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Viele Schnapsbrenner müssen aufgeben

Ende der Monopolverwaltung für Branntwein Viele Schnapsbrenner müssen aufgeben

Viele Bauern haben in der Schnapsbrennerei einen lukrativen Nebenverdienst. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn Ende des Jahres wird die Monopolverwaltung für Branntwein geschlossen – und damit ein wichtiger Abnehmer.

Bauern, die Obstler direkt an den Kunden verkaufen, sind von der Neuregelung nicht betroffen.

Quelle: dpa

München. Das nahende Ende des deutschen Branntweinmonopols bedroht einen traditionellen Nebenerwerb vieler Bauern: die Schnapsbrennerei. Wenn das Monopol Ende dieses Jahres endgültig ausläuft, wird sich die Alkoholproduktion für viele Landwirte nicht mehr lohnen.

„Es wird weitere Brennereien geben, die aufhören“, sagt Gerald Erdrich voraus, er ist Geschäftsführer des Bundesverbands der Obst- und Kleinbrenner in Karlsruhe. Derzeit gibt es noch 16 000 Kleinbrenner in Deutschland, im vergangenen Jahrzehnt waren mehr als 20 000 aktiv.

Schon 2004 untersagte die EU staatliche Zuschüsse

Die Monopolverwaltung für Branntwein wurde 1918 gegründet, um die durch den Ersten Weltkrieg ruinierten Staatsfinanzen aufzubessern. Für die Bauern hatte die Behörde den Vorzug, dass sie bis heute Garantiepreise für Agraralkohol zahlt, die weit über den Weltmarktpreisen liegen. Im Wirtschaftsjahr 2016/2017 dürfen die Brenner die Monopolverwaltung zum Beispiel mit 48 000 Hektoliter reinem Agraralkohol beliefern. Für den Bund ist das seit Jahrzehnten ein Zuschussgeschäft – in diesem Jahr von rund 50 Millionen Euro.

Ein echtes staatliches Branntweinmonopol in Deutschland gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr, doch die Monopolverwaltung existierte als eine Art Relikt aus alten Zeiten weiter. Die EU untersagte 2004 staatliche Zuschüsse für die Alkoholproduktion. Doch von der Ankündigung bis zur schlussendlichen Abwicklung ist mehr als ein Jahrzehnt ins Land gegangen.

Die Abhängigkeit der Bauern von der Monopolverwaltung variiert von Region zu Region. „Bei uns in Franken sind neun von zehn Brennern am Monopol orientiert“, sagt Hubert Fröhlich, Vorsitzender des fränkischen Obst- und Kleinbrennerverbands. Im Süden Bayerns dagegen produziert ein großer Teil der Kleinbrenner nicht reinen Agraralkohol für die Monopolverwaltung, sondern Obstler für die Direktvermarktung auf eigene Rechnung. Daher sind die Auswirkungen dort nicht so gravierend.

Kein Obstler wegen schlechtem Wetter

Für die Schnapspreise oder die Herstellung von Obstbränden in Deutschland wird das Ende des Monopols voraussichtlich keine große Bedeutung haben. Die Versorgung mit Obstler sei derzeit nicht durch Brüssel gefährdet, sondern durch die Natur, sagt Erdrich. Denn wegen des späten Frosts im April sind viele Blüten erfroren: „In diesem Jahr wird fast gar nichts gebrannt, weil es fast kein Obst gibt“, so der Verbandschef. 

Die Obstbrennerei im kleinen Maßstab sei trotz des Wegfalls des Monopols nicht gefährdet, sagt Fröhlich. Denn immer mehr betrieben die Brennerei als Hobby und nicht als Erwerbsquelle. „Wir haben eine neue Gruppe von Brennern; junge Rentner, die ein bisschen wohlhabend sind und Spaß an der Brennerei haben“, erzählt Fröhlich. „Das ist ein Lebensgefühl.“

Von Carsten Hoefer/RND