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Kieler Hells Angels erpressen Disko

Lübeck Kieler Hells Angels erpressen Disko

Die in Kiel verbotenen Hells Angels versuchen offenkundig immer massiver, Lübeck als neues Geschäftsfeld zu erschließen. Wie die Polizeidirektion in der Hansestadt erst heute mitteilt, löste eine versuchte Erpressung von Rockern am vergangenen Wochenende einen Großeinsatz in Lübeck aus.

Kiel/Lübeck. „Der Veranstalter einer Diskoveranstaltung war aufgefordert worden, einen größeren Geldbetrag zu zahlen, andernfalls würde man die geplante Veranstaltung gewaltsam stören“, berichtet Stefan Muhtz von der Polizei. Ermittlern der Kripo waren Hinweise zugespielt worden, dass die Täter aus dem Umfeld  der verbotenen Kieler Hells Angels kommen würden.

Ein Führungsstab wurde gebildet und zusätzliche Beamte der Eutiner Einsatzhundertschaft angefordert. „Zum Ende der Veranstaltung am frühen Sonntagmorgen gegen 2.30 Uhr verdichteten sich die Erkenntnisse, dass insgesamt drei Fahrzeuge mit möglichen Tätern zum Veranstaltungsort fahren würden“, so der Behördensprecher. Eine gute Stunde später waren die Personen in Lübeck eingetroffen und konnten bei Betreten des Objektes durch starke Polizeikräfte vorläufig festgenommen werden. „Es handelte sich um insgesamt sieben Tatverdächtige, sechs Männer und eine Frau aus dem Kieler Bereich im Alter von 30 bis 40 Jahren“, sagt Muhtz. Zwei Männer trugen Kutten.

Bei den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes des Veranstalters wurden Schlagstöcke und Schlagringe festgestellt und sichergestellt. Entsprechend wurden Anzeigen nach dem Waffengesetz und Veranstaltungsrecht sowie Gewerberecht geschrieben.

Wie die Kieler Nachrichten bereits vor zwei Monaten berichteten, versuchen die kriminellen Rocker jetzt gezielt in der Hansestadt Fuß zu fassen. Ermittler der Polizei haben in den vergangenen Wochen umfangreiche Kenntnisse gesammelt. Jetzt wurde in der Hansestadt eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Nach KN-Informationen sind die Hells Angels bemüht,  in der Kneipen- und Türsteher-Szene in der Hansestadt die Vormachtsstellung einzunehmen. Gesteuert werden die Aktionen demnach von Mitgliedern der verbotenen Kieler Gruppierung. In einer Diskothek haben sie bereits „den bisherigen Sicherheitsdienst ausgebootet und stellen nunmehr das Personal am Einlass“, sagte ein Ermittler gegenüber unserer Zeitung. Ein Sicherheitsdienst, der im Lübecker Raum zahlreiche Veranstaltungen betreut, ist mittlerweile fest in den Händen der Rocker. Für die Behörden ein Alarmsignal: „Wer an der Tür steht, der hat die Macht.“

Auch in der Kneipen- und Gastronomie-Szene zeigen die „Höllenengel“ für Gäste und Wirte auffällig stark Flagge. „In Kneipen und Billard-Cafés postieren Mitglieder der Hells Angels ihre Kutten gut sichtbar für andere Besucher in den Fenstern“, berichtet der Polizei-Insider. Ein klassisches Signal der Organisation, Claims abzustecken. Nachtclub-Besitzer in der Hansestadt hatten vor einem Jahr erstmals über „Besuche der Hells Angels“ berichtet.

Noch mehr Sorge bereitet den Behörden, dass die Hells Angels offenbar versuchen, in Lübeck neue Mitglieder zu gewinnen. „Es gibt alarmierende Tendenzen, dass die Rocker in der stark ausgeprägten Hooligan-Szene in Lübeck aktiv sind“, berichtet der Ermittler: „Die Szene ist dabei, sich zu formieren.“ Auffällig sei, wie schnell die neu Angeworbenen in der Hierarchie der Hells Angels aufsteigen.

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