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Schlammschlacht bei der AfD

Zerwürfnis im Landesvorstand Schlammschlacht bei der AfD

Schlammschlacht bei der AfD Schleswig-Holstein: Zwischen dem Landesvorsitzenden Thomas Thomsen und sieben weiteren Vorstandsmitgliedern ist es zum offenen Zerwürfnis gekommen. Beim Landesparteitag am 16. April in Henstedt-Ulzburg könnte es einen Showdown geben.

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Die AfD Schleswig-Holstein steht vor Neuwahlen.

Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa

Kiel. Nach Angaben des stellvertretenden Vorsitzenden Volker Schnurrbusch will der Vorstand den Mitgliedern eine Neuwahl anbieten, wofür eine einfache Mehrheit ausreichen würde. Allerdings kursiere derzeit auch eine Liste, auf der mehrere Mitglieder Thomsen zum freiwilligen Rücktritt auffordern. Daraus könnte beim Parteitag ein einzelner Abwahlantrag des Vorsitzenden oder anderer Vorstandsmitglieder erwachsen. Um diesen durchzusetzen, bedarf es allerdings einer Zweidrittelmehrheit.

Thomsen selbst rechnet schon zuvor mit einem freiwilligen Rücktritt des gesamten Gremiums. „Der Vorstand ist nicht mehr sinnvoll arbeitsfähig“, sagte er den Kieler Nachrichten. „Unfug!“ reagierte Schnurrbusch. „Wir sind durchaus arbeits-, beschluss- und handlungsfähig. Wir soll schließlich einen Parteitag vorbereiten.“

In einem Rundschreiben, das unserer Zeitung vorliegt, wandten sich jetzt sieben Vorstandsmitglieder um Schnurrbusch an die AfD-Anhänger. Auslöser war ein sogenannter Landesstammtisch, den Thomsen gegen ihren Willen in einem Möllner Gasthaus einberufen hatte. Sechs Landesvorstandsmitgliedern sei jedoch die Teilnahme verweigert worden, heißt es. „Als sie ihr Interesse an einer offenen Diskussion unterstrichen, erklärte Herr Thomsen kurzerhand den Landesstammtisch zu seiner Privatveranstaltung und rief die Polizei, um seine Vorstandskollegen aus dem Saal zu entfernen.“ Skandalös sei das und der „Tiefpunkt eines egoistischen Verhaltens“.

Thomsen reagierte postwendend mit einem weiteren Mitgliederschreiben. Von „Disharmonien und Animositäten, die sich zu einem dauerhaften Konflikt hochsteigerten“ ist darin die Rede und einem „widerwärtigen Geschehen innerhalb unseres Landesvorstands“. Als Landesvorsitzender habe er durchaus das Recht, Stammtische einzuberufen, sagte er den Kieler Nachrichten. Die anderen hätten ihm jedoch deutlich gemacht: Wenn überhaupt, dann müsse er den Abend als Privatveranstaltung deklarieren. Thomsen erklärte sich einverstanden, reklamierte aber für sich, in diesem Fall auch Besucher auszuschließen. „Nachdem sie den Raum trotzdem nicht verließen, habe ich die Polizei gerufen.“ Man sei bestrebt, ihn zu isolieren. „Das ist keine inhaltliche, sondern eine persönliche Debatte.“

In seinem Schreiben weist Thomsen auch darauf hin, dass es beim Konflikt um mögliche Posten im neuen Landtag gehen könnte. In der Wahlordnung lege die Landes-AfD fest, dass für die Aufstellung der Kandidaten nur zwei aus dem Vorstand stammen dürfen, „damit vor allem die übrigen Parteimitglieder zum Zuge kommen“. Angesichts hoher Diäten sei das Konfliktpotenzial erheblich.

Bei der gemäßigteren Alfa, die sich im vergangenen Juli nach dem AfD-Rechtsruck abgespalten hatte, wundert man sich über die Entwicklung nicht. Generalsekretär Christopher Hähne spricht von einem „Hauen und Stechen“. Das bestätigt auch der Landesvorsitzende Jürgen Joost. „Thomsen galt bei uns als Anführer der Querulanten und Wutbürger und als Verfechter einsamer Entscheidungen.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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