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Weiter Ränkespiele um Macht bei VW

Auto Weiter Ränkespiele um Macht bei VW

Im Machtkampf bei Volkswagen gerät zehn Tage vor der Hauptversammlung nun Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zunehmend unter Druck. Der 78-Jährige sei als Chefkontrolleur des Konzerns nicht mehr tragbar, sagten mehrere Mitglieder des 20-köpfigen Gremiums dem "Spiegel".

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Ferdinand Piëchs Verhalten im VW-Machtkampf stößt auf Kritik und Widerstand. Foto: Andreas Gebert/Archiv

Wolfsburg/Berlin. Nach dem öffentlichen Abrücken Piëchs von Vorstandschef Martin Winterkorn und einem anschließenden Verwirrspiel um die Motive des VW-Übervaters wird auch unter Aktionärsschützern und Branchenexperten der Ruf nach Aufklärung lauter. "Dieser Herr (Piëch) muss seinen Aktionären erklären, warum er das macht", sagte der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Am Donnerstag hatten die Deutsche Presse-Agentur, der NDR und die "Welt" übereinstimmend berichtet, Piëch versuche, die Ablösung Winterkorns noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai zu betreiben. Piëch hatte dies dementiert und erklärt: "Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht."

Vor zwei Wochen hatte Piëch in einem "Spiegel"-Interview noch gesagt: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Diese Äußerung hatte eine heftige Debatte um die Zukunft des bestbezahlten Dax-Managers Winterkorn und eine Führungskrise beim Autokonzern losgetreten.

Nach dpa-Informationen trafen sich am Mittwoch auf Drängen Piëchs die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche in Stuttgart. Dort soll Piëch um Unterstützung für seinen Plan geworben haben, Porsche-Chef Matthias Müller oder Skoda-Chef Winfried Vahland als Nachfolger von Winterkorn durchzusetzen. Der "Spiegel" berichtete am Freitag unter Verweis auf Konzernkreise vorab, Piëch habe schon Anfang dieser Woche Porsche-Chef Matthias Müller gebeten, sich für einen Wechsel auf die Position des Vorstandsvorsitzenden bereit zu halten. Dies wurde der dpa in Konzernkreisen bestätigt.

Derweil warnen Vertreter von Aktionären mit Blick auf die nahende Hauptversammlung vor einem massiven Vertrauensverlust, sollte das Ringen der mächtigen Manager hinter den Kulissen länger weitergehen.

Der insgesamt noch erfolgsverwöhnte Autobauer müsse aufpassen, sein Kapital bei kleineren Aktionären, aber auch bei vielen Beschäftigten nicht zu verspielen, sagte DSW-Präsident Hocker: "Es ist ja klar, dass nun nicht nur 600 000 Mitarbeiter erst einmal den Atem anhalten. Natürlich sieht man eine Verunsicherung."

Hocker kritisierte, dass gegen Winterkorn vorgebrachte Kritikpunkte wie die Renditeschwäche der Kernmarke VW oder die schleppende Entwicklung in den USA und beim Projekt Billigauto längst bekannte Baustellen seien: "Das ist nichts Neues." Piëch müsse seine Motive für die Attacke auf Winterkorn daher dringend offenlegen.

"Nur mit sechs Worten der Indiskretion ist es nicht getan", meinte Hocker mit Blick auf die Interview-Aussage des Aufsichtsratschefs. Die entstandene Unsicherheit spiegele sich auch in der Entwicklung der VW-Vorzugsaktie wider, deren Kurs seither an Wert eingebüßt habe.

Auch aus Sicht des Branchenexperten Stefan Bratzel sollte der Streit um die Führung bei VW zügig beendet werden. "Der VW-Konzern kann sich einen Machtkampf nicht lange leisten, wenn man nicht im Wettbewerb zurückfallen möchte", sagte Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, der dpa. Volkswagen habe in den vergangenen zehn Jahren eine enorme Leistungsstärke entwickelt und stehe im Branchenvergleich trotz einiger Schwachpunkte derzeit noch sehr gut da. "Durch den Machtkampf werden die enormen Erfolge des einstmaligen Duos Winterkorn und Piëch ein Stück weit diskreditiert."

VW müsse sich nun wieder vollständig auf die drängenden inhaltlichen Aufgaben und Probleme konzentrieren. Möglichst bald sei eine Klärung der Frage nötig, wer den Konzern in die "20er-Jahre" führen werde, in denen viele Herausforderungen rund um Vernetzung des Autos, autonomes Fahren, alternative Antriebe und neue Geschäftsmodelle warteten.

dpa

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