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Die Energiewende als Herausforderung

16. Symposium zur Versorgungswirtschaft Die Energiewende als Herausforderung

Geht es um die Energiewende, so denkt fast jeder an Strom. Viel wichtiger ist freilich, wie es gelingt, unter den neuen Vorzeichen genug Wärme zu gewinnen. Beim 16. Symposium zur Versorgungswirtschaft in Schleswig-Holstein haben sich Studierende der Fachhochschule Kiel in den Räumen der Schwentinentaler Vater ESN-Akademie mit genau diesem Thema auseinandergesetzt – und mehr Fragen als Antworten geliefert.

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Aufmerksame Zuhörer beim Symposium der Versorgungswirtschaft. Auch die Professoren Eberhard Hoffmann-Berling (links) und Udo Beer (rechts) gehörten dazu.

Quelle: Martin Geist

Schwentinental/Kiel.  Professor Eberhard Hoffmann-Berling betrachtet das nicht als Manko. Vielmehr sei es ein Beweis dafür, wie kritisch sich seine Schützlinge mit der Materie befassen.

 49 Prozent der hierzulande verbrauchten Energie entfällt auf Wärme, jedoch nur 21 Prozent auf Strom. Höchste Zeit also, sich dem Gebiet zuzuwenden, sagte Christin Michelsen, die jedoch ebenso wenig wie ihre Kommilitonen eine Zauberformel dafür wusste, wie es gelingen soll, Wärme weder aus Kohle noch aus Öl zu erzeugen und sie zugleich preisgünstig zu gestalten.

 Mit dem Anschluss- und Benutzungszwang haben die Kommunen großen Einfluss auf die Entwicklung. Wer sich etwa in ein Neubaugebiet einkauft, kann gezwungen werden, sein Haus an ein Fern- oder Nahwärmenetz anzuschließen, sagte Florian Bernoth. Das Problem: Selbst sinnvolle Dinge wie die Erzeugung des eigenen Warmwassers durch Solarkollektoren sind in den bundesweit etwa 1000 Satzungen zuweilen verboten. Vor allem aber sehen sich die Verbraucher dem oft kaum nachvollziehbaren Preisdiktat ihre Versorger ausgeliefert. Ein Problem, das laut Bernd Maier-Staud vom Kieler Energiewendeministerium erheblichen Konfliktstoff in sich birgt. Die Ergebnisse einer kartellrechtlichen Preiserfassung für Fern- und Nahwärme in Schleswig-Holstein liegen zwar nicht vor dem ersten Quartal 2015 im Detail vor. Klar ist aber, dass es Tarifunterschiede von 100 Prozent und mehr gibt.

 Es gibt jedoch Alternativen, die nach Einschätzung der FH-Studierenden allerdings ebenfalls ihre Tücken in sich bergen. So seien Passivhäuser kaum verbreitet, weil teuer und nicht bahnbrechend effektiver als Niedrigenergiehäuser. Auch die energetische Sanierung der vorhandenen Wohnhäuser, von denen 70 Prozent vor 1979 gebaut wurden, ist kein Selbstgänger. Wohnungswirtschafter Jan Christof Kersig merkte an, dass der Bedarf an Fernwärme in sanierten Häusern zwar um 40 bis 50 Prozent gesunken sei, die neue Tarifkalkulation der Stadtwerke fresse diese Einsparung aber völlig auf.

 Gleichwohl gibt es auf diesem Gebiet zwar viele Ärgernisse, aber keine klassisch Schuldigen. So kalkulieren die Stadtwerke nicht aus Gewinnsucht anders, sondern weil sie den Strom ihres Heizkraftwerks wegen des Booms der erneuerbaren Energien viel schlechter verkaufen können als früher. Ganz grundsätzlich, so warnte beim Symposium ein Vertreter des Verbands kommunaler Unternehmen, sei die technisch wie ökologisch äußerst begrüßenswerte Kraft-Wärme-Kopplung ohne Gegensteuern bald „relativ tot“.

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