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Solarindustrie im Stimmungstief

Messen Solarindustrie im Stimmungstief

Die Stimmung in der Solarbranche ist so schlecht wie nie zuvor. Die geplante Förderkürzung und harte Auslandskonkurrenz belasten die Geschäfte. Ausgerechnet zur Eröffnung der weltgrößten Solarmesse Intersolar wartet die Branche mit einer neuen Hiobsbotschaft auf.

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Auf einer Branchenmesse Intersolar in München werden daher hitzige Debatten erwartet.

Quelle: Martin Schutt

München. Billigkonkurrenz aus China und die geplante Kürzung der Fördergelder für Solarstrom in Deutschland vermiesen den Firmen das Geschäft. Jüngstes Beispiel: Die Photovoltaik-Firma Solarwatt, die beim Amtsgericht Dresden wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung einen Insolvenz-Schutzschirm beantragte.

In einer Umfrage zur Geschäftslage der Photovoltaik äußerten sich die Firmen pessimistischer als je zuvor seit Beginn der Befragung 2005. "Es war noch nie so schlecht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig, bei der Eröffnung der Messe, zu der bis Freitag rund 80 000 Besucher erwartet werden.

In den vergangenen Monaten mussten mehrere Solarhersteller in Deutschland, darunter der frühere Marktführer Q-Cells, unter anderem wegen des extremen Preisdrucks durch Konkurrenz aus China Insolvenz anmelden. Auch die Solarwatt AG hielt dem Druck nicht mehr stand. Das Amtsgericht Dresden stimmte dem Antrag auf einen Insolvenzschutzschirm zu. Das Unternehmen mit seinen rund 440 Mitarbeitern hat nun bis zum 31. Juli 2012 Zeit, um dem Gericht ein umfassendes Sanierungskonzept vorzulegen. Der Vorstand kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken, ihm wird ein Sachwalter zur Seite gestellt.

"In diesem Jahr steht die Intersolar unter dem Eindruck eines harten internationalen Wettbewerbs", sagte Körnig. Allein in den vergangenen Wochen seien mehr als 10 000 Arbeitsplätze in Deutschland weggefallen.

Zudem verunsichert der monatelange Streit um die Kürzung der Solarförderung in Deutschland Hersteller und Kunden. Zumindest hier können die Unternehmen aber auf moderatere Kürzungen als zunächst geplant hoffen. Bund und Länder kamen sich am Mittwochabend im Vermittlungsausschuss näher, ein Durchbruch steht aber noch aus. Das Gremium von Bundestag und Bundesrat vertagte seine Verhandlungen, die Regierung strebt aber noch vor der Sommerpause eine Einigung an. Der Bundesrat hatte im Mai mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit die Pläne der Regierung zur Kürzung um bis zu 30 Prozent blockiert. Gerade ostdeutsche Länder fürchten dadurch noch mehr Pleiten bei ihren Solarunternehmen.

Auf der Intersolar ist die Krise der Branche deutlich zu spüren: Die Zahl der Aussteller ging nach einem jahrelangen Boom erstmals um mehr als 300 auf rund 1900 Firmen zurück. Seit Anfang des Jahres gab es nach Angaben der Veranstalter zahlreiche Stornierungen. Betroffen sind aber nicht nur deutsche Firmen: Auch im Ausland sorgen politische Diskussionen über die Förderhöhe der Solarenergie für Unsicherheit.

Ohne Unterstützung kann die Branche nach Einschätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft noch nicht leben. "Noch ist Solartechnik für einige Jahre stark auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen, die nicht immer gegeben sind", sagte Körnig. Einen wichtigen Meilenstein habe die Solarenergie aber bereits erreicht: Solarstrom vom eigenen Hausdach sei dank stark gesunkener Preise der Solartechnik inzwischen bereits billiger als konventioneller Strom.

Immer mehr Haushalten setzen auf Solarenergie: Seit den Beschlüssen zur Energiewende vor einem Jahr seien rund 400 000 Solaranlagen in Deutschland neu installiert worden. "Es geht weiter aufwärts, die Nachfrage steigt", sagte Körnig. Insgesamt leben demnach bereits sieben Millionen Menschen in Gebäuden, die Strom oder Wärme mit Solarenergie erzeugen.

dpa

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