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Verbraucherschützer fordert besseren Kundenschutz

Air-Berlin-Pleite Verbraucherschützer fordert besseren Kundenschutz

Air Berlin ist beinahe Geschichte, die Lufthansa ist glücklich. Auf die Verbraucher kommen jetzt höhere Ticketpreise zu, vermutet Ingmar Streese im RND-Interview.

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Ingmar Streese, Verbraucherschützer: Airline-Kunden müssen besser geschützt werden.

Quelle: VZBV

Berlin. Ingmar Streese ist beim Verbraucherzentrale Bundesverband der Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik.

 

Ist der „große Tag“ für die Lufthansa ein schlechter für die Verbraucher?

Flüge innerhalb Deutschlands könnten durch den Deal mit Lufthansa in der Tat künftig teurer werden. Je nachdem wie groß die Teile sind, die Lufthansa von der ehemaligen Nr. 2 übernimmt, drohen auf bestimmten innerdeutschen Flugstrecken Monopole. Auf internationalen Flugstrecken werden die Preise aber vermutlich nicht steigen. Dafür ist der Konkurrenzdruck einfach zu stark.

Je stärker eine Monopolstellung, desto niedriger die Flugpreise lautet die Lufthansa-Antwort. Ist das Publikumsveralberung?

Richtig ist: je stärker eine Monopolstellung, desto höher die Motivation, auch die Preise zu erhöhen. Preissteigerungen sind daher auf jenen innerdeutschen Flugstrecken zu befürchten, auf denen bisher Air Berlin die einzige Konkurrenz zur Lufthansa war. Auf diesen Strecken haben Verbraucherinnen und Verbraucher dann das Nachsehen.

Ist eine zumindest vorübergehende Ticketpreisbremse denkbar?

Ein nur vorübergehender Schutz bringt Verbrauchern wenig. Langfristiger Schutz gegen zu hohe Preise ist schlicht ein funktionierender Wettbewerb. Darum muss es bei der Übernahme von Air Berlin gehen. Ein Verkauf an mehrere konkurrierende Unternehmen wäre daher wünschenswert.

100 000 AB-Ticketbesitzer schauen in die Röhre. Hätte der Staat die Betroffenen besser schützen können?

Mit den Langstreckentickets werden sogar 200.000 Tickets wertlos. Der vzbv fordert schon seit Jahren, im Voraus gezahlte Kundengelder bei Flugbuchungen vor Insolvenz zu schützen. Jetzt rächt es sich, dass die Bundesregierung bislang nicht tätig geworden ist. Airlines sollten grundsätzlich gesetzlich verpflichtet werden, eine Insolvenzversicherung zugunsten der vorausbezahlten Kundengelder abzuschließen. Das ist bereits seit über zwanzig Jahren bei Pauschalreiseanbietern der Fall. Hierfür muss die neue Bundesregierung schnellstens eine Lösung finden und sich möglichst für eine europaweite Regelung stark machen.

Können die Verbraucher noch auf ein Veto der Kartellbehörden hoffen?

Auf den Kartellbehörden liegen jetzt große Hoffnungen. Sie werden genau prüfen, ob Lufthansa durch die Übernahme auf den einzelnen Flugstrecken eine unzulässige marktbeherrschende Stellung erlangt. Im Zweifel muss der Deal mit Lufthansa nachgebessert werden oder Lufthansa muss sich doch noch von Teilen Air Berlins trennen. Es wäre im Sinne der Verbraucher, wenn es schnellstmöglich Klarheit darüber gibt, welches Unternehmen wie viel von Air Berlin übernehmen darf.

Von Dieter Wonka

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