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Wehrtechnik setzt auf Export

27 Unternehmen befragt Wehrtechnik setzt auf Export

Die Wehrtechnik-Unternehmen in Schleswig-Holstein stehen insgesamt auf einem festen Fundament. Die Umsatzerwartungen der Firmen in diesem Geschäftsjahr sind „gedämpft optimistisch“; die meisten wollen die Beschäftigung stabil halten, einige planen sogar Einstellungen. Das berichte am Donnerstag Dietel Hanel, der Vorsitzende des Arbeitskreises Wehrtechnik in Schleswig-Holstein, in Kiel.

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Quelle: hfr

Kiel. Dem Arbeitskreis gehören 27 Unternehmen an. Dazu zählen große wie ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), die Kieler U-Bootwerft, und der Lübecker Dräger-Konzern. Dazu gehören aber vor allem zahlreiche Mittelständler, sowie kleine Firmen wie Korth Kristalle in Altenholz, die Kristalle züchtet und daraus hochpräzise optische Komponenten fertigt. Rund 22.350 Mitarbeiter beschäftigen diese Unternehmen insgesamt, davon sind 5900 direkt in der Wehrtechnik tätig. Damit stieg die Beschäftigung in diesem Bereich in den vergangenen 20 Jahren um 40 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um knapp vier Prozent. Jährlich erwirtschaften die Firmen einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Euro, 2014 waren es wegen der Abrechnung eines großen U-Bootauftrages sogar 2,1 Milliarden Euro. Die Unternehmen gehen in diesem Jahr von stabilen bis leicht steigenden Umsätzen aus, ergab die aktuelle Konjunkturumfrage des Arbeitskreises.

 Der wirtschaftliche Erfolg der Branche hat sich in den vergangenen Jahren weiter in Richtung Export verschoben: Fregatten für Algerien, Leopard-Panzer in arabischen Raum und nach Indonesien, Marineschiffe für Kanada und Großbritannien, U-Boote für Israel, Ägypten, Kolumbien und andere Länder sowie Pionierpanzer nach Norwegen und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Diese Aufzählung einiger Großaufträge der letzten vier Jahre zeigt die Bedeutung des Auslandsgeschäfts; der Exportanteil liegt bei 50 bis 70 Prozent. „Ohne den Export von wehrtechnischem Gerät ist die nationale Rüstungsindustrie in ihrer Existenz gefährdet, es gehen technologische Kompetenzen verloren“, sagte Hanel. Wie schon in den Vorjahren plädierte er für eine „verlässliche“ und „wirtschaftspolitisch vernünftige“ Rüstungsexportpolitik. Um Chancengleichheit mit Wettbewerbern aus dem Ausland zu erhalten sei „dringend eine Harmonisierung der Ausfuhrbestimmungen erforderlich“.

 Solche politischen Unsicherheiten sind vor allem die Risiken, die die 27 Wehrtechnik-Unternehmen sehen. Fast die Hälfte der Betriebe berichtete in der Umfrage von „großen Probleme“ bei den Ausfuhrgenehmigungen; zwei Drittel der Firmen ist verunsichert, weil die Auswirkungen der Bundeswehr-Reform noch nicht abzusehen sind (siehe auch den Bericht unten). Zu schaffen machen der Branche aber auch die in Europa von Land zu Land unterschiedlichen Zulassungsvorschriften für militärisches Gerät.

 Und ganz oben auf der Wunschliste steht eine „stufenweise Anhebung der Verteidigungsausgaben“ in Deutschland von derzeit 1,3 auf die in der Nato vereinbarte Größenordnung von zwei Prozent. Das sei vor dem Hintergrund gewachsener Risiken durch internationalen Terrorismus, zahlreicher Konfliktherde in der Welt und solcher Konflikte in der Ukraine und in Syrien auch zu vertreten, sagte Hanel. Das alles erfordere eine „aktive deutsche Sicherheitsvorsorge“. Und dafür benötige die Bundeswehr „eine Ausrüstung, die dieser veränderten Lage und dem erweiterten Auftrag gerecht wird“.

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Das ist wohl die Aufgabe fast jeder Branchenorganisation: auch dann zu klagen, wenn die Geschäfte im Prinzip ganz gut laufen. Und schaut man nur auf die Zahlen der vergangenen Jahre, dann hat die Wehrtechnik-Industrie in Schleswig-Holstein wie im übrigen Deutschland eigentlich keinen Grund zur Klage.

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