21 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Reeder schöpfen Hoffnung

20. Hansa Forum Reeder schöpfen Hoffnung

Das Hansa-Forum ist alljährlich der Branchentreff der Fachzeitschrift zum Jahresende für die deutsche Schifffahrtsszene in Hamburg. Eine Branche, die durch Pleiten und Schuldenschnitte zuletzt erhebliche Schlagseite bekam.

Voriger Artikel
Güterwaggons werden digital für effizientere Logistik
Nächster Artikel
Acht Millionen Euro für Dorschfischer

Mit 6,6 Jahren ist die Flotte von Hapag-Lloyd heute die jüngste im Markt und für die Zukunft optimal aufgestellt.

Quelle: Frank Behling

Hamburg. In diesem Jahr begrüßte Hansa-Chefredakteur Krischan Förster 350 Experten aus Reedereien, Banken und Fondshäusern zum 20. Forum im Hotel Grand Elysee am Rothenbaum. Feierstimmung war dabei am Donnerstag nicht zu spüren.

 Trotz der Hiobsbotschaften aus den Schifffahrtsmärkten gibt es aber Licht am Horizont. „Wir sind optimal aufgestellt. Für die nächsten Jahre sind auch keine Neubauten mehr geplant, die finanziert werden müssen“, sagt Nicolás Burr, Finanz-Chef im Vorstand der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd. In diesen Tagen werden in Korea die vorerst letzten fünf Neubauten auf die Auslieferung vorbereitet. „Dann ist unsere Flotte mit einem Durchschnittsalter von 6,6 Jahren die jüngste im Markt“, erklärt Burr. Diese junge Flotte sei sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch für alle Herausforderungen gerüstet. Aus dem einst mittelgroßen Linienbetrieb von Hapag-Lloyd ist jetzt die Nummer sechs im Weltmarkt geworden. Gerade schloss das Unternehmen den Zusammenschluss mit der United Arab Shipping Company ab. 237 Schiffe sind dann in dem globalen Netzwerk von Hapag-Lloyd. „Damit verfügen wir über genau das richtige Angebot in allen Fahrtgebieten“, sagt Burr.

 Diese Zuversicht teilen nicht viele. Besonders nicht die Reeder und Banker, die keine eigenen Linien betreiben und stattdessen ihre Schiffe an große Reedereien wie MSC, Maersk oder Hapag-Lloyd verchartern müssen. Zum Beispiel die Reedereien wie die Norddeutsche Reederei H. Schuldt, die gerade durch einen Schuldenerlass von über einer halben Milliarde Euro von der HSH Nordbank vor dem Untergang bewahrt wurde.

 Schiffe der Reederei fahren auch für Hapag-Lloyd. Die 2010 in Korera bei Daewoo gebaute „Northern Jupiter“ wurde gerade erst von Hapag-Lloyd für sieben Monate in Charter genommen. Als Tagesrate zahlt Hapag-Lloyd laut Hansa nur 8650 Dollar. Fast das Dreifache hatten die Banker einst bei der Finanzierung erhofft und auch kalkuliert, als das Schiff 2010 bei der HSH-Nordbank finanziert wurde.

 „Die Lage für diese Schiffe wird sich wohl erst 2019 wieder bessern. Es gibt immer noch ein zu großes Angebot, besonders an Schiffen der Panmax-Größe“, sagt James Frew, Analyst von britischen Institut MSI. Zwar ist der Auftragsbestand an Containerschiffen bei den Werften in Asien im Vergleich zu 2015 von 250 auf 150 geschrumpft und 446 Schiffe gingen seit Januar zum Abwracken. Eine echte Erholung sei aber nicht spürbar, da die Weltwirtschaft nicht die Schiffe füllt. Die Bezeichnung vom destruktiven Marktumfeld machte ein ums andere Mal beim Hansa-Forum die Runde.

 Einen Weg aus der Krise zeigten Martin Harren und Frank Dreyer auf. Sie haben 2014 die Schwergutfrachter ihrer Reedereien Harren & Partner sowie BBC im Pool BHS Weser-Ems zusammengefasst. Inzwischen sind weitere Reeder dazugestoßen. 202 Schiffe werden so gemeinsam befrachtet. Befördert werden überwiegend Schwergüter, vom U-Boot bis zum Windanlagenflügel. „Die Pool-Lösung ist dabei ein sehr erfolgreicher Weg. Jede Reise von jedem Schiff wird einzeln abgerechnet. Die Gewinne werden danach aber auf alle Schiffe im Pool verteilt“, sagt Harren.

 162 Millionen Dollar Umsatz fuhr die Flotte so 2015 ein. 72 Millionen Dollar blieben als Ergebnis übrig und wurden im Pool verteilt. Auch die Raten der Schiffe sind gestiegen. Während im Markt rund 6400 Dollar als Tagescharter gezahlt werden, erzielen die BHS-Schiffe laut Harren bis zu 7400 Dollar. „Damit sind wir auf einem erfolgreichen Kurs“, sagt Harren.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3