4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Kaiser's Tengelmann: Das Bangen geht weiter

Krisengipfel ohne Ergebnis Kaiser's Tengelmann: Das Bangen geht weiter

Das Krisentreffen zur Zukunft von Kaiser’s Tengelmann bleibt ergebnislos – nun soll der Aufsichtsrat beraten. Das Bangen für Tausende Beschäftigte geht also weiter: Was wird aus ihren Arbeitsplätzen, sollte die Supermarktkette zerschlagen werden?

Mülheim/Ruhr 51.418568 6.884523
Google Map of 51.418568,6.884523
Mülheim/Ruhr Mehr Infos

Krisentreff ohne Ergebnisse: Tausende Mitarbeiter der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann bangen um ihre Jobs.
 

Quelle: dpa

Mülheim/Ruhr.  Die Zukunft von Kaiser's Tengelmann ist ungewisser denn je. Nachdem ein Krisengipfel am Donnerstagabend keinen Durchbruch brachte, will der Aufsichtsrat von Tengelmann am Freitag die Lage der angeschlagenen Supermarktkette beraten. Das Gremium könnte dann die Weichen für eine Zerschlagung der tiefrote Zahlen schreibenden Supermarktkette stellen, hieß es zuletzt in informierten Kreisen. Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wären damit bis zu 8000 Arbeitsplätze gefährdet.

Zeichen stehen auf Zerschlagung

Am Donnerstagabend hatten sich die Chefs der Handelsketten Edeka, Tengelmann und Rewe mit Vertretern der Gewerkschaft getroffen, um über die Zukunft der Kette mit über 15.000 Arbeitsplätzen zu beraten. Nach drei Stunden vertagte sich die Runde. Das Gespräch sei konstruktiv gewesen. Man sei sich einig, „die Gespräche zeitnah fortzuführen“. Ein Termin oder Ort wurde dafür aber nicht genannt.

Verschwundene Namen im deutschen Handel

Ob Woolworth, Max Bahr oder Schlecker: In Deutschland sind in den vergangenen Jahren so einige bekannte Handelsunternehmen verschwunden.

2013: Die Baumarkt-Ketten Praktiker und Max Bahr sind insolvent und werden abgewickelt. Sie schließen 2014 ihre letzten Filialen. Viele Standorte werden von neuen Betreibern unter anderen Marken fortgeführt.

2013:
 

2012: Der insolvente Versandhändler Neckermann wird zum 30. September geschlossen. Rund 2000 Beschäftigte des Traditionsunternehmens in Frankfurt und Sachsen-Anhalt verlieren ihre Jobs. Das Unternehmen war 1950 in Frankfurt als Neckermann Versand KG gegründet worden.

2012: Die Drogeriemarktkette Schlecker ist Geschichte. Im Juni erhalten die noch 13 200 Mitarbeiter die Kündigung. Schon bei einer ersten Schließungswelle hatten 11 000 Mitarbeiter ihren Job verloren.

2009: Mit der Schließung der letzten 20 Kaufhäuser geht die insolvente Warenhauskette Hertie vom Markt. 2600 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Das Kaufhaus ist aber weiterhin online erreichbar.

2009: Die Billigkaufhauskette Woolworth Deutschland beantragt Insolvenz. Die Kette beschäftigt etwa 11 000 Menschen. Woolworth war 1926 in Deutschland an den Start gegangen.

2006: Nach der Übernahme durch Edeka werden die Spar-Märkte umbenannt. Alle Filialen mit mehr als 600 Quadratmetern Verkaufsfläche werden auf Edeka umgestellt. Kleinere Geschäfte können weiter als Spar firmieren.

Ziel sei es, „eine für alle Beteiligten und die Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann tragfähige, gemeinsame Lösung zu finden.“ Inhalte des Treffens drangen allerdings nicht nach außen. Doch schon vor dem Treffen standen die Zeichen für die Supermarktkette auf Zerschlagung - der Komplettverkauf an Marktführer Edeka schien immer unwahrscheinlicher.

„Wir brauchen ein Fortführungskonzept“

 Rewe-Chef Alain Caparros, der das Geschäft vor Gericht hatte stoppen lassen, warb zuvor noch einmal für eine Aufteilung der über 400 Standorte unter den Wettbewerbern. Die Arbeitsplätze könnten trotzdem erhalten werden, und die wettbewerbsrechtlichen Bedenken wären vom Tisch. Auch andere Konzerne wie Tegut oder Norma äußerten erneut Interesse an Kaiser's-Filialen.

 Der Betriebsrat von Kaiser’s Tengelmann fordert den Erhalt der defizitären Supermarktkette. „Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt“, sagte Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern, der „Wirtschaftswoche“. Für die Lage macht Schick auch Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verantwortlich: „Klar trägt der Eigentümer Verantwortung für die Lage.“

Tengelmann-Chef droht mit Aus

Branchenprimus Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte. Unter anderem Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vorläufig recht bekommen.

Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen. Haub hat wegen des langen Tauziehens um die Übernahme mit einem Aus für Kaiser's Tengelmann gedroht. Die Kette verbucht hohe Verluste, Personal geht von Bord, Vermieter verlängern Verträge nicht.

Betriebsrat wertet Vertagung der Gespräche positiv

Der Ausgang des Kaiser’s-Tengelmann-Krisengipfels weckt indes bei Beschäftigten Hoffnung auf eine Rettung des Unternehmens in letzter Minute. Der Berliner Betriebsratsvorsitzende Volker Bohne sagte am Freitag: „Dass die Teilnehmer gesagt haben, sie treffen sich wieder, ist ein positives Zeichen. Es heißt eigentlich, dass es heute nicht zu einem endgültigen Aus kommt.“ Am Freitagvormittag kommt der Aufsichtsrat von Tengelmann zusammen, um über die Lage zu beraten. Nach wie vor hofft der Betriebsrat auf eine Komplettübernahme des Konzerns durch Edeka, „weil es die einzige Möglichkeit ist alle Arbeitsplätze zu erhalten“.

Von RND/dpa

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie Frau
Marion N.-Neurode

Veranstaltung in...

Aktuelle
Veranstaltungen
und Tagestipps!

Anzeige