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Billigeres Erdgas für Eon: Verbraucher bleiben außen vor

Energie Billigeres Erdgas für Eon: Verbraucher bleiben außen vor

Der größte deutsche Energiekonzern Eon bekommt jetzt billigeres Gas aus Russland - aber die Verbraucher werden es wohl nicht merken. Im verlustreichen Gasgeschäft haben sich die Düsseldorfer nach jahrelangem Tauziehen mit der russischen Gazprom auf Preisnachlässe verständigt.

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Der Eingang der Zentrale des Energiekonzerns Eon in Düsseldorf.

Quelle: Martin Gerten / Archiv

Düsseldorf. Schon für das erste Halbjahr 2012 erwarte Eon einen positiven Ergebniseffekt von einer Milliarde Euro, teilte das Unternehmen am Dienstag in Düsseldorf mit. Die nun getroffene Abmachung gelte rückwirkend bis zum 4. Quartal 2010.

Nach Einschätzung von Verbraucherschützern ist Eon zunächst der alleinige Nutznießer der Vereinbarung. Es sei ungewiss, ob die Preisnachlässe bei den Endverbrauchern ankämen, sagte Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband der dpa. Dies hänge vor allem von der Wettbewerbssituation auf dem Gasmarkt ab, betonte der Verbraucherschützer. Vorstellbar sei, dass nun durch den günstigeren Einkauf von Eon der Wettbewerb angeheizt werde. Für die Endkunden läuft die Preisentwicklung beim Gas derzeit aber genau in die andere Richtung.

Nachdem die Preise in den vergangenen Jahren rückläufig waren - einem Trend, dem sich auch Eon nicht entziehen konnte - kündigen viele Versorger seit einigen Monaten ihren Kunden Preiserhöhungen an. Erst vor wenigen Tagen hatte Eon für seine fünf Regionalversorger Zuschläge von bis zu knapp sechs Prozent im Schnitt zum 1. September angekündigt.

In den vergangenen Jahren hatte Eon mit Gazprom zunächst erfolglos über eine Anpassung der Gaspreise bei den langfristigen Lieferverträgen gerungen. Das Unternehmen war durch die drastisch gefallenen Gaspreise an den sogenannten Spotmärkten, die den kurzfristigen Bedarf bedienen, in Schwierigkeiten geraten. Der Markt war unter anderem durch die gestiegenen Mengen von Flüssiggas und Schiefergas aus den USA stark unter Druck geraten. Die langfristigen, an der Entwicklung der Ölpreise gekoppelten teuren Gasverträge erwiesen sich als Verlustbringer für das Unternehmen.

Allein im vergangenen Jahr fiel bei Eon im Gasgeschäft ein Verlust von 700 Millionen Euro an. Um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen, setzte Eon-Chef Johannes Teyssen besonders auf die Verhandlungen mit Gazprom. "Wir freuen uns über den Abschluss unserer Verhandlungen und über das gute Ergebnis für beide Seiten", erklärte der Manager. Eon festige mit den Vereinbarungen seine langjährige Partnerschaft mit Gazprom.

"Diese Vereinbarung ist ein Kompromiss und berücksichtigt die aktuellen Trends und Entwicklungen auf dem Erdgasmarkt", betonte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew nach Unternehmensangaben. Über den Gaspreisstreit mit Gazprom hatte Eon auch ein Schiedsgericht angerufen. Das Verfahren wird nun durch die Einigung beendet.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2012 erwarten die Düsseldorfer nun einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 10,4 und 11,0 Milliarden Euro. Das wären ebenfalls rund eine Milliarde Euro mehr als der ursprüngliche Plan. Der Überschuss könnte sogar um 1,8 Milliarden höher ausfallen. Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigte sich von der Einigung überrascht: "Damit hätte ich nicht gerechnet", sagte der DSW-Geschäftsführer der dpa. Eon habe gut verhandelt.

Mit dem Abschluss der Gazprom-Verhandlungen habe Eon jetzt die Preiskonditionen von 100 Prozent der aktuell ölpreisgebundenen Mengen aus seinen langfristigen Gaslieferverträge neu verhandelt. Im März hatten die Düsseldorfer eine entsprechende Vereinbarung mit dem norwegischen Lieferanten Statoil erzielt, von dem Eon knapp ein Viertel seines Gases bezieht. Gazprom schlägt mit 27 Prozent der Mengen zu Buche. Teyssen hatte das Ziel ausgegeben, bis 2013 alle langfristigen Gaslieferverträge auf Wettbewerbsniveau zu bringen.

dpa

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