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Regierung warnt vor Schwarzmalerei bei Elektroautos

Auto Regierung warnt vor Schwarzmalerei bei Elektroautos

Autobranche und Bundesregierung haben trotz des schleppenden Absatzes von Elektroautos vor Schwarzmalerei gewarnt. "Natürlich sind die Bäume nicht in den Himmel gewachsen".

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Das neue Elektroauto des Daimler-Konzerns, der smart electric drive, kostet mit rund 23.000 Euro etwa 10.000 Euro mehr als die vergleichbare Benzin-Variante.

Quelle: Sebastian Kahnert

Berlin. Das sagte Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Mittwoch bei der Vorstellung des dritten Berichts der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) in Berlin. Man befinde sich aber wie geplant noch in der Vorbereitungsphase. Ab 2014 sei der Markthochlauf geplant, 2017 solle die Massenproduktion starten. Der Bericht geht davon aus, dass ohne weitere Förderung bis 2020 nur 600 000 statt eine Million E-Autos in Deutschland fahren.

Dennoch will die Regierung den Absatz von Elektroautos nicht mit Kaufprämien anschieben. Das E-Auto müsse sich am Markt durchsetzen, es sei nicht Aufgabe der Bundesregierung, Ladestationen oder Autos zu bauen, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Ramsauer sagte, auch die Mitbewerber im Ausland würden nur mit Wasser kochen. "Wir in Deutschland kochen aber mit dem Wasser wesentlich besser."

Seit 2008 sind rund 4000 Autos angemeldet worden, der Gesamtbestand beläuft sich auf etwa 4500 Stück. Bisher wurden rund 2200 Ladestation errichtet. "Ein realistischer Optimismus ist angezeigt", sagte Ramsauer. Große Hoffnung legen Industrie, Autobranche und Bundesregierung in die vier "Schaufensterregionen" (Baden-Württemberg, Berlin/Brandenburg, Niedersachsen und Bayern/Sachsen), die Informationen über den Bedarf an Ladesäulen und das Ladeverhalten der Bürger bringen sollen.

Die Autobranche betonte, statt sofort in die Massenproduktion einzusteigen, sei es wichtig, zunächst Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Bisher gibt es Probleme vor allem noch beim Preis und der Reichweite der Batterien.

Der NPE-Vorsitzende Henning Kagermann lobte die Fortschritte im Bereich Elektromobilität. An den Hochschulen seien Lehrpläne mit Blick auf die Elektromobilität angepasst worden, die Forschung werde ausgeweitet. "Man ist eigentlich begeistert, wenn man in so einem Auto fährt." Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sagte, bis 2014 solle es 15 E-Automodelle deutscher Hersteller geben. Insgesamt sollen zunächst 17 Milliarden Euro investiert werden.

Nach Meinung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer dagegen läuft die Startphase miserabel. "Die Elektromobilität ist in Deutschland dabei zu sterben", sagte der Direktor des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen am Mittwoch der dpa. Die Pläne von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dass bis 2020 in Deutschland eine Million Elektroautos fahren würden, seien Makulatur.

"So wie es derzeit aussieht wird man froh sein, wenn man 10 Prozent des Ziels, also 100 000 Fahrzeuge erreicht", so Dudenhöffer. Notwendig seien großangelegte Offensiven. Innenstadtzonen müssten zum Beispiel nur für E-Autos zugänglich sein und man brauche Car-Sharing-Angebote in Großstädten, damit man die Autos sehe.

Die Regierung hatte vor einem Jahr ein Paket zur besseren Förderung der Elektromobilität beschlossen. Elektroautos sollen zum Beispiel für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit werden. Und im Straßenverkehr könnte es neben speziellen Parkflächen auch Sonderfahrspuren geben - sofern Länder und Kommunen mitziehen.

Für die Autokonzerne wäre ein Erfolg der Elektromobilität auch wichtig, um wegen strengerer CO2-Grenzwerte der EU in Zukunft hohe Strafzahlungen zu vermeiden. Umweltverbände werfen der Autoindustrie vor, zu sehr auf höhere Subventionen für Elektro-Autos zu schielen statt intelligente Lösungen zu suchen. "Der Unterton ist ein wenig, wir haben entsprechende Gelder nicht bekommen, also kommen wir nicht so recht voran", sagte Viviane Raddatz, Verkehrsexpertin des WWF, mit Blick auf NPE-Bericht. Der WWF ist wie andere Umweltorganisationen an der Plattform beteiligt. Bemängelt wird auch ein Kungeln der Industrie und zu wenig Transparenz in den NPE-Arbeitsgruppen.

dpa

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