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Deutsche Bank gibt Postbank auf und dünnt Filialnetz aus

Banken Deutsche Bank gibt Postbank auf und dünnt Filialnetz aus

Ein harter Sparkurs soll die Deutsche Bank wieder profitabler machen. Allein mit der Trennung von der Tochter Postbank will die Bank ihre Kosten um drei Milliarden Euro jährlich drücken.

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Die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Fitschen (l) und Jain wollen weiter sparen.

Quelle: Boris Roessler/Archiv

Frankfurt/Main. Zudem schließt Deutschlands größtes Geldinstitut gut jede vierte eigene Filiale in seinem Heimatmarkt und will sich aus sieben bis zehn Auslandsmärkten zurückziehen. Um rund 150 Milliarden Euro eingedampft wird auch das Kapitalmarktgeschäft.

"Wir werde nicht mehr versuchen, alles für jeden zu sein", erklärte Co-Chef Jürgen Fitschen. Gleichwohl bekenne sich der Dax-Konzern zum Modell einer Universalbank mit Angeboten für Privatkunden, Unternehmen und Finanzprofis.

Die Weichen für den Kurswechsel hatten Vorstand und Aufsichtsrat am Freitagabend gestellt. Das radikalere Modell einer kompletten Trennung von Investmentbank und Privatkundengeschäft setzte sich nicht durch. Fitschen betonte, der Vorstand stehe "gemeinschaftlich" hinter der Strategie, die bis 2020 ausgelegt ist, wenn die Bank 150. Jubiläum feiert.

Über die Postbank-Einsparungen hinaus will die Deutsche Bank bis dahin ihre operativen Kosten jährlich um zusätzliche 3,5 Milliarden Euro senken. Um dies zu erreichen, rechnet das Institut mit einmaligen Aufwendungen von 3,7 Milliarden Euro.

Zu den Einsparungen beitragen soll auch die Schließung von bis zu 200 der etwa 750 Filialen der Deutschen Bank inklusive Berliner Bank bis zum Jahr 2017. Wie viele Stellen dem Schrumpfkurs zum Opfer fallen, blieb offen. "Wir haben noch keine Entscheidungen bezüglich der Personalmaßnahmen getroffen", sagte Fitschen. Gespräche mit dem Betriebsrat hätten noch nicht begonnen. Ende 2014 zählte der Konzern weltweit gut 98 000 Vollzeitstellen.

Die 10 000 Tarifbeschäftigten der Postbank müssen vorerst nicht um ihre Jobs fürchten: Das Bonner Institut sichert ihnen Kündigungsschutz bis Ende Juni 2017 zu. Darauf einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft Verdi am Montag. Die 5600 Mitarbeiter in den Postbank-Filialen bekommen zudem ab diesem Monat 2,1 Prozent mehr Geld und ab April 2016 weitere 2,0 Prozent mehr.

Bei der Postbank will die Deutsche Bank zunächst die verbliebenen Kleinaktionäre hinausdrängen ("Squeeze-Out"). So will die Deutsche Bank, die nach neuesten Zahlen 96,8 Prozent der Postbank-Anteile hält, bis Ende des laufenden Jahres alleiniger Eigentümer des Bonner Instituts werden.

Bis Ende 2016 soll die Postbank dann wieder an die Börse gebracht werden mit dem Ziel, den Deutsche-Bank-Anteil mindestens unter 50 Prozent zu senken. Perspektivisch strebt das Management einen kompletten Ausstieg aus der Postbank an.

Das Management sei zu dem Schluss gekommen, "dass sich die Postbank in Zukunft außerhalb des Deutsche-Bank-Konzerns besser entfalten kann", erklärte Co-Chef Anshu Jain. Die Integration des Privatkundengeschäfts der Postbank und der Deutschen Bank werde sofort eingestellt. Strategievorstand Stefan Krause versicherte jedoch, für Postbank-Kunden werde dies keine negativen Auswirkungen haben: "Wir werden weiterhin in die Postbank investieren und auch die Postbank wird weiter in ihre Produkte und Prozesse investieren."

Auf der anderen Seite will die Deutsche Bank schlagkräftiger werden, indem sie in den nächsten drei bis fünf Jahren bis zu eine Milliarde Euro in den Ausbau digitaler Angebote steckt. Ausgebaut werden sollen zudem die Vermögensverwaltung für reiche Kunden und das Transaktionsmanagement für große Firmen.

Deutschlands größte Geldhaus reagiert auf verschärfte Anforderungen der Aufseher weltweit, die zum Beispiel immer mehr Eigenkapital für Anlagen verlangen. Im ersten Quartal machten Altlasten erneut den Aufschwung im Tagesgeschäft zunichte. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss halbierte sich zum Vorjahreszeitraum auf 544 Millionen Euro. Die Bank legte weitere 1,5 Milliarden Euro für Rechtsrisiken zurück. Im Skandal um die Manipulation von Referenzzinsen (Libor) musste der Dax-Konzern vergangene Woche die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) schlucken.

Ihre zuletzt arg gebeutelten Aktionäre will die Bank mit hohen Ausschüttungen bei der Stange halten: Künftig soll mindestens die Hälfte des Gewinns über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner fließen. Mit einem deutlichen Minus von vier Prozent war die Deutsche Bank am Montagnachmittag einziger Verlierer im Dax.

dpa

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