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Aus und vorbei: Schlecker-Märkte schließen endgültig

Handel Aus und vorbei: Schlecker-Märkte schließen endgültig

Die Ära Schlecker ist zu Ende. Tausende Verkäuferinnen machten bundesweit ein letztes Mal Kasse. Sie hatten die Anweisung bekommen, am Mittwoch um 15.00 Uhr alle verbliebenen 2800 Märkte des einstigen Drogeriekönigs endgültig abzuschließen.

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Das Zentrallager der Drogeriemarktkette Schlecker am Stammsitz des Unternehmens im baden-württembergischen Ehingen.

Quelle: Stefan Puchner

Ehingen/Berlin. Nach turbulenten Ausverkaufstagen war zum Teil nur noch wenig Ware übriggeblieben: Die Reste - von Babymilch bis zum Vogelfutter - waren für 20 Cents zu haben. Einige hartnäckige Schnäppchenjäger schlugen noch zu.

Die Schlecker-Pleite hat am Ende knapp 25 000 Menschen den Arbeitsplatz gekostet. Anton Schlecker hatte die Kette, die zu ihren besten Zeiten europaweit 55 000 Mitarbeiter beschäftigte, 1975 gegründet. Über die Töchter IhrPlatz und Schlecker-XL wird noch mit möglichen Käufern verhandelt.

Die Abwicklung des Unternehmens war Anfang Juni von den Gläubigern des insolventen Konzerns mit der Begründung beschlossen worden, kein Investor habe das zur Sanierung notwendige Geld geboten. An diesem Freitag gehen die Schreiben der Insolvenzverwaltung von Arndt Geiwitz mit der Freistellung der Belegschaft heraus. "Dann müssen sie erst einmal zur Arbeitsagentur gehen", sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz der Nachrichtenagentur dpa. Gemeinsam mit den Betriebsräten will die Gewerkschaft den 13 200 Betroffenen weiter beratend zur Seite stehen. Im Juli folgen die Kündigungen.

Verdi forderte von Geiwitz eine finanzielle Beteiligung an einer Qualifizierungsmaßnahme für die von der Kündigung betroffenen Mitarbeiter. Dazu liefen derzeit Verhandlungen mit dem Verwalter, sagte Schmitz. Der Beitrag der Insolvenzverwaltung soll dabei aus der Insolvenzmasse fließen. Aber auch Bundesländer und die Bundesagentur für Arbeit sollen für regionale Qualifizierungsgesellschaften mit ins Boot genommen werden. "Wir müssen möglichst schnell eine Perspektive für die Beschäftigten aufzeigen."

In den vergangenen Wochen mussten die Verkäuferinnen einen bitteren Ausverkauf bestreiten - mit dem Wissen, dass es am Ende für sie bei ihrem langjährigen Arbeitgeber nicht mehr weitergeht. Am Mittwoch sollte nach den Filialschließungen nur noch aufgeräumt werden. Ende März war im Zuge der im Januar angemeldeten Insolvenz bereits 11 000 Mitarbeitern gekündigt worden. Von ihnen stehen 2500 bereits in einem neuen Arbeitsverhältnis, wie "Spiegel Online" am Mittwoch unter Berufung auf interne Zahlen der Bundesagentur für Arbeit berichtete. Insgesamt seien bei der Agentur bislang 16 000 frühere Schlecker-Mitarbeiter gemeldet. Darunter sind den Angaben nach auch solche, denen noch keine Kündigung vorliegt.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es indes für die Schlecker-Tochter IhrPlatz. Dem zuständigen Verwalter Werner Schneider zufolge laufen aussichtsreiche Verhandlungen mit einem österreichischen und einem Münchner Investor. Mit einem Ergebnis wird in den nächsten Tagen gerechnet. Zwar strebe Schneider einen Komplettverkauf mit der Tochter Schlecker-XL an, ist da aber nur "verhalten optimistisch", wie ein Sprecher sagte. Auch für das Österreich-Geschäft soll in den nächsten Tagen die Entscheidung fallen, ob ein Investor einsteigt oder auch dort Insolvenz angemeldet werden muss.

Derweil sorgen erneut die Vermögensverhältnisse der Familie Schlecker für Schlagzeilen. Nach Angaben der Insolvenzverwaltung ist die Familie mit der Übertragung von zwei Grundstücken an die Kinder offen umgegangen. "Die Firmenzentrale in der Talstraße 12 war und ist Bestandteil der Insolvenzmasse, und auch die Übertragung der Flächen in der Talstraße 7 wurde von der Familie von Anfang an offengelegt", sagte ein Sprecher von Geiwitz der dpa.

Die Übertragungen am Stammsitz Schleckers im baden-württembergischen Ehingen würden derzeit geprüft, hieß es weiter. Aufgrund der Insolvenz zu beanstandende Schenkungen und Übertragungen könnten zurückgeholt werden und würden dann in die Insolvenzmasse einfließen. Das könnte auch die Familien-Villa betreffen. "Alles wird überprüft, definitiv", sagte der Sprecher. Denn Anton Schlecker haftet auch mit seinem Privatvermögen.

Wie dpa aus Unternehmenskreisen erfuhr, hatte Anton Schlecker sein Privathaus mit einem Wert von rund zwei Millionen Euro an seine Ehefrau übertragen. Ebenso habe er ein Grundstück in der Talstraße 7 in Ehingen an seinen Sohn Lars Schlecker übertragen. Den Kreisen zufolge handelt es sich dabei aber um einen Tennisplatz mit geringerem Wert.

Die "Bild"-Zeitung berichtete am Mittwoch unter anderem, dass nur wenige Monate vor der Insolvenz Lars Schlecker als Eigentümer eines 7000 Quadratmeter großen Firmengrundstücks in der Talstraße 7 ins Grundbuch eingetragen worden war. Die andere Hälfte habe zuvor seine Schwester Meike erhalten, wobei der Vertrag aus dem Jahr 2008 stamme. 2009 habe Anton Schlecker das Familienanwesen seiner Frau Christa überschrieben. Dem Bericht zufolge hat sich Anton Schlecker ein lebenslanges Nutzungsrecht für die Villa einräumen lassen. Im Todesfall seiner Frau würde laut notarieller Regelung die Villa wieder in seinen Besitz übergehen, berichtete die Zeitung.

Auch Verdi lässt parallel über einen Wirtschaftsprüfer Übertragungen bei Schlecker prüfen. "Wir behalten uns grundsätzlich juristische Schritte vor, wenn es entsprechende Vorkommnisse gibt", sagte Schmitz. "Wir erwarten vom Insolvenzverwalter, dass er angesichts der neuen Hinweise alles unternimmt und unberechtigte Übertragungen zurückholt." Die Insolvenzmasse sei auch wichtig für die Abfindungsansprüche der Mitarbeiter.

dpa

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