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Polizei tötet Hund mit mehreren Schüssen

Vorfall in Boksee Polizei tötet Hund mit mehreren Schüssen

Eine schwere Kampfhund-Attacke in Boksee (Kreis Plön) hat die Diskussion um das erst im Juni im Landtag verabschiedete Hundegesetz neu entfacht. Ein Staffordshire-Terrier hatte in der Nacht zu gestern seine momentane Halterin in ihrem Haus angegriffen und erheblich verletzt. Die Polizei rückte an und tötete das Tier mit zehn Schüssen.

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Ein Staffordshire-Terrier wurde von der Polizei in Boksee erschossen.

Quelle: Bernd Thissen/dpa

Boksee. Das Drama ereignete sich nach Angaben von Polizeisprecherin Silke Manthey gegen 2 Uhr. „Der Staffordshire-Terrier soll plötzlich ausgerastet sein und die Hundekennerin aus unerklärlichen Gründen in Bein und Gesäß gebissen haben“, sagt Manthey. In ihrer Verzweiflung habe die 36-Jährige, die das Tier in Pflege genommen hatte, den Hund ebenfalls gebissen, um sich zu befreien. Trotz erheblicher Verletzungen sei es der erfahrenen Hundehalterin dann gelungen, das aggressive Tier in die Küche – hinter ein Kindersicherungsgitter – zu bewegen.

Ein Untermieter, der im Obergeschoss des Hauses am alten Gutspark wohnt, hörte die Schreie der Frau und alarmierte die Rettungsleitstelle. Zwei Polizisten wurden nach Boksee geschickt. „Der Staffordshire-Terrier war unberechenbar und äußerst aggressiv, befand sich zudem nur hinter dem Gitter, das er leicht hätte überspringen oder durchbrechen können“, sagt Manthey. Die Frau habe die Beamten schließlich gebeten, das Tier zu töten. „Ein Schuss traf den Hund, dem es allerdings noch gelang, in einen nicht einsehbaren Abstellraum zu flüchten“, so die Polizeisprecherin. Als sich einer der Beamten nach 15 Minuten vom Tod des Tieres überzeugen wollte, sei er von dem Hund angegriffen worden. Neun weitere Kugeln habe der Polizist abfeuern müssen, bevor der Terrier tot gewesen sei. Die Verletzte kam zur medizinischen Versorgung in die Kieler Uniklinik.

Die Kampfhund-Attacke sorgt jetzt für neue politische Diskussionen. Erst im Juni hatte der Landtag mit den Stimmen von SPD, Grünen, SSW und FDP entschieden, ab 2016 die umstrittene Rasseliste, bei der bestimmte Hunderassen – auch der Staffordshire-Terrier – grundsätzlich als gefährlich eingestuft werden, abzuschaffen und ein neues Hundegesetz einzuführen. Demnach soll das Verhalten jedes einzelnen Hundes und nicht mehr dessen Rasse betrachtet werden, sollte das Tier auffällig geworden sein. „Der jüngste Vorfall in Boksee sollte zum Anlass genommen werden, über Nachbesserungen im Gesetz nachzudenken“, verlangt Heiner Rickers (CDU). Mit der Abschaffung der Rasseliste werde nicht genug zum Schutz von Menschen getan.

FDP-Tierschutzexperte Oliver Kumbartzky kontert: „Die von der CDU als Allheilmittel angesehene Rasseliste hätte den Ausraster dieses Hundes auch nicht verhindert.“ Die Leiterin des Kieler Tierschutzes, Elisabeth Haase, pflichtet bei: „Diesen Zwischenfall hätte es auch mit jedem anderen Hund geben können.“

Warum biss der Staffordshire-Terrier zu?

Nach dem Angriff von einem Staffordshire-Terrier ist der Vorfall Gesprächsthema Nummer eins auf der Straße. Nachbarn tauschen sich hinter vorgehaltener Hand über die Geschehnisse aus – schließlich ist es schon der zweite Vorfall in der Gemeinde mit einem erschossenen Hund. So richtig mitbekommen hat aber niemand etwas. Lediglich ein direkter Anwohner gibt an, dass er in der Nacht einen Schuss wahrgenommen hat.

„Die Schüsse habe ich nicht gehört, nur das Blaulicht habe ich in der Nacht aufblitzen sehen“, erklärt hingegen Kurt Bartsch, der einige Meter entfernt wohnt. Allerdings sei ihm am Tag zuvor nachmittags aufgeregtes Hundegebell aus Richtung des betroffenen Hauses aufgefallen. „Das klang fast so, als würden sich mehrere Hunde beißen“, so der 76-jährige Rentner. Den Staffordshire-Terrier, den die verletzte Frau vermutlich nur pflegeweise betreute, hatte in dem Dorf noch keiner gesehen.

Einsätze wie Dienstagnacht in Boksee sind allerdings eine Ausnahme. Die Landespolizei zählte im vergangenen Jahr intern 233 Fälle von „Schusswaffengebrauch gegen Tiere“. „In den meisten Fällen handelt es sich um so genannte Fangschüsse, sprich: Einsätze, wenn beispielsweise Wildtiere bei Verkehrsunfällen lebensgefährlich verletzt werden“, sagt Jürgen Börner vom Landespolizeiamt in Kiel. Anders als im Fall des außer Kontrolle geratenen Staffordshire-Terriers benötigen die Polizisten mit durchschnittlich zwei Schüssen auch deutlich weniger Munition. „Der Schusswaffengebrauch gegen Tiere wird regelmäßig während des Schießtrainings geübt“, sagt Börner. Ziel ist es, das Leid gering zu halten.

Tierschützer rätseln unterdessen, wie es überhaupt zu der Beißattacke kommen konnte. „Plötzliche Angriffe aus dem Nichts sind untypisch“, sagt Holger Sauerzweig-Strey, Landesvorsitzender des Tierschutzbundes. „Es muss einen Vorfall gegeben haben: kein Hund greift grundlos einen Menschen an. Offenkundig muss das Tier massiv unter Stress gestanden haben“, sagt Elisabeth Haase. Vorwürfe macht die Leiterin des Tierheimes in Kiel der Polizei nicht, obwohl sie sicher ist, dass sich der Hund unter Umständen von selbst wieder beruhigt hätte. „Das Tier stand unter Adrenalin. Hätte man die Frau erst einmal in Sicherheit gebracht und den Hund allein gelassen, hätte man ihn unter Umständen tags darauf ganz normal an die Leine legen und ins Tierheim bringen können“, sagt Haase.

In Boksee ist die Hundeattacke auch noch aus einem anderen Grund ein Thema. Denn die kleine Gemeinde war wegen eines toten Hundes schon einmal in den Schlagzeilen gelandet. Vor nahezu genau zwei Jahren sorgte der Tod der jungen Dogge „Snatch“ bundesweit für Diskussionen. Ein Jäger aus dem Ort hatte den Welpen einer Dorfbewohnerin erschossen. Angeblich habe das Tier gewildert. Obwohl das Tier und dessen Besitzer im Dorf bekannt waren, hatte es vor dem Abschuss des Hundes keine Warnung der Eigentümer gegeben. Tierschützer kämpfen bislang erfolglos gegen ein gesetzliches Abschussverbot von Haustieren.

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Foto: Ein Staffordshire-Terrier wurde von der Polizei in Boksee erschossen.

Eine schwere Kampfhund-Attacke in Boksee (Kreis Plön) hat die Diskussion um das erst im Juni im Landtag verabschiedete Hundegesetz neu entfacht. Ein Staffordshire-Terrier hatte in der Nacht zu gestern seine momentane Halterin in ihrem Haus angegriffen und erheblich verletzt. Die Polizei rückte an und tötete das Tier mit zehn Schüssen.

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