wachsen langsamer oder schrumpfen sogar.

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Kiel benötigt laut einer Prognose in den nächsten 14 Jahren mehr als 21000 neue Wohnungen.

Quelle: Sven Janssen (Archiv)

Eutin. Der größte Aderlass wird im Kreis Plön (minus 5,7 Prozent) erwartet. Zu den Verlierern gehören auch Ostholstein und Rendsburg-Eckernförde. „Es ist eine absolute Auszeichnung für Kiel, dass wir eine so große Anziehungskraft haben“, kommentiert Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Die Kiel-Region sei ein Kraftzentrum, Schleswig-Holstein nicht der Wurmfortsatz Hamburgs.

Ulf Kämpfer lässt zugleich keinen Zweifel daran, dass die positive Nachricht „auch eine riesige Herausforderung“ sei. So benötigt Kiel laut Prognose in den nächsten 14 Jahren mehr als 21000 neue Wohnungen und damit knapp doppelt so viele wie bisher geplant. „Wir werden eine Schippe drauflegen müssen“, weiß Kämpfer. Er setzt hier auch auf die Umlandgemeinden.

Wohnungswirtschaft leidet unter Tsunami

Die Wohnungswirtschaft  in Schleswig-Holstein will mehr preiswerten Wohnung bauen. Doch man sieht sich dabei behindert. „Die Investitionsbereitschaft ist da, aber wir haben zu wenig Grundstücke und vor allem ersticken wir in den hohen Baukosten“, kritisierte Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen am Dienstag in Kiel.

Die Wohnungsunternehmen seien einem „Tsunami an Begutachtungen, an Standards und an Vorgaben der Kommunen ausgesetzt“, sagte Breitner.  „Das kostet Zeit und Geld  und das fehlt uns für weitere Investitionen.“  Breitner forderte Bund, Land und Kommunen auf, sicher zu stellen, dass noch schneller und kostengünstiger gebaut werden kann.  „Wir brauchen mehr preiswertes Wohnen für viele Gruppen in Schleswig-Holstein. Die Flüchtlinge sind nur eine davon.“ 

Zur Zeit werden nach Angaben des Landes in Schleswig-Holstein Wohnprojekte geplant oder bereits gebaut, die 1700 geförderte Sozialwohnungen und 2700 preiswerte freifinanzierte  Wohnungen enthalten. Das ist eine Verdoppelung der Sozialwohnungen gegenüber 2015. Einigkeit zwischen Wohnungswirtschaft und dem Land besteht aber darüber, dass das bei weitem nicht ausreichen wird. Denn schon jetzt gibt es etwa in Kiel, dem Hamburger Umland oder auf Sylt kaum mehr bezahlbaren Wohnraum. Außerdem  wird nach einer neuen Vorausberechnung die Einwohnerzahl im Land bis zum Jahr 2020 um rund 74000 ansteigen. Alle Kreise und kreisfreien Städte werden danach in den kommenden Jahren Zuwächse haben

 Eine erste Hilfszusage kommt von der Landesregierung. Kiel sei der „größte Gewinner“ der Bevölkerungsentwicklung, bestätigt der Chef der Staatskanzlei, Thomas Losse-Müller (Grüne). Das Land werde die Stadt unterstützen, „unter anderem damit genügend neue Wohnungen gebaut werden“. Landesweit werden laut der in einer Kabinettssitzung in Eutin vorgestellten Prognose mehr als 12000 neue Wohnungen benötigt, deutlich mehr als bisher gedacht. Im Herbst will Innenminister Stefan Studt (SPD) daher auf Grundlage der aktuellen Zahlen eine neue Wohnungsmarktprognose vorlegen und vermutlich auch die Förderprogramme erweitern.

 Laut der Prognose, die vom Statistikamt Nord stammt, wird Schleswig-Holstein vor allem dank der Flüchtlingswelle zunächst weiter wachsen, und zwar bis 2020 auf mehr als 2,9 Millionen Einwohner (plus 74000). Von dieser Zuwanderung profitieren alle Regionen.

 In den Folgejahren rechnen die Statistiker mit einem zweigeteilten Trend: Kiel, die anderen kreisfreien Städte sowie das Umland Hamburgs (darunter der Kreis Segeberg) legen weiter zu, in eher ländlichen Kreisen sinken die Einwohnerzahlen. Folge: Schleswig-Holstein wird 2030 mit 2,87 Millionen Einwohnern wieder etwas kleiner sein.

 Die Statistiker gehen davon aus, dass der demografische Wandel durch die Flüchtlingswelle nur verzögert, aber nicht gestoppt wird. So soll die Zahl der Erwerbspersonen bis 2030 im Landesschnitt abnehmen, die der Senioren steigen. In 14 Jahren kommen dann auf 100 junge Menschen (bis 20 Jahre) etwa doppelt so viele ältere Bürger (ab 60 Jahre).

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