19 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Chinesen setzen auf Neumünster

40 Unternehmen Chinesen setzen auf Neumünster

Wenn es um Ansiedlungen chinesischer Firmen im Norden geht, führt kaum ein Weg an Neumünster vorbei: Von den etwa 60 Unternehmen im gesamten Bundesland betreut die Wirtschaftsagentur Neumünster derzeit etwa 40.

Voriger Artikel
Hamburg: Zentrum für VW-Projekte zur städtischen Mobilität
Nächster Artikel
Strecke Kiel-Schönberger Strand: Bauarbeiten gestartet

Spatenstich für den deutsch-chinesischen Gewerbepark in Neumünster

Quelle: Jan von Schmidt-Phiseldeck

Neumünster. „Das sind gut ausgebildete und kernige Leute, die einem mit ihrem Unternehmergeist Respekt einflößen“, sagt Heino Bubach-Bernhardt. Der 56-Jährige gehört seit 2002 zum Kernteam der Wirtschaftsagentur Neumünster, die mit der Gründung des Chinese Business Centers Schleswig-Holstein ein Jahr später einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Ansiedlung chinesischer Firmen legte. „Von Anfang wollten wir dabei einen Ort schaffen, wo der Austausch möglich ist und sich die Chinesen einfach wohl fühlen“, sagt Bubach-Bernhardt.

 Dabei waren die Anfänge nicht immer ganz einfach: Oftmals entsprach die Qualität der auf dem deutschen Markt angebotenen chinesischen Waren nicht den geforderten Standards. „Das hat sich in den vergangenen Jahren aber völlig gedreht. Die Chinesen haben sehr schnell aufgeholt und pflegen jetzt einen sehr hohen Standard.“ Auch würden jetzt fast genauso viele Waren aus China wie nach China verkauft. Ein Beispiel: Ein chinesisches Unternehmen kauft auf dem deutschen Markt Kunststoffabfall ein, verpackt es in Kartons und lässt es in China recyceln. Oftmals würden auch Vorprodukte aus China hier zu Spielwaren- oder Elektronikartikel zusammengesetzt, seit einiger Zeit auch vor Ort produziert, zum Beispiel in der Medizintechnik.

 „Viele chinesische Unternehmer haben ein Interesse daran, sich hier im Norden ein zweites Standbein zu schaffen – für gebildete und wohlhabende Chinesen ist das hier eine große Chance, viele wollen auch dauerhaft bleiben“, sagt Bubach-Bernhardt. Und nicht zuletzt habe sich in den Jahren der Ansiedlung der gute Ruf der Schwalestadt in China herumgesprochen: „Da heißt es immer wieder: In Neumünster klappt das.“

Deutsch-Chinesischer Gewerbepark

 Jüngstes Beispiel war der Spatenstich für einen deutsch-chinesischen Gewerbepark in Neumünster. Für den „Schwalepark“ hat sich zwar zunächst nur ein Investor gefunden, dessen Firma Overspeed International Logistic an Trading hochwertige Naturkosmetik und Lebensmittel aus Europa nach China exportieren möchte. Weitere Interessenten sollen jedoch nach Angaben der Firma C&W Europe, die ihren Sitz im Logistik- und Innovationszentrum Neumünster hat und das Konzept für den Park entwickelte, bereits angefragt haben.

 Der Aufenthaltsstatus spielt dabei eine entscheidende Rolle, sagt Bubach-Bernhardt. Nach dem Auslaufen eines Visums würde deshalb der Businessplan des chinesischen Unternehmers geprüft. Das Ausländeramt prüfe ebenfalls „auf berechtigtes Interesse“ des Antragsstellers, um eine längerfristige Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen. Eingeschaltet sei außerdem die IHK. „Chinesen sind brillant darin, Gelegenheiten zu ergreifen. Auch nach einem Scheitern geht es einfach weiter“, sagt Bubach-Bernhardt. Und weil der chinesische Markt rasant weiterwachse, rechnet er in den kommenden Jahren mit weiteren Ansiedlungen. „Die größte Hürde für viele Unternehmer ist zunächst die deutsche Sprache. Da spielen uns die hier seit Jahren ansässigen Chinesen aber in die Karten und fangen ihre Landsleute auf.“

 Von einem „mühevollen Prozess“ hin fast zu einem Selbstgänger: „Dieser Standort hat eine hohe Dynamik entwickelt, weil die Chinesen weitere Chinesen nach sich ziehen“, sagt Iris Meyer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsagentur. Wichtiger „Sparringspartner“ sei da beispielsweise der Deutsch-Chinesische Verein, mit dem es eine enge Zusammenarbeit gebe. Als Folge habe es seit etwa zwei Jahren verstärkte Anfragen nach Städtepartnerschaften aus verschiedenen Regionen Chinas gegeben. „Das gehen wir aber langsam an. Erst muss sich die Freundschaft entwickeln, dann kann eine Partnerschaft folgen, die ja auch von beiden Seiten gelebt werden muss“, sagt Meyer.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

Mehr aus Nachrichten: Wirtschaft 2/3